Kapnographie
von altgriechisch: καπνός ("kapnos") - Rauch, γρᾰ́φειν ("graphein") - schreiben
Synonyme: Kapnografie, Kapnogramm
Englisch: capnography
Definition
Unter Kapnographie versteht man die fortlaufende grafische Darstellung des kapnometrisch gemessenen Kohlendioxidpartialdrucks (pCO₂) über den gesamten Atemzyklus.
Anwendung
Die Kapnographie dient der kontinuierlichen Überwachung der Ventilation bei intubierten und nicht-intubierten Patienten. Sie ermöglicht die Erkennung respiratorischer Komplikationen wie Fehlintubation, Atemwegsobstruktion oder respiratorischer Insuffizienz.
Technik
Die Kapnographie zeigt charakteristische Phasen:
- inspiratorische Grundlinie: nahezu CO₂-freie Luft aus dem anatomischen Totraum; der CO₂-Wert liegt nahe Null
- exspiratorischer Anstieg: Gemisch aus Totraum und alveolärem CO₂
- alveoläre Plateauphase: relativ konstantes Plateau, das näherungsweise den alveolären CO₂-Partialdruck repräsentiert. Am Ende dieser Phase wird der endexspiratorische CO₂-Wert (etCO₂) bestimmt
- Inspiration: abrupter Abfall des CO₂-Wertes durch Einströmen CO₂-armer Frischluft
Der Übergang zwischen exspiratorischem Anstieg und alveolärer Plateauphase wird durch den α-Winkel beschrieben, der Übergang zwischen alveolärer Plateauphase und Inspiration durch den β-Winkel.
Interpretation
Die Form des Kapnogramms erlaubt die frühzeitige Erkennung charakteristischer Störungen:
- fehlende CO₂-Kurve: Hinweis auf ösophageale Intubation, Diskonnektion oder Apnoe
- plötzlicher Abfall des etCO₂: Hinweis auf akute Verminderung der pulmonalen Perfusion (z.B. Lungenembolie, Luftembolie, Kreislaufstillstand)
- langsam ansteigendes etCO₂: Hinweis auf Hypoventilation oder gesteigerte CO₂-Produktion (z.B. maligne Hyperthermie)
- erhöhte inspiratorische CO₂-Werte: Hinweis auf CO₂-Rückatmung (Rebreathing),, z.B. bei erschöpftem CO₂-Absorber oder unzureichender Frischgaszufuhr
- vergrößerter α-Winkel mit steilem Anstieg der Plateauphase: Typisch für Atemwegsobstruktionen (z.B. bei Asthma bronchiale oder COPD), weist auf eine verzögerte Exspiration hin.
- vergrößerter β-Winkel: Spricht ebenfalls für eine CO2-Rückatmung
Quelle
- Oczenski et al., Atem - Atemhilfen, Thieme Verlag, 2012