Galaktosämie
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Loslegenvon altgriechisch: γαλάκτωσις ("galaktosis") - Verwandeln in Milch; αίμα ("häma") - Blut
Englisch: galactosemia, galactosaemia
Definition
Galaktosämien sind eine Gruppe vererbter Stoffwechselstörungen, die den Galaktose-Metabolismus betreffen. Ihr gemeinsames Merkmal ist eine erhöhte Konzentration von Galaktose im Blut.
Hintergrund
Laktose ist das wesentliche Kohlenhydrat in der Muttermilch sowie in Säuglingsanfangsnahrungen. Es liefert ca. 40 % der Kalorien, die ein Neugeborenes aufnimmt. Laktose wird durch die Laktase der Enterozyten in Glukose und Galaktose gespalten. Anschließend wird Galaktose zur Energiegewinnung über den Leloir-Weg in enzymatischen Schritten in Glukosemetabolite überführt.[1]
Eine Akkumulation von Galaktose findet man bei angeborenen Defekten der beteiligten Enzyme, aber auch bei gestörter Aufnahme von Galaktose in die Hepatozyten (Fanconi-Bickel-Syndrom) oder bei Umgehung der Leber durch einen portosystemischen Shunt (z.B. bei persistierendem Ductus venosus hepatis).
Einteilung
Man unterscheidet folgende angeborene Störungen des Galaktosestoffwechsels:
- klassische Galaktosämie (Galaktosämie Typ 1)
- Galaktokinasemangel (Galaktosämie Typ 2)
- Uridindiphosphat-Galaktose-4-Epimerase-Mangel (Galaktosämie Typ 3)
- Galaktose-Mutarotase-Mangel (Galaktosämie Typ 4)[2]
Galaktosämie Typ 1
Die klassische Galaktosämie wird durch einen Mangel der Galaktose-1-Phosphat-Uridyltransferase (GALT) verursacht. Sie ist die häufigste und klinisch schwerste Form der Galaktosämien. Unbehandelt führt sie bereits im Neugeborenenalter zu Leberfunktionsstörungen, Katarakt, Sepsis und neurologischen Schäden.
Galaktosämie Typ 2
Die Galaktosämie Typ 2 beruht auf einem Mangel der Galaktokinase (GALK1). Durch die Akkumulation von Galaktose und Galaktitol entwickelt sich häufig bereits in den ersten Lebenswochen eine Katarakt. Schwere systemische Manifestationen wie bei der klassischen Galaktosämie treten in der Regel nicht auf.
Galaktosämie Typ 3
Die Galaktosämie Typ 3 wird durch einen Mangel der UDP-Galaktose-4-Epimerase (GALE) verursacht. Das klinische Spektrum reicht von einer asymptomatischen peripheren Form bis zu einer schweren generalisierten Form mit Symptomen ähnlich der klassischen Galaktosämie. Die Ausprägung hängt von der Restaktivität des Enzyms in verschiedenen Geweben ab.
Galaktosämie Typ 4
Die Galaktosämie Typ 4 ist eine sehr seltene Form, die durch einen Mangel der Galaktose-Mutarotase (GALM) entsteht. Die Erkrankung wurde erst 2019 beschrieben. Klinisch stehen erhöhte Galaktosewerte und die Entwicklung einer Katarakt im Vordergrund, während schwere Organmanifestationen selten sind.
Diagnostik
Der Verdacht auf eine Galaktosämie ergibt sich meist im Rahmen des Neugeborenenscreenings oder bei Säuglingen mit Katarakt, Gedeihstörung, Leberfunktionsstörungen oder anderen Zeichen einer Störung des Galaktosestoffwechsels. Die Diagnostik umfasst die Bestimmung von Galaktose und Galaktose-1-phosphat im Blut, die Messung der Aktivität der beteiligten Enzyme sowie molekulargenetische Untersuchungen zur Identifikation der zugrunde liegenden Mutation.
Therapie
Die Therapie basiert auf einer galaktosearmen Diät. Ausmaß und Dauer der Diät richten sich nach der jeweiligen Form der Galaktosämie und dem Schweregrad der Erkrankung. Bei der klassischen Galaktosämie ist in der Regel eine lebenslange galaktosereduzierte Ernährung erforderlich, während mildere Formen häufig weniger strenge diätetische Maßnahmen benötigen.
Ergänzend können regelmäßige augenärztliche, neurologische, endokrinologische und entwicklungsmedizinische Kontrollen erforderlich sein.
Weblink
- Galaktosämie e.V. – gemeinnützige Elterninitiative
Quellen
- ↑ Succoio M, Sacchettini R, Rossi A, Parenti G, Ruoppolo M. Galactosemia: Biochemistry, Molecular Genetics, Newborn Screening, and Treatment. Biomolecules. 2022;12(7):968.
- ↑ Wada Y, Kikuchi A, Arai-Ichinoi N, et al. Biallelic GALM pathogenic variants cause a novel type of galactosemia. Genet Med. 2019;21(6):1286-1294.