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Trichinose

(Weitergeleitet von Trichinellose)

Synonym: Trichinellose

1 Definition

Unter einer Trichinose versteht man eine Infestation mit Trichinella spiralis.

2 Epidemiologie

Die Trichinose kann auf allen Kontinenten auftreten, bevorzugt findet man sie jedoch in den gemäßigten Klimazonen. In Deutschland ist die Inzidenz seit der Einführung der amtlichen Fleischbeschau im Jahre 1877 deutlich gesunken.

3 Entwicklungszyklus und Pathogenese

Die Infestation geht von eingekapselten infektiösen Larven aus, die sich in der quergestreiften Skelettmuskulatur von Tieren eingenistet haben. Schweinefleisch ist das Ausgangsprodukt für die meisten Infestationen beim Menschen.

Durch die Aufnahme von rohem oder sich in einem ungenügend erhitztem Zustand befindenden Fleisch können die Larven im Rahmen der Verdauung freigesetzt werden. Es folgt die Besiedlung des Epithels im Dünndarm sowie die Häutung, die zur Geschlechtsreife führt. Die von den weiblichen Würmern täglich abgesetzten Larven (ca. 1000 sog. Vivipara "lebend-gebährend") dringen in die Blutgefäße und die Lymphgefäße ein und gelangen auf diesem Weg in die quergestreifte Skelettmuskulatur.

Das Eindringen der Parasiten führt in der Regel nicht zur Zerstörung der Muskelzellen. Stattdessen kommt es zur Abkapselung der Larven durch hyalines und fibrilläres Material. Im Laufe der Zeit entwickelt sich verkalkendes Granulationsgewebe, welches die Kapsel stabilisiert und für ihre typische ovale, zitronenförmige Gestalt verantwortlich ist.

4 Klinik

Je nach Anzahl der inkorporierten Larven variiert der klinische Verlauf der Erkrankung. Für letale Verläufen sind in der Regel mehr als zweitausend Larven notwendig, Symptome treten aber bereits bei einer Anzahl von fünfzig Larven auf.

Die Trichinose imponiert zu Beginn durch die Symptome einer Lebensmittelvergiftung. Typischerweise treten dabei innerhalb von 24 Stunden kolikartige Schmerzen im Abdomen auf, sowie Diarrhoe und Übelkeit und Erbrechen.

Die Streuung der Larven in das Gewebe findet zwischen dem siebten und elften Tag nach der Aufnahme der Trichinen statt und führt zu Konjunktivitis, Gesichtsödemen sowie einer Schwellung der Augenlider. In dieser Phase sind auch Myalgien, Fieber bis 41 Grad Celsius sowie Lymphknotenschwellungen möglich.

Als Komplikationen können eine Meningitis, eine Enzephalitis, eine Pneumonie und eine Myokarditis auftreten.

Nach vier bis sechs Wochen klingen die Symptome der akuten Verlausform ab. Es können rheumatische Beschwerden persistieren, aber auch eine völlige Abheilung sind möglich.

5 Nachweis

Da sich die Trichinen und ihre Larven nur selten im Stuhl und im peripheren Venenblut nachweisen lassen, erfolgt die Sicherung der Diagnose in der Regel durch eine Muskelbiopsie mit Histologie.

Im Serum zeigt sich eine Erhöhung der Kreatinphosphokinase, der Myokinase, der Laktatdehydrogenase, des IgEs sowie eine Eosinophilie.

Antikörper sind ab der dritten Wochen nachweisbar, jedoch sind Kreuzreaktionen möglich.

Jede Trichinose muss gemeldet werden.

6 Therapie

Die Trichinose wird mit Mebendazol oder Thiabendazol in Kombination mit Kortikosteroiden behandelt.

7 Prophylaxe

Das Erhitzen von Fleisch auf über sechzig Grad Celsius führt zur sicheren Inaktivierung der Trichinen.

Fachgebiete: Mikrobiologie

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