Doxapram
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LoslegenHandelsname: Dopram®
Synonyme: Doxaprami hydrochloridum u.a.
Englisch: doxapram
Definition
Doxapram ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Atemstimulanzien und kommt bei der Behandlung von Atembeschwerden zum Einsatz.
Chemie
Doxapram ist ein monohydriertes Pyrrolidinon-Derivat und liegt praktisch ausschließlich als Racemat aus dem (R)- und dem (S)-Enantiomer vor.
Wirkmechanismus
In therapeutischer Dosierung stimuliert Doxapram die peripheren Chemorezeptoren im Glomus caroticum der Halsschlagadern und regt darüber reflektorisch das Atemzentrum im Hirnstamm an. Erst bei höheren Dosen kommt eine zusätzliche direkte Stimulation der Atemzentren in der Medulla oblongata hinzu.[1]
Pharmakokinetik
Nach intravenöser Gabe fällt die Plasmakonzentration von Doxapram überexponentiell ab, die mittlere Halbwertszeit beträgt 3,4 Stunden (Bereich 1,4–4,1 Stunden). Doxapram wird weitgehend zum aktiven Metaboliten Ketodoxapram verstoffwechselt, der mit ähnlicher Halbwertszeit im Plasma nachweisbar ist; weniger als 5 % der verabreichten Dosis werden innerhalb von 24 Stunden unverändert renal ausgeschieden.[1]
Indikationen
Doxapram ist im Rahmen der Therapie der Atemdepression sowie postoperativer Atmungsstörungen zugelassen. In der Veterinärmedizin wird Doxapram nach wie vor häufig zur Aufhebung anästhetika- oder sedativabedingter Atemdepression eingesetzt, während es in der modernen Humananästhesiologie durch besser steuerbare Kurzzeitanästhetika und spezifische Antagonisten wie Naloxon, Flumazenil oder Sugammadex weitgehend in den Hintergrund getreten ist und nur noch als Reservemittel dient.
Eine weitere Indikation stellt die kurzfristige Behandlung akuter Hyperkapnie bei chronischen Lungenerkrankungen dar; hierbei gilt heute die nicht-invasive Beatmung als leitliniengestützte Erstlinientherapie, sodass Doxapram nur noch als Reserveoption bei fehlender Verfügbarkeit oder Toleranz einer solchen Beatmung eingesetzt wird.[1] Zugelassen ist Doxapram außerdem bei zentralen Apnoen infolge Unreife des Atemzentrums bei Neu- und Frühgeborenen. Die aktuelle Leitlinie (Stand 2026) sieht Koffeincitrat hier als Mittel der Wahl und kann mangels ausreichender Evidenz derzeit keine Empfehlung für oder gegen eine Doxapram-Therapie aussprechen.[2]
Eine Buprenorphin-induzierte Atemdepression lässt sich aufgrund der hohen Affinität von Buprenorphin an den µ-Opioid-Rezeptoren durch Naloxon oft nur unvollständig antagonisieren.[3] Doxapram wurde in dieser Situation als Behandlungsversuch beschrieben, gilt dabei aber ebenso wie Naloxon nur als partiell wirksam. Als Standardmaßnahme bei Buprenorphin-induzierter Atemdepression gilt die assistierte oder kontrollierte Beatmung.[4]
Darreichungsformen
Das Arzneimittel wird ausschließlich als Injektionslösung intravenös verabreicht, entweder als Bolusinjektion oder als Kurzinfusion.[1]
Dosierung
Nach der Narkose werden üblicherweise 0,5–1,0 mg/kg Körpergewicht intravenös appliziert, bei Bedarf im 5-Minuten-Abstand wiederholt oder als Infusion mit 0,5–1,0 mg/kg/h fortgeführt; die Tageshöchstdosis beträgt 3 g Doxapramhydrochlorid. Bei akuter Hyperkapnie im Rahmen einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung wird eine Infusion mit initial 1–2 mg/min, maximal 3 mg/min, unter engmaschiger arterieller Blutgaskontrolle eingesetzt.[1]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
- Überempfindlichkeit, Fieber, Schwitzen
- Kopfschmerzen, Brustschmerz, Engegefühl in der Brust
- Benommenheit, Angstzustände, Hyperaktivität, Verwirrtheit
- Atemnot, Bronchospasmen, Laryngospasmus, Singultus
- Herzrhythmusstörungen: Arrhythmie
- Störungen des Gastrointestinaltrakts: Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Obstipation
- allergische Hautreaktionen: Juckreiz
- Harnretention, Blasenreizung mit spontaner Harnentleerung
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
- schwere Hypertonie, Koronarkrankheiten, dekompensierte Herzinsuffizienz, Thyreotoxikose, Phäochromozytom
- Störungen der Atemmechanik: mechanische Atemwegsobstruktion, Rippenserienbruch, Pneumothorax, Pulmonalarterienthrombembolie, neuromuskuläre Blockaden, Lungenfibrose, Asthma bronchiale
- zerebrale Krampfzustände, Zustand nach Schädel-Hirn-Trauma, Hirnödem, Apoplexie
In Schwangerschaft und Stillzeit ist mangels klinischer Daten eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.[1]
Zulassung
Doxapram ist in Deutschland seit dem 30.05.2005 zugelassen (Zulassungsnummer 6743066.00.00, Zulassungsinhaber CARINOPHARM GmbH) und verschreibungspflichtig.[1]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Fachinformation Dopram® 20 mg/ml, Injektionslösung. CARINOPHARM GmbH. Stand: September 2021.
- ↑ Poets CF, Bohnhorst B, Roth B. S2k-Leitlinie: Therapie idiopathischer Apnoen, Bradykardien und Hypoxämien bei Früh- und Reifgeborenen. AWMF-Registernummer 024-013. Stand: April 2026. Verfügbar unter: AWMF-Leitlinienregister.
- ↑ Richards S, Torre L, Lawther B. Buprenorphine-related complications in elderly hospitalised patients: a case series. Anaesth Intensive Care. 2017;45(2):256-261.
- ↑ AHFS Drug Information (American Society of Health-System Pharmacists). Buprenorphine. Zitiert nach: Buprenorphine Monograph for Professionals, Drugs.com.