Akromesomele Dysplasie
von altgriechisch: άκρος ("akros") - spitz; μέσος ("mesos") - mitten; δυσ- ("dys-") - schlecht, miss-; πλάσσειν ("plássein") - bilden, formen
Englisch: acromesomelic dysplasia
Definition
Akromesomele Dysplasie, kurz AMD, beschreibt eine Gruppe von seltenen, angeborenen Skelettdysplasien, die durch disproportionierten Kleinwuchs mit Akromelie und Mesomelie gekennzeichnet sind. Weitere Knochenanomalien, die das Schädelgewölbe oder die Wirbel betreffen, können ebenfalls auftreten.
- ICD-11: LD24.9
Epidemiologie
Die Prävalenz wird mit < 1 zu 1.000.000 angegeben.
Ätiologie
Ursache der Erkrankung sind genetische Mutationen. Die meisten Formen der akromesomelen Dysplasie werden autosomal-rezessiv vererbt. Hierbei lassen sich verschiedene Krankheitstypen anhand der zugrunde liegenden genetischen Veränderungen unterscheiden:
- AMD1 (Typ Maroteaux): Mutation betrifft NPR2-Gen am Genlokus 9p13.3
- AMDH2A (Typ Grebe), AMDH2B (Du-Pan-Syndrom) und AMDH2C (Typ Hunter-Thompson): Mutationen im GDF5-Gen am Genlokus 20q11
- AMD3 (Typ Demirhan): Mutation im BMPR1B-Gen am Genlokus 4q22
- AMD4: Mutation im PRKG2-Gen am Genlokus 4q21
In Einzelfällen wurde jedoch auch eine autosomal-dominante Form beschrieben.
Symptome
Alle Typen sind durch schweren Kleinwuchs gekennzeichnet. Die geistigen Fähigkeiten und die motorische Entwicklung sind normal, andere Organsysteme sind nicht betroffen.
Typ Grebe (AMDH2A)
Dieser Typ ist gekennzeichnet durch radiologisch verkürzte und deformierte Tibia, Radius und Ulna, Fusion oder Fehlen der Handwurzel- und Fußwurzelknochen und kugelförmige Finger. Gelegentlich treten Polydaktylie und fehlende Gelenke auf.
Typ Hunter-Thompson (AMDH2C)
Bei diesem Typ sind die unteren Gliedmaßen stärker betroffen als die oberen. Dabei sind vorrangig die mittleren und distalen Segmente verkürzt. Neben starker Verkürzung kommt es zu Verwachsungen oder vollständigem Fehlen der Röhrenknochen von Händen und Füßen sowie zu ausgeprägten Gelenkluxationen.
Typ Maroteaux (AMD1)
Neben der Verkürzung der mittleren und distalen Segmente der Gliedmaßen tritt auch die Verkürzung der Wirbelsäule auf. Es handelt sich um eine weniger schwere Form der AMD als beim Typ Grebe und Typ Hunter-Thompson.
Diagnostik
Bei den meisten Patienten wird die AMD innerhalb der ersten Lebensjahre anhand einer klinischen Anamnese, der Identifizierung charakteristischer Befunde und bildgebender Verfahren diagnostiziert. Obwohl die Hände und Füße bei der Geburt ungewöhnlich kurz und breit erscheinen können, treten die mit der Erkrankung verbundenen fortschreitenden Anomalien (z.B. abnormale Verkürzung der Knochen in den Unterarmen und Unterschenkeln sowie Kleinwuchs) in der Regel erst im späten Säuglingsalter oder in der frühen Kindheit zutage.
Die Diagnose basiert auf den klinischen und radiologischen Befunden und der molekulargenetischen Untersuchung.
Differentialdiagnosen
Therapie
Die Therapie der AMD richtet sich nach den individuellen Symptomen und körperlichen Merkmalen. Sie erfordert eine interdisziplinäre Kooperation von Kinderärzten, Orthopäden, Physiotherapeuten und anderen medizinischen Fachkräften.
Die Behandlungsmaßnahmen sind primär symptomatisch und unterstützend ausgerichtet. Eine abnormale Krümmung der Wirbelsäule kann mit einer Kombination aus Physiotherapie, Stützen, Gipsverbänden oder in schweren Fällen mit einer korrigierenden Operation behandelt werden. Eine frühzeitige Intervention ist wichtig.
Zudem wird für betroffene Personen und ihre Familien eine genetische Beratung empfohlen.
Quellen
- orpha.net - Acromesomelic dysplasia, abgerufen am 03.03.2026
- rarediseases.org - Acromesomelic Dysplasia, abgerufen am 03.03.2026
- OMIM - AMD1, abgerufen am 04.03.2026
- Khan et al., Genetics of human isolated acromesomelic dysplasia, EJMG, 2016
- Haliloglu et al., Acromesomelic dysplasia associated with mild lumbar spine stenosis. Eur Radiol, 1999
- Langer und Garrett, Acromesomelic dysplasia, Radiology, 1980