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Stammzelltransplantation

von lateinisch: transplantare - verpflanzen
Synonym: hämatopoetische Stammzelltransplantation, HSZT
Englisch: stem cell transplantation

1 Definition

Unter Stammzelltransplantation, kurz SZT, versteht man die Übertragung von Blutstammzellen von einem Spender zu einem Empfänger, die bei malignen hämatologischen Erkrankungen durchgeführt wird.

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen:

2 Indikation

Eine Stammzelltransplantation kommt bei ausgewählten Patienten (z.B. Patienten mit Akuter myeloischer Leukämie und Akuter Lymphatischer Leukämie mit hohem Risiko, ALL-Patienten in der zweiten Remission, etc.) im Rahmen der Konsolidierungstherapie zum Einsatz. Leukämie-Patienten haben oft entweder primär durch ihre Erkrankung oder sekundär durch eine hochdosierte Chemotherapie schwerwiegende Störungen der Blutbildung (Bildung von Erythrozyten, Thrombozyten, Leukozyten). Viele haben ein stark geschwächtes eigenes Immunsystem. Da ihre eigenen verbleibenden blutbildenden Stammzellen unzureichend sind, benögtigen sie neue blutbildende Stammzellen. Außerdem können fremde hämatopoetische Stammzellen in bestimmten Fällen helfen, restliche Krebszellen im Körper des Patienten (die durch das eigene Immunsystem des Patienten nicht entdeckt oder ausreichend bekämpft werden) anzugreifen.

3 Prinzip

Bevor gesunde Zellen transplantiert werden können, werden bei den meisten Patienten zur Auslöschung der Leukämie nahezu alle blutbildenden Zellen des Patienten vernichtet (myeloablative Therapie). Damit hat der Patient praktisch kein eigenes Immunsystem und keine eigene Blutbildung mehr.

Diese myeloablative Therapie zur Vorbereitung der Stammzelltransplantation wird mit einer Kombination aus intensiver Chemotherapie (Zytostatika-Gabe) und Radiotherapie (fraktionierte Ganzkörperbestrahlung mit ca. 10 Gy) erreicht.

Durch Infusion gesunder hämatopoetischer Stammzellen wird das Knochenmark des Patienten danach von den neuen Stammzellen besiedelt.

Die Transplantation kann mit vom Patienten selbst gewonnenen Stammzellen (autologe Stammzelltransplantation) oder mit Stammzellen von einem anderen Spender (allogene Stammzelltransplantation) durchgeführt werden.

Diese neuen Stammzellen werden nicht in das Knochenmark hineingespritzt, sondern einfach über eine Vene in die Blutbahn gegeben und finden von selbst ihren Weg ins Knochenmark. Die Hämatopoese (Blutbildung) regeneriert sich daraufhin in der Regel innerhalb von 2 Wochen.

4 Knochenmarktransplantation vs. Stammzelltransplantation

Blutstammzellen können sowohl aus dem peripheren Blut (Stammzelltransplantation) als auch aus dem Knochenmark (Knochenmarkstransplantation) gewonnen werden.

Im laienhaften Sprachgebrauch wird meist der Begriff Knochenmarktransplantation anstelle des Begriffs Stammzelltransplantation verwendet. Heutzutage wird fast ausschließlich die Stammzelltransplantation durchgeführt; aus dem einfachen Grund, dass sie ähnliche Erfolgsraten liefert und für den Spender angenehmer ist.

Bei der Knochenmarktransplantation muss der Spender in der Regel unter Narkose mehrmals im Beckenknochen punktiert werden, um Knochenmark zu gewinnen; dazu sind wenige Menschen einfach so bereit.

Bei der Stammzelltransplantation dagegen muss der Spender nicht knochenmarkpunktiert werden, ihm wird statt dessen eine blutbildungsfördernde Substanz gespritzt und Blut entnommen; genauer gesagt wird eine Stammzellapherese (eine spezielle Form der Leukozytapherese) durchgeführt, sprich aus dem Blut des Spenders werden periphere hämatopoetische Stammzellen herausgefiltert und entnommen (dies dauert deutlich länger als normale Blutentnahme).

In seltenen Fällen können als dritte Alternative zu Knochenmark- und peripherer Stammzelltransplantation auch Zellen aus Nabelschnurblut bei der Geburt gewonnen werden.

5 Komplikationen

Eine Stammzelltransplantation ist eine sehr ernste und riskante Angelegenheit. Die häufigsten Komplikationen nach Knochenmark-/Stammzelltransplantation sind:

Die Gefahren sind groß und die Stammzelltransplantation bietet keine Gewissheit, dass die Krankheit geheilt ist. In ca. 20% der Fälle treten Rezidive der Leukämie auf. Dennoch ist die SZT in vielen Fällen die einzige Chance für den Patienten.

6 Siehe auch

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