Galaktose-Mutarotase-Mangel
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LoslegenSynonyme: Galaktosämie Typ IV, Typ-IV-Galaktosämie
Englisch: galactose mutarotase deficiency, type IV galactosemia
Definition
Der Galaktose-Mutarotase-Mangel, kurz GALM-Mangel, ist eine seltene, autosomal-rezessiv vererbte angeborene Stoffwechselstörung des Galaktosestoffwechsels. Er beruht auf einem Defekt der Galaktose-Mutarotase (GALM) und wurde 2019 als vierte Form der Galaktosämie (Typ IV) beschrieben.[1][2]
Epidemiologie
Ätiologie
Ursache sind biallele pathogene Varianten im GALM-Gen, das die Galaktose-Mutarotase kodiert. Die Erkrankung folgt einem autosomal-rezessiven Erbgang. In einer landesweiten japanischen Erhebung entfielen zwei Varianten (c.294del und c.424G>A) auf rund 72,5 % der nachgewiesenen pathogenen Allele.[3]
Pathophysiologie
Der Abbau von Galaktose erfolgt über den Leloir-Weg, der vier Enzyme umfasst. Die Galaktose-Mutarotase katalysiert dabei den ersten Schritt – die Anomerisierung von β-D-Galaktose zu α-D-Galaktose, dem eigentlichen Substrat der nachgeschalteten Galaktokinase (GALK1).[2] Fällt die Mutarotase aus, ist die Einschleusung der Galaktose in den weiteren Stoffwechsel gestört, sodass Galaktose im Blut akkumuliert.
Anders als bei den übrigen Galaktosämieformen ist der Block jedoch unvollständig: In wässriger Lösung gehen die beiden Anomere auch nichtenzymatisch über die Mutarotation ineinander über. Diese spontane Umwandlung kompensiert den Enzymdefekt teilweise, weshalb die Blutgalaktosespiegel niedriger ausfallen als beim Galaktokinasemangel.[2] Überschüssige Galaktose wird über die Aldosereduktase zu Galaktitol reduziert, dessen Anreicherung in der Augenlinse zur Entstehung einer Katarakt beitragen kann.
Symptome
Viele Betroffene fallen primär durch erhöhte Galaktosewerte im Neugeborenenscreening auf und sind klinisch unauffällig. In der japanischen Kohorte waren folgende Befunde am häufigsten:
- passagere Erhöhung der Transaminasen (Transaminitis) – häufigstes Symptom (ca. 23 %)
- Katarakt bei rund 10 % der Betroffenen, in der Regel milder ausgeprägt als beim Galaktokinasemangel
Insgesamt verläuft die Erkrankung milder als der Galaktokinasemangel. Langzeitkomplikationen wurden bislang (2026) nicht nachgewiesen, ebenso keine relevanten Beschwerden bei heterozygoten Anlageträgern.[3][2]
Diagnostik
Wegweisend ist eine erhöhte Gesamtgalaktose im Blut bei normaler bzw. nahezu normaler Aktivität der Galaktose-1-Phosphat-Uridyltransferase, wodurch sich der GALM-Mangel von der klassischen Galaktosämie abgrenzen lässt.[2] Die Galaktosespiegel steigen unter Laktosezufuhr nur moderat an und bleiben unter den Werten des Galaktokinasemangels. Begleitend findet sich häufig eine leicht erhöhte Galaktitolausscheidung im Urin. Die Diagnosesicherung erfolgt molekulargenetisch durch den Nachweis bialleler GALM-Varianten sowie ggf. enzymatisch über eine verminderte GALM-Aktivität.[1]
Therapie
Therapeutischer Standard ist – wie bei den übrigen Galaktosämieformen – eine Laktose- und galaktosearme Ernährung. Ein früher Beginn im Säuglingsalter kann die Ausbildung einer Katarakt verhindern oder eine bereits bestehende Trübung zurückbilden.[3] In der japanischen Kohorte führte ein Aussetzen der diätetischen Restriktion nach dem Säuglingsalter zu keinen Komplikationen, was auf eine mögliche spätere Lockerung der Diät hindeutet.
Als experimenteller Ansatz wurde die ergänzende Gabe von β-Galaktosidase untersucht, die den laktoseinduzierten Anstieg der Blutgalaktose abschwächen konnte.[4] Die β-Galaktosidase-Gabe ist bislang (2026) nicht als reguläre Therapie etabliert und wird ausschließlich im Rahmen von Studien angewendet.
Prognose
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Wada Y, Kikuchi A, Arai-Ichinoi N, et al. Biallelic GALM pathogenic variants cause a novel type of galactosemia. Genet Med. 2019;21(6):1286-1294.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Wada Y, Aihara Y, Mikami-Saito Y, et al. Galactose mutarotase deficiency as the galactosemia type IV. J Hum Genet. 2025. doi:10.1038/s10038-025-01439-6.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Mikami-Saito Y, Wada Y, Arai-Ichinoi N, et al. Phenotypic and genetic spectra of galactose mutarotase deficiency: A nationwide survey conducted in Japan. Genet Med. 2024;26(8):101165.
- ↑ Wada Y, Arai-Ichinoi N, Kikuchi A, Kure S. β-Galactosidase therapy can mitigate blood galactose elevation after an oral lactose load in galactose mutarotase deficiency. J Inherit Metab Dis. 2022;45(2):334-339.