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Endokarditisprophylaxe

Englisch: endocarditis prophylaxis

1. Definition

Als Endokarditisprophylaxe bezeichnet man vorbeugende medizinische Maßnahmen, die der Verhinderung einer Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) dienen. Im Regelfall ist damit eine antibiotikabasierte Behandlung von Risikopersonen zum Schutz vor einer infektiösen Endokarditis gemeint.

2. Hintergrund

Hinsichtlich der Empfehlungen zur Endokarditisprophylaxe herrscht sowohl national als auch international kein endgültiger Konsens. In der Vergangenheit wurden die Indikationen von den kardiologischen Fachgesellschaften zunehmend eingeschränkt, da den bisherigen Empfehlungen keine ausreichende Evidenz zugrunde lag. Auch wird mittlerweile angenommen, dass für eine infektiöse Endokarditis alltägliche Bakteriämien, z.B. durch Zähneputzen oder Kauen, möglicherweise ein höheres Risiko beherbergen als seltene iatrogen (z.B. durch Zahnbehandlung) verursachte Bakteriämien.

Insgesamt sollte beachtet werden, dass nicht indizierte Gaben von Antibiotika generell risikobehaftet sind und die Bildung von Resistenzen fördern. Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß transitorischer Bakteriämien zu reduzieren.

Es lassen sich allgemeine Maßnahmen von einer medikamentösen bzw. antibiotischen Prophylaxe unterscheiden.

3. Allgemeinmaßnahmen

Allgemeinmaßnahmen zur Verhinderung einer infektiösen Endokarditis sind vor allem dann sinnvoll, wenn der Patient bereits ein erhöhtes Risiko für eine infektiöse Endokarditis mitbringt. Ein wichtiger Grundbaustein ist dabei die Schulung zu den Themen Hygiene, Infektionszeichen und Verhalten bei Fieber unklarer Ursache (FUO). Allgemeinmaßnahmen haben aber auch bei Menschen ohne Risikofaktoren eine hohe Relevanz.[1][2]

3.1. Eigenmaßnahmen des Patienten

3.2. Ärztliche Maßnahmen

Weiterhin relevant ist die kausale Therapie von angeborenen Herzfehlern, die Behandlung residualer Befunde nach Einbringung von prothetischem Fremdmaterial sowie eine Zurückhaltung bei Einsatz von Fremdmaterial in der Herzchirurgie (rekonstruktive Klappenchirurgie bevorzugen).

4. Antibiotikaprophylaxe

Aktuell (2023) wird eine antibiotische Endokarditisprophylaxe nur noch für Hochrisikogruppen bei bestimmten Risikoeingriffen empfohlen.

4.1. Hochrisikogruppen

Zu den sogenannten Hochrisikogruppen für eine infektiöse Endokarditis zählen Personen, die folgende Risikofaktoren aufweisen:[1][2]

Es gibt Hinweise, dass Patienten mit einem intermediären Risiko (z.B. bei rheumatischen Herzerkrankungen, degenerativen oder kongenitalen Klappenerkrankungen, Herzschrittmacher, hypertrophe Kardiomyopathie) auch von einer Prophylaxe profitieren könnten, jedoch ist die Datenlage unklar. Ebenso ist bei Herztransplantaten ggf. eine Prophylaxe zu erwägen.

Aufgrund des nicht eindeutigen Konsens bei den Empfehlungen zur Endokarditisprophylaxe ist nach Nutzen-Risiko-Analyse durch das behandelnde ärztliche Personal, ein individuelles Handeln u.U. auch nach älteren Leitlinien in Einzelfällen möglich.

4.2. Risikoeingriffe

Bei Zugehörigkeit zu einer der oben genannten Hochrisikogruppen ist eine Endokarditisprophylaxe besonders bei oralchirurgischen und zahnärztlichen Risikoeingriffen indiziert. Dazu zählen u.a.

Laut der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Kardiologie und angeborene Herzfehler (DGPK) sollte weiterhin bei bestimmten Behandlungen am Respirationstrakt eine Prophylaxe erfolgen. Zu diesen Risikobehandlungen zählen

Bei gastrointestinalen und urogenitalen Eingriffen oder Eingriffen am Respirationstrakt, Haut und Weichteilen/muskuloskelettalem System wird laut DGPK anstelle einer Prophylaxe eine antimikrobielle Therapie empfohlen, sofern eine manifeste Infektion im Zielgewebe vorliegt (z.B. bei Abszessdrainage, Pleuraempyem und Wundinfektion).

Bei Einsatz von Alloprothetik bzw. Fremdmaterial im Zuge von kardio- und gefäßchirurgischen Behandlungen kann eine perioperative, prophylaktische Antibiotikatherapie sinnvoll sein. Der Wirkstoff sollte sich hierbei u.a. gegen koagulasenegative Staphylokokken und Staphylococcus aureus richten. Weiterhin wird vor herzchirurgischen Eingriffen ein Screening auf eine nasale Besiedlung mit Staphylococcus aureus empfohlen. Vor kathetergestützten Klappenbehandlungen (z.B. TAVI) sollten zudem Keime der Hautflora (inklusive Enterococcus spp. und Staphylococcus aureus) bedacht werden.

4.3. Substanzen

Die Wahl des Antibiotikums unterscheidet sich je nach Lokalisation des Eingriffs. Generell müssen auch ortsspezifische Erreger und Resistenzen bei der Auswahl des Wirkstoffs berücksichtigt werden. Je nach Erregerspektrum und betroffener Person wird letztlich individuell entschieden.

Die Verabreichung erfolgt i.d.R. eine halbe Stunde bis Stunde vor dem jeweiligen Eingriff. Mögliche Substanzen für Eingriffe im Mund-Rachen-Raum und Respirationstrakt (cave: Viridans- bzw. orale Streptokokken) sind:

Cave: Cephalosporine sollten nicht bei Personen mit vorangegangener Anaphylaxie, Angioödem oder Urtikaria nach Penicillin- oder Ampicillineinnahme angewendet werden.

In der ESC-Guideline von 2023 wird Clindamycin nicht mehr empfohlen, u.a. wegen Komplikationen mit Clostridioides difficile.[1]

5. Leitlinien

6. Quellen

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