CMV-Kolitis
Synonyme: Cytomegalievirus-Kolitis, HHV-5-Kolitis, Humanes-Herpesvirus-5-Kolitis
Definition
Eine CMV-Kolitis ist eine Entzündung des Kolons (Kolitis), die durch eine Infektion mit Zytomegalieviren verursacht wird. Sie tritt vor allem bei schwerer Immunsuppression auf.
Ätiologie
CMV-Kolitis tritt üblicherweise bei immunsupprimierten Patienten oder Neugeborenen auf. Auslöser ist das Zytomegalievirus, kurz CMV, das zu den Herpesviridae gehört. Es wird auch als HHV 5 (Humanes Herpesvirus 5) bezeichnet. Die CMV-Kolitis wird üblicherweise durch einen latenten CMV-Erreger ausgelöst, der reaktiviert wird. Doch auch neue Infektionen oder eine Infektion durch einen anderen CMV-Stamm können eine CMV-Kolitis auslösen.
Symptome
Die Primärinfektion mit CMV verläuft in den meisten Fällen inapparent, sofern der Betroffene immunkompetent ist. Erwachsene berichten meist unspezifische, milde Symptome ähnlich eines grippalen Infekts. Es können Diarrhö (nicht-blutig), Bauchschmerzen, Anorexie und Gewichtsverlust auftreten.
Gefährlich ist eine CMV-Infektion für Personen mit geschwächtem Immunsystem, z.B. nach Transplantationen, bei Krebserkrankungen oder unzureichend kontrollierter HIV-Infektion. In diesen Fällen ist die Symptomatik ausgeprägter und umfasst neben einem stark reduzierten Allgemeinbefinden auch blutige Diarrhö und Tenesmen.
Im Extremfall kann eine CMV-Infektion tödlich enden.
Diagnostik
Die Diagnose einer CMV-Kolitis wird durch eine Koloskopie mit gezielter Biopsie und anschließendem Erregernachweis im Gewebematerial gestellt. Die Probenentnahme sollte möglichst aus ulzeriertem Gewebe – optimalerweise am Ulkusgrund oder -rand erfolgen.
Pathohistologie
Im Biopsat lässt sich mikroskopisch ein zytopathischer Effekt (Eulenaugenzellen) beobachten, der je nach Viruslast und Immunkompetenz verschiedene Ausprägungsgrade aufweisen kann. Die CMV-Antigene werden immunhistochemisch mit markierten Antikörpern nachgewiesen. Alternativ kann der Virusnachweis im Biopsat auch per PCR erbracht werden. Die Gewebe-basierte PCR zeigt im Vergleich zur Immunhistochemie eine höhere Sensitivität. Es werden aber auch Infektionen mit niedriger Viruslast nachgewiesen, die nicht unbedingt einer antiviralen Therapie bedürfen.
Labormedizin
Der PCR-Nachweis von CMV-DNA im Blut (Plasma oder Vollblut) hat eine geringere Sensitivität als die Gewebe-basierte PCR. Er eignet sich gut zur Verlaufs- und Therapiekontrolle, ist aber nicht beweisend. Ein negativer PCR-Nachweis im Blut schließt eine CMV-Kolitis nicht aus. Ein PCR-Nachweis im Stuhl ist unsicher und hat keine diagnostische Bedeutung.
Der serologische Nachweis spezifischer CMV-Antikörper im Blutplasma oder Serum mittels Immunoassay (z.B. ELISA) ist für eine CMV-Kolitis nicht beweisend und daher ungeeignet.
Mikrobiologie
Eine Kultivierung von Zytomegalieviren auf einem Spezialnährmedium ist möglich, wird aber sehr selten durchgeführt.
Differentialdiagnosen
Als Differentialdiagnosen müssen in Betracht gezogen werden:
- akuter Schub einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (v.a. Steroid-refraktäre Colitis ulcerosa)
- Medikamentenassoziierte Kolitis (z.B. durch Mycophenolat)
- Ischämische Kolitis
- Clostridioides-difficile-Kolitis
Therapie
Bei schwerer, histologisch gesicherter CMV-Kolitis ist eine antivirale Therapie indiziert, z.B. mit Ganciclovir oder Valganciclovir. Die Therapiedauer beträgt in der Regel 14 bis 21 Tage.
Als Zweitlinientherapie können auch andere antivirale Medikamente wie Foscarnet in Erwägung gezogen werden. Zudem sollte eine Reduktion der Immunsuppression angestrebt werden, sofern möglich.
In seltenen, lebensbedrohlichen Fällen kann eine Kolektomie in Erwägung gezogen werden.
Literatur
- Aktualisierte S3-Leitlinie Colitis ulcerosa (Version 7.0), Stand November 2025 – AWMF-Registriernummer: 021-009, abgerufen am 16.1.2026