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Dentogene Sinusitis (Pferd)

Synonym: Odontogene Sinusitis

1 Definition

Als dentogene Sinusitis bezeichnet man eine vom Zahn bzw. Zahnhalteapparat (Parodontium) ausgehende Erkrankung der Nasennebenhöhlen beim Pferd.

2 Ätiologie

Dentogene Sinusitiden entstehen infolge apikaler Infektionen an den Prämolaren bzw. Molaren.

3 Pathogenese

Zwischen der kaudalen Wurzel des vierten Prämolaren sowie den Wurzeln der Molaren trennt nur eine dünne Knochenlamelle den Alveolarfundus von der kranialen bzw. kaudalen Kieferhöhle (Sinus maxillaris). Kommt es zu Infektionen an den apikalen Wurzelenden, können diese durch die Lamellen hinweg in die Kieferhöhle einbrechen und sich dort ausbreiten. Bleibt die Infektion unbemerkt, entwickelt sich in weiterer Folge eine purulente Sinusitis (Empyem).

4 Klinik

Kardinalsymptom einer dentogenen Sinusitis ist ein unilateraler eitriger Nasenausfluss, der meist schon länger und teilweise auch intermittierend besteht. Betroffene Pferde leiden selten an zusätzlichen Symptomen, sodass das Allgemeinbefinden meist ungestört ist. Aufgrund der schmerzhaften Entzündung und der massiven Eiteransammlung zeigen die Tiere jedoch gelegentlich Kopfschütteln oder eine Wesensveränderung.

5 Diagnose

Sowohl die Anamnese als auch das klinische Bild (einseitiger purulenter Nasenausfluss) sind hinweisend für eine Sinusitis. Der Nasenausfluss ist im Anfangsstadium der Erkrankung mukös bis mukopurulent. Im chronischen Stadium wird der Ausfluss zunehmend dickflüssiger oder krümelig-bröckelig und riecht fötid. Die regionären Lymphknoten sind oft geschwollen und druckdolent. Das Gewebe um die Kieferhöhle erscheint aufgetrieben. Die Perkussion der Kieferhöhle ergibt einen dumpfen Schall.

Um die dentogene Sinusitis von anderen Sinusitis-Formen unterscheiden zu können, muss eine genaue Untersuchung der Maulhöhle durchgeführt werden. Hierbei muss am sedierten Pferd unter Maulgatterschutz jeder Zahn einzeln auf Infundibularkaries, Zahnfrakturen oder tiefe Parodontalerkrankungen untersucht werden. Anschließend sollte man röntgen. Bei dentogenen Sinusitiden zeigen sich im Röntgenbild ein Flüssigkeitsspiegel in der Kieferhöhle und häufig auch Veränderungen im Bereich der betroffenen Wurzel.

Vom abfließenden Eiter sind Tupferproben für eine weiterführende bakteriologische Untersuchung zu entnehmen. Eine Mischinfektion ist typisch für eine dentogene Ursache der Sinusitis.

6 Differenzialdiagnose

Als Differenzialdiagnosen kommen primäre Sinusitiden, Sinuszysten, neoplastische Sinusitiden und Luftsackmykosen in Betracht.

7 Therapie

Bei einer dentogenen Sinusitis muss der betroffene Backenzahn extrahiert (Backenzahnextraktion) und die Kieferhöhle durch Trepanation und intensive Spülung saniert werden. Die Trepanationsöffnung ist dabei so klein wie möglich zu halten. Weiterhin ist eine Extraktion des Backenzahns von oral ausgehend zu bevorzugen. Kann der Zahn nicht von oral entfernt werden, ist auch eine Ausstempelung durch die Trepanationsöffnung nach der Steinmann-Pin-Methode möglich.

8 Literatur

  • Simon T, Herold I. 2009. Praxisleitfaden der Zahn- und Kiefererkrankungen des Pferdes. 1. Auflage. Stuttgart: Parey in MVS Medizinverlaug Stuttgart GmbH & Co. KG.
  • Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B, Wehrend A, Hrsg. 2017. 4. Auflage. Handbuch Pferdepraxis. Stuttgart: Enke Verlag in Georg Thime Verlag KG.

Diese Seite wurde zuletzt am 13. Juli 2020 um 18:27 Uhr bearbeitet.

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