Zahnfraktur
Englisch: tooth fracture
Definition
Eine Zahnfraktur ist ein Zahntrauma, das durch einen Bruch (Fraktur) oder Riss im Zahn charakterisiert ist. Ursächlich können ein Unfall (Sturz, Schlag), das Kauen auf zu harten Gegenständen oder eine Schwächung der Zahnsubstanz (z.B. durch große Füllungen oder nach Wurzelkanalbehandlungen) sein.
Einteilung
Zahnfrakturen werden nach der IADT-Klassifikation (International Association of Dental Traumatology) wie folgt eingeteilt:[1]
- Schmelzinfraktion
- Kronenfraktur, begrenzt auf den Schmelz (Schmelzfraktur)
- Kronenfraktur von Schmelz und Dentin ohne Pulpabeteiligung (unkomplizierte Kronenfraktur)
- Kronenfraktur von Schmelz und Dentin mit Pulpabeteiligung (komplizierte Kronenfraktur)
- Kronen-Wurzelfraktur mit und ohne Pulpabeteiligung
- Wurzelfraktur ohne Kommunikation zur Mundhöhle
- Wurzelfraktur mit Kommunikation zur Mundhöhle
- Wurzellängsfraktur
Diese Einteilung basiert auf der älteren Andreasen-Klassifikation.
Diagnostik
Diagnostisch steht zunächst die klinische Untersuchung mit Inspektion, Sensibilitätstest und Perkussionstest im Vordergrund. Ergänzend kann eine Transillumination (FOTI) bzw. DI-FOTI durchgeführt werden. In unklaren Fällen oder bei Verdacht auf eine Wurzelfraktur sind zusätzlich ein Zahnfilm oder eine digitale Volumentomographie (CBCT) sinnvoll.
Therapie
Bei der Therapie ist eine strikte Differenzierung zwischen dem Milchgebiss und dem bleibenden Gebiss erforderlich.
Bleibende Zähne
Hier steht der langfristige Zahnerhalt im Vordergrund. Je nach Frakturtyp kommen adhäsive Fragmentwiederbefestigungen sowie direkte Überkappungen zum Einsatz. Bei Wurzelfrakturen wird eine Schienung durchgeführt. Ultima ratio ist die Zahnextraktion.
Milchzähne
Aufgrund der engen räumlichen Lagebeziehung zwischen Milchzahnwurzel und dem darunterliegenden permanenten Zahnkeim ist das therapeutische Vorgehen deutlich defensiver. Um iatrogene Schäden an den bleibenden Zähnen zu vermeiden, wird bei Milchzähnen häufig auf invasive Maßnahmen wie Schienungen oder Replantationen verzichtet. Die Therapie beschränkt sich oft auf das Glätten scharfer Kanten, einfache Füllungen oder die Extraktion bei infektionsgefährdeten Befunden.
Quellen
- ↑ S2k-Leitlinie (Langfassung): Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne AWMF-Registernummer: 083-004 Stand: März 2022 Gültig bis: März 2027