Hyporeninismus
Synonym: Hyporeninämie
Englisch: hyporenin(a)emia
Definition
Hyporeninismus ist ein reduzierter Reninspiegel oder eine reduzierte Reninaktivität. Diagnostisch ist das entscheidende Kriterium nicht der erniedrigte Reninwert, sondern der Aldosteron-Renin-Quotient (ARR). Die klinische Einteilung erfolgt anhand der Reaktion des Aldosterons.
Das Gegenteil ist der Hyperreninismus.
Hintergrund
Renin ist Bestandteil des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS), das wesentlich an der Regulation von Blutdruck, Natriumhaushalt und Volumenhaushalt beteiligt ist.
Ätiologie
Hyporeninämischer Hyperaldosteronismus
Hier ist das niedrige Renin die Folge eines zu hohen Aldosteronspiegels. Die Reninausschüttung wird durch negative Rückkopplung aufgrund der aldosteronbedingten Volumenexpansion und des Blutdruckanstiegs vermindert. Ursächlich kann ein primärer (Conn-Syndrom) oder sekundärer Hyperaldosteronismus sein.
Hyporeninämischer Hypoaldosteronismus
Hier liegt ein Defekt der renalen Rückkopplung vor. Sowohl Renin als auch Aldosteron sind niedrig.
Mögliche Ursachen sind:
- Chronische Niereninsuffizienz (z.B. diabetische Nephropathie): Fortschreitender Verlust von reninproduzierendem Gewebe (juxtaglomerulärer Apparat)
- Medikamente: NSAR hemmen Prostaglandine, die normalerweise die Reninfreisetzung stimulieren. Auch Betablocker und Clonidin hemmen die Reninsekretion.
- Pseudohyperaldosteronismus: Hier wirken Aldosteron-ähnliche Substanzen am Rezeptor. Das führt zu Volumenexpansion und hohem Blutdruck sowie konsekutiver Suppression von Renin und Aldosteron.
- Liddle-Syndrom: Eine genetische Störung des Natriumkanals ENaC. Durch kontinuierliche Überaktivierung resorbiert die Niere hierbei massiv Natrium.
- Lakritz-Abusus: Die Glycyrrhizinsäure hemmt das Enzym, das Cortisol in Cortison umwandelt. Cortisol flutet dann den Mineralokortikoidrezeptor.
- Adrenogenitales Syndrom Typ 4: Anreicherung von Desoxycorticosteron, das eine mineralokortikoide Wirkug hat
Literatur
- Perez GO, Lespier L, Jacobi J, et al. Hyporeninemia and Hypoaldosteronism in Diabetes Mellitus. Arch Intern Med. 1977;137(7):852–855. doi:10.1001/archinte.1977.03630190020008