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Chemoembolisation

(Weitergeleitet von Transarterielle Chemoembolisation)

Synonyme: Transarterielle Chemoembolisation
Abkürzung: TACE

1 Beschreibung

Die Chemoembolisation beschreibt ein minimal-invasives Verfahren aus der Interventionellen Radiologie, bei dem unter Bildkontrolle ein Chemotherapeutikum in ein Tumorareal eingebracht wird und anschließend die Blutgefäße rundherum emboliert werden. Davon verspricht man sich eine möglichst lokal begrenzte Wirkung der Chemotherapie und eine Schonung des Gesamtorganismus. In den meisten Fällen begrenzt sich dieses Verfahren auf Leberkrebs bzw. Lebermetastasen, da sich hier mitunter eine Leberteilresektion vermeiden lassen kann. Allerdings findet die Chemoembolisation häufig in einem Erkrankungsstadium statt, in dem lediglich noch eine palliative und lebensverlängernde Therapie das Ziel ist und eine komplette Heilung nicht mehr möglich ist.

2 Anwendungsgebiete

3 Kontraindikationen (Ausschlusskriterien)

  • gestielter Tumortyp
  • dekompensierte Blutgerinnungsstörung
  • schwere Allergie gegen alle für die Chemoembolisation notwendigen Kontrastmittel
  • schwere Leberinsuffizienz
  • Herzinsuffizienz oder lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen
  • Metastasen auch außerhalb der Leber
  • sehr starker Tumorbefall der gesamten Leber
  • Tumorinfiltration von Lebervenen, Pfortader oder diversen Nachbarorganen
  • zu kritischer Allgemeinzustand

4 Funktionsprinzip

Ein Hepatozelluläres Karzinom hat die Eigenschaft, seinen Blutbedarf überwiegend über sehr kleine Arterienästchen zu decken. Nur ein sehr geringer Prozentsatz der Durchblutung erfolgt über Äste des Pfortadersystems, so dass der Tumor relativ problemlos vom restlichen Blutkreislauf abgetrennt werden kann, ohne systemische Probleme auszulösen. Nach Punktion der Leistennarterie (Arteria femoralis) wird ein spezieller Sondierungskatheter über die Aorta geschoben und an der Abzweigung zum Lebersystem – dem Truncus coeliacus – platziert. Nach Darstellung des Tumors und der Katheterspitze durch ein Kontrastmittel erfolgt die möglichst naheliegende Positionierung des Katheters an der Raumforderung. Da es sich in Tumornähe um sehr kleine arterielle Gefäße mit einem geringen Durchmesser handelt, ist der Einsatz eines extrem flexiblen Superselektivkatheters (Mikrokatheters) mit einem Durchmesser von rund 2 French angezeigt. Nun erfolgt das Einspritzen eines Chemotherapeutikums mit anschließender Verstopfung des zuführenden Gefäßes. Je näher die Chemoembolisation am Tumor von statten gehen kann, desto geringer ist die Schädigung umliegender Strukturen durch Austritt des Zytostatikums. Hier noch einmal etwas genauer das schrittweise Vorgehen:

  • Injektion einer Emulsion aus Lipiodol zur kurzzeitigen Verschließung der Gefäße mittels Öltröpfchen
  • Embolisation mittels Gelatinepartikel. Dies führt zu einer Flussverlangsamung im Tumorareal und damit zu einer Hypoxie. Dieser Sauerstoffmangel lässt das anschließend injizierte Chemotherapeutikum noch besser wirken
  • Einspritzung eines Chemotherapeutikums wie z. B. Mitomycin oder Doxorubicin
  • erneute Embolisation

Da ein kompletter Verschluss in der Regel nicht erreicht werden kann, sollte dieses Verfahren im Abstand von etwa 4 – 6 Wochen wiederholt werden.

5 Therapieerfolg

  • verbesserte 2-Jahres-Überlebensrate
  • größere Schonung der umliegenden Organe bzw. Strukturen
  • manchmal Vermeidung einer großen Leberteilresektion

Dennoch handelt es sich bei der Chemoembolisation in den meisten Fällen um eine rein palliative und lebensverlängernde Methode. Eine kurative Therapie ist mit diesem Verfahren in der Regel nicht möglich. Allerdings kommt dieser Methode eine große Bedeutung in Bezug auf den Zeitgewinn vor einer Lebertransplantation zu. Diese ist meistens die einzige Methode zu einer dauerhaften Heilung, sofern keine Fernmetastasen oder eine zu große Tumorinfiltration vorliegen.

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