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FlexiEssay: Tower of Power

Pascal Jackel
Student/in der Humanmedizin
Dr. Frank Antwerpes
Arzt | Ärztin
Simon Schuckel
DocCheck Team
Pascal Jackel, Dr. Frank Antwerpes + 1

Dieser Text ein so genannter FlexiEssay. So nennen wir Texte, die keinen lexikalischen Inhalt haben. FlexiEssays geben die persönliche Einschätzung des Autors wieder. Sie werden von uns nicht inhaltlich überprüft. Wie bei allen anderen Texten gilt: Lies dir den Artikel kritisch durch, vergleiche ihn mit anderen Publikationen und bilde dir eine eigene Meinung.

Definition

Der Tower of Power, kurz ToP, ist ein Konzept zum Aufbau eines manuellen Beatmungssystems in der Notfallmedizin. Der ToP soll einen Standard in der Versorgung von präklinisch beatmeten Patient*innen schaffen.

Hintergrund

In der präklinischen Notfallmedizin sind Notfallsituationen, in denen Personen eine Beatmung benötigen oder ein solcher Zustand droht, meist Ausdruck einer kritisch verlaufenden Erkrankung. Solche Szenarien sind hochdynamisch und erfordern höchste Konzentration aller Beteiligten. Seit längerem etabliert sich ein Konzept aus dem CRM, das darauf abzielt, Einsatzpersonal kognitiv zu entlasten, um Komplikationen zu vermeiden und die Patientensicherheit zu verbessern. Der Tower of Power ist ein entwickeltes Konzept, das bei der manuellen Beatmung eine kognitive Stütze und Entlastung bieten soll. Es beschreibt einen standardisierten Aufbau des Beatmungsbeutels, um maximale Flexibilität und Handlungsmöglichkeiten für das Einsatzpersonal zu schaffen.

Konzept

Der Tower of Power ist kein einzelnes Hilfsmittel, sondern ein standardisiertes, vorausschauendes Beatmungskonzept für die manuelle Beutel-Masken-Beatmung. Ziel ist es, das Atemwegsmanagement frühzeitig strukturiert vorzubereiten und dadurch Sicherheit, Übersicht und Handlungsspielraum zu schaffen.

Der Beatmungsturm wird konsequent aufgebaut, sobald absehbar ist, dass eine Beatmung notwendig werden könnte. Idealerweise steht das System vollständig vorbereitet bereits vor dem ersten Beatmungszug zur Verfügung. So werden zeitkritische Umbauten unter Stress vermieden und kognitive Ressourcen geschont.

Durch den klar definierten Aufbau unterstützt der Tower of Power die/den Anwender*in aktiv bei der Beatmung. Relevante Parameter wie Druck, Leckagen und Ventilation werden unmittelbar sichtbar, typische Fehlerquellen reduziert und Eskalationsschritte vorbereitet, bevor sie erforderlich werden. Der Fokus bleibt dort, wo er hingehört: beim Patienten.

Der Tower of Power vereint damit Standardisierung, Antizipation und kognitive Entlastung in einem praktikablen Konzept. Er erhöht die Prozesssicherheit, ohne zusätzliche Komplexität zu erzeugen, und unterstützt das Einsatzpersonal zuverlässig in kritischen Situationen.

Aufbau des Systems

Erklärung des Systems

Der Ausgangspunkt des Tower of Power ist die Beatmungsmaske als direkter Kontaktpunkt zum Patienten. Ein dichter Maskensitz ist die Grundvoraussetzung für jede effektive Beatmung und gleichzeitig eine der größten praktischen Herausforderungen. Sämtliche nachgeschalteten Komponenten verfolgen daher ein zentrales Ziel: den Maskensitz zu optimieren, zu stabilisieren und überprüfbar zu machen.

Unmittelbar an die Maske schließt sich die Gänsegurgel an. Sie ist ein zentrales Element des Konzepts, da sie maximale Flexibilität ermöglicht. Sowohl die Maskenbeatmung als auch der spätere nahtlose Übergang zu Tubus oder Beatmungsgerät sind ohne größeren Umbau des Systems möglich. Durch die zusätzliche Distanz zwischen Maske und starren Bauteilen entsteht ausreichend Platz für einen stabilen zweihändigen Maskengriff (z. B. Doppel-C-Griff oder VE-Grip). Das reduziert Leckagen, verbessert den Maskensitz und senkt den Stress für die beatmende Person. Gleichzeitig verhindert die direkte Kopplung von Maske und Gänsegurgel die Entstehung eines langen, starren Hebelarms, der sonst zu Verkanten und Undichtigkeiten führen kann. Viele Gänsegurgeln verfügen zudem über einen integrierten Absaugkanal, über den Sekret oder Erbrochenes ohne Systemunterbrechung entfernt werden kann.

Darauf folgt der HME-Filter. Er befeuchtet und erwärmt die Atemluft, schützt die nachgeschaltete etCO₂-Küvette vor Kondensation und Sekret und filtert die Ausatemluft zum Infektionsschutz. Damit erfüllt er sowohl hygienische als auch funktionelle Aufgaben und trägt zu einem zuverlässigen Monitoring bei.

Im Anschluss ist die Hauptstrom-etCO₂-Küvette integriert. Die Kapnographie gilt als Goldstandard im Atemwegsmanagement. Sie ermöglicht die sofortige Tubuslagekontrolle mit der ersten Beatmung, überwacht die Spontanatmung bei assistierter Beatmung und erlaubt ein frühzeitiges Erkennen von patientenseitigen Verschlechterungen. Darüber hinaus liefert das etCO₂ wertvolle Hinweise auf die Kreislaufsituation sowie auf pulmonale Obstruktionen. Entscheidend ist, dass die etCO₂-Küvette bereits vor der ersten Beatmung montiert ist. So steht sie ohne Zeitverlust und ohne Systemumbau als Feedback- und Sicherheitsinstrument zur Verfügung.

Ein weiterer fester Bestandteil des Tower of Power ist das PEEP-Ventil. Es wird initial auf 0 cmH₂O eingestellt, kann bei Bedarf jedoch jederzeit sofort hochgedreht werden. Besonders bei einer Verschlechterung der Oxygenierung, bei akuten oder chronischen Atemwegserkrankungen, beim kardialen Lungenödem oder bei Ertrinkungsnotfällen ermöglicht dies ein schnelles, situationsgerechtes Handeln ohne Materialwechsel.

Ergänzt wird der Aufbau durch ein Manometer zur Druckkontrolle, das bei vielen Beatmungsbeuteln direkt anschließbar ist. Es zeigt bei jeder Beatmung den applizierten Atemwegsdruck an, häufig zusätzlich farbkodiert. Dadurch wird unmittelbar sichtbar, ob sich die Beatmung im sicheren Bereich bewegt oder ob potenziell schädliche Druckwerte erreicht werden. Das Manometer dient als wichtiges Feedbacksystem, insbesondere unter Stress, wenn unbewusst zu hohe Beatmungsdrücke appliziert werden könnten. So hilft es, Überdruckbeatmung, Überblähung sowie Baro- und Volutrauma zu vermeiden.

Den Abschluss bildet der Beatmungsbeutel mit Sauerstoff- oder Demandventilanschluss. Damit ist das System vollständig, durchgängig aufgebaut und jederzeit einsatzbereit – vom ersten Maskenkontakt bis zur erweiterten Atemwegssicherung, ohne Unterbrechung, ohne Umbau und ohne Informationsverlust.

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