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Faktor H

Abkürzung: fH

1 Definition

Faktor H ist ein Negativregulator des Komplementsystems.

2 Biochemie

Der Faktor H ist ein großes, 155 kDa schweres, lösliches Glykoprotein. Darüberhinaus existiert eine ganze Familie von strukturell eng verwandeten Plasma-Glykoproteinen, die Komplement-Faktor-H-verwandten Proteine (Complement Factor H-related proteins, CFHR).

3 Physiologie

3.1 Funktion

Faktor H wird, wie die meisten Plasmaproteine, in der Leber gebildet. Im Laufe der Komplementaktivierung kommt es zur Bildung des zentralen Proteins C3b. Faktor H kann, ähnlich wie Faktor I, freies C3b inaktivieren. Es zählt damit zu den Komplement-Kontroll-Proteinen (CCP).

Faktor H übt seine Funktion nur auf körperfremden Oberflächen aus, wie z. B. Mikroorganismen, nicht aber auf körpereigenen Zelloberflächen.

3.2 Die CFHR-Familie

Proteine der CFHR-Familie wurden in den meisten Säugetieren nachgewiesen, ihre Zahl und Zusammensetzung variieren jedoch. Obwohl für einige von ihnen Komplement-regulierende oder -modulierende Aktivitäten berichtet wurden, besitzen sie keine stark Komplement-inhibitorische Aktivität.[1]

4 Pathologie

Durch eine Mutation oder spezifische Autoantikörper kann es zu einem Faktor-H-Mangel kommen. Der Komplementfaktor C3b kann nicht mehr inaktiviert werden, charakteristisch sind die dense deposits von Komplementfaktoren in den betroffenen Membranen. An der glomerulären Basalmembran der Nierenkörperchen und an der Bruch-Membran des Auges kommt es zu einer unkontrolliertes Aktivierung des alternativen Weges.

5 Infektiologie

Da Faktor H in der Komplementskaskade eine zentrale Rolle spielt, ist er auch ein Target von Mikroorganismen. Einige wichtige pathogene Erreger haben Mechanismen entwickelt, um Faktor H für ihre Zwecke zu rekrutieren und so eine Resistenz gegenüber den Angriffen des Komplementsystems aufzubauen. Dazu zählen u.a. Borrelia burgdorferi, Candida albicans, Neisseria meningitidis, Streptococcus pneumoniae, Streptococcus pyogenes und Haemophilus influenzae. Borrelia burgdorferi verfügt beispielsweise über 5 Faktor-H-bindende Proteine, die als CRASP 1-5 bezeichnet werden.

6 Klinik

6.1 Faktor-H-Defizienz

Dies ist eine seltenere Ursache für die Membranoproliferative Glomerulonephritis Typ II (MPGN II), man spricht auch von C3-Glomerulopathien. Am Auge kommt es zur Makuladegeneration mit Sehstörungen. Häufigere Ursache für die MPGN II sind jedoch Autoantikörper gegen den Komplex C3bBb, auch als C3-Konvertase des alternativen Weges bezeichnet.

Ein angeborener Mangel an funktionsfähigem Faktor H ist außerdem Ursache für bis zu 10% des Hämolytisch-urämischen Syndroms, dann bezeichnet als atypisches hämolytisch-urämisches Syndrom (aHUS).[2] Bei diesen Patienten ist keinerlei Infektion mit Shigatoxin-produzierenden Bakterien nachweisbar, die für ca. 90% aller Fälle des HUS verantwortlich sind. Der enthemmte Ablauf des alternativen Weges der Komplementkaskade führt zu einer thrombotischen Mikroangiopathie der glomerulären Kapillaren, wie sie typisch ist für das HUS.

6.2 Faktor-H-Überaktivität

Eine pathologische Verstärkung der Faktor-H-Aktivität führt zu einer verstärkten Hemmung des Komplementsystems und damit zu einer erhöhten Suszeptibilität gegenüber bakteriellen Infektionen.

7 Therapie

Ein Therapieoption bei Faktor-H-Mangel ist die Supplementation mit rekombinantem Faktor H. In bestimmten Fällen sollte eine molekulargenetische Familienuntersuchung in Erwägung gezogen werden.

8 Quellen

  1. Józsi M, Meri S: Factor H-related proteins.
  2. [https://www.db-thueringen.de/receive/dbt_mods_00022361 H. U. Eberhardt: Die krankheitsassoziierten Komplement Faktor H-verwandten Plasmaproteine als Regulatoren des angeborenen und erworbenen Immunsystems]

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