Vom 16. bis 23. Juli steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.
Bearbeiten

Vom 16. bis 23. Juli steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.

Liebe Autoren,

Wir sind gen Süden gefahren und machen eine Pause. Deswegen steht das Flexikon vom 16. bis 23. Juli 2018 nur im Lesemodus zur Verfügung. Ab dem 24. Juli könnt ihr wieder mit voller Kraft losschreiben.

Unser Tipp: Genießt die Sonne! Wir freuen uns auf jeden Fall, wenn ihr frisch erholt wiederkommt!

Bis bald
Euer Flexikon-Team

Herzschrittmacher

Englisch: pacemaker oder artificial cardiac pacemaker

1 Definition

Ein Herzschrittmacher ist ein implantiertes, elektronisches Gerät, welches eine stabile Herzfrequenz bei Patienten mit Bradykardie gewährleistet. Das Gerät reizt das Myokard mit einem Stromstoß mit einer voreingestellten Frequenz von ca. 70/Min. Neuere Schrittmachertypen können die Frequenzsteuerung der Körperaktivität anpassen (frequenzadaptive Schrittmacher).

2 Allgemeines

Innerhalb des Erregungsleitungssystems des Herzens gibt es sogenannte Schrittmacherzellen im Sinusknoten. Diese bewirken in Ruhe normalerweise eine Kontraktion des Herzmuskels von ca. 60-80 Schläge pro Minute. Aufgrund von verschiedenen Umständen kann es vorkommen, dass die Weiterleitung der Erregung des Sinusknotens gestört ist und das Herz auf den sekundären Schrittmacher, den AV-Knoten ausweicht. Dieser bewirkt jedoch nur eine Kontraktion von ca. 40-50 Schlägen in der Minute.

Fällt auch dieser aus, weicht das Herz auf seinen tertiären Schrittmacher, das His-Bündel aus. Hier ist die Frequenz noch geringer (ca. 20-40 Schläge/Min). Bei einer Herzfrequenz in Ruhe unter 60 Schlägen in der Minute (Erwachsener, kein Sportler) ist die Indikation für die Implantierung eines Herzschrittmachers gegeben. Desweiteren haben neuere Schrittmacher die Möglichkeit Herzrhythmusstörungen des Trägers aufzuzeichnen (Event-Recorder).

3 Implantierter (dauerhafter) Herzschrittmacher

Hierbei wird das Gerät in der Regel in einer subkutanen Tasche kaudal des Schlüsselbeins implantiert. Das Gerät ist mit intrakardial gelegenen Sonden verbunden. Herzschrittmacher werden mit dem NBG-Code kodiert, um Aussagen über Art und Funktion zu treffen.

Anzugeben sind:

  • Stimulationsort (A - Atrium, V - Ventrikel oder D - doppelt)
  • Sensing-Ort (wie bei Stimulationsort)
  • Betriebsmodus (I - Inhibition, T-Triggerung oder D - beides)
  • Spezialfunktion (R - Rate modulation)

3.1 Stimulation und Sensing

Nach diesem Kodierungsprinzip können Einkammersysteme mit Stimulation und Sensing in einer Herzhöhle (z.B. VVI-Schrittmacher, AAI-Schrittmacher) von Zweikammersystemen (z.B. DDD-Schrittmacher) unterschieden werden.

3.2 Betriebsmodus

Zwei grundsätzlich verschiedene Betriebsarten sind bei einem Herzschrittmacher möglich:

  • Inhibition - Der Schrittmacher kontrolliert die Frequenz durch Impulsabgabe, wird jedoch bei Eigenimpulsen des Herzens in seiner Impulsabgabe gehemmt.
  • Triggerung - Der Schrittmacher gibt dauerhaft Impulse ab, auch wenn das Herz eine Eigenaktion ausführt. Hierbei ist der Schrittmacher jedoch so programmiert, dass abgegebene Impulse bei Eigenaktionen des Herzens in die Refraktärzeit fallen, also die Eigenaktion nicht behindern.

3.3 Frequenzadaptation

Frequenzadaptive Schrittmachersysteme (z.B. VVI-R, DDD-R) können die Herzfrequenz an körperliche Belastung anpassen. Hierbei wird körperliche Aktivität durch Sensoren für das Atemminutenvolumen und Körperbewegungen erfasst und die Stimulationsfrequenz des Schrittmachers wird erhöht.

3.4 Beispiele

4 Transkutaner Herzschrittmacher

Externe Schrittmacher kommen in der Regel nur für kurze Zeit (max. einige Tage) zum Einsatz und dienen bei Patienten mit einer schweren Bradykardie der Überbrückung bis zur Implantation eines dauerhaften Schrittmachers. Die Stromstöße erfolgen hier durch eine dickere Schicht von Gewebe und benötigen daher eine höhere Stromstärke.

5 Transvenöser Herzschrittmacher

Hier wird durch einen zentralen Venenkatheter eine Elektrode bis ins Herz geführt und das Myokard dort stimuliert. Die Frequenz wird mittels eines externen Stimulators gesteuert. Diese Methode wird wie der transkutane Schrittmacher nur vorübergehend, in der Regel zur Überbrückung bis zur Implantation eines dauerhaften Schrittmachers, gewählt.

6 Epimyokardialer Herzschrittmacher

Ein epimyokardialer Herzschrittmacher wird prophylaktisch während bzw. nach kardiochirugischen Eingriffen (z.B. ACVB) angelegt. Das Reizleitungssystem kann durch den Eingriff beeinflusst und/oder verletzt werden.

7 Implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD)

Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) ist ein Defibrillator-System, das wie ein Herzschrittmacher implantiert wird. Es kann durch einen starken Stromstoß, beispielsweise bei Kammerflimmern das Herz durch Kardioversion in den Ausgangsrhythmus überführen.

Solche Geräte werden oft fälschlicherweise als Herzschrittmacher bezeichnet. Dies trifft jedoch nicht zu, da es lediglich in der akut lebensbedrohlichen Situation eines Kammerflimmerns zum Einsatz kommt und nicht der Einstellung der Herzfrequenz dient.

8 Indikationen

Die Indikation zur Schrittmachertherapie muss individuell gestellt werden. Bei Bradykardien unterschiedlicher Genese gelten bradykardiebedingte Symptome wie Schwindel und Synkopen als wichtige Indikation. Weiterhin sind im Langzeit-EKG objektivierte Pausen von über 3 Sekunden eine Indikation, auch bei asymptomatischem Patienten.

Meistens werden frequenzadaptive Zweikammersysteme implantiert, da sie die besten Ergebnisse liefern.

9 Schrittmacherkontrollen

Ein Herzschrittmacher sollte in den ersten 3 Monaten nach Implantation kontrolliert werden. Dabei können unter anderem die chronische Reizschwelle ermittelt und notwendige Änderungen an der Programmierung vorgenommen werden. Bei stabiler Situation sollte in der folgenen Zeit eine halbjährliche bis jährliche Kontrolle erfolgen.

Die Funktionsdauer eines Schrittmachers ist an die Kapazität der eingebauten Batterie gebunden. Sie verringert sich bei insuffizienter Sondenlage (höhere Stromstärken nötig) und häufig benötigter Stimulation. In der Regel wird ein Aggregatwechsel nach 8-10 Jahren notwendig.

Die Schrittmacherkontrollen sind nicht invasiv. Die Geräte werden transkutan abgelesen und programmiert. Jeder Patient mit einem Herzschrittmacher sollte einen Schrittmacherausweis erhalten, in dem der Gerätetyp, die Indikation zur Therapie und die Kontrolltermine eingetragen werden.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

27 Wertungen (3.3 ø)

214.485 Aufrufe

Copyright ©2018 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: