Reperfusionsödem
Englisch: reperfusion edema
Definition
Ein Reperfusionsödem ist eine akute Flüssigkeitsansammlung (Ödem) im Gewebe nach Wiederherstellung der Durchblutung zuvor ischämischer Areale. Es stellt keine eigenständige Erkrankung dar, sondern eine organspezifische Manifestation des Reperfusionsschadens. Klinisch bedeutsam ist insbesondere das pulmonale Reperfusionsödem nach Revaskularisationsmaßnahmen.
Ätiologie
Pulmonale Reperfusionsödeme treten nach pulmonaler Endarteriektomie oder pulmonaler Ballonangioplastie auf. Weitere Auslöser sind operative oder interventionelle Revaskularisation bei akuter Extremitätenischämie. Auch nach Koronarinterventionen, Thrombolyse oder Organtransplantation sind Reperfusionsödeme beschrieben.
Pathophysiologie
Die Ischämie führt zu endothelialer Dysfunktion und Störung der Mikrozirkulation. Reoxygenierung induziert die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies. Entzündliche Mediatoren erhöhen die Kapillarpermeabilität. Es resultiert ein Austritt von Plasmaflüssigkeit in das Interstitium oder die Alveolen. Mechanismen der Ischämie-Reperfusionsschädigung umfassen oxidative Stressreaktionen, Komplementaktivierung und neutrophile Infiltration.
Klinik
Die Symptomatik ist organspezifisch. Beim pulmonalen Reperfusionsödem treten Dyspnoe, Hypoxämie und radiologisch nachweisbare Infiltrate im behandelten Lungenareal auf. Der Beginn erfolgt meist innerhalb weniger Stunden nach Wiedereröffnung des Gefäßes.
Bei Extremitätenmanifestation zeigen sich Schwellung, Schmerzen und Spannungsgefühl. Schwere Verläufe können in respiratorische Insuffizienz oder ein Kompartmentsyndrom übergehen.
Diagnostik
Die Diagnostik basiert auf klinischer Konstellation und zeitlichem Zusammenhang zur Reperfusion. Bildgebend zeigen sich beim pulmonalen Befall alveoläre Verschattungen im entsprechenden Versorgungsgebiet. Hämodynamische Messungen dienen der Abgrenzung gegenüber kardial bedingtem Lungenödem. Laborchemisch können unspezifische Entzündungsparameter erhöht sein.
Therapie
Die Therapie erfolgt supportiv und organspezifisch. Beim pulmonalen Reperfusionsödem kommen Sauerstoffgabe, nichtinvasive oder invasive Beatmung zum Einsatz. Kreislaufunterstützende Maßnahmen können erforderlich sein. In schweren Fällen ist eine extrakorporale Membranoxygenierung möglich.
Bei Extremitätenbeteiligung kann eine chirurgische Dekompression indiziert sein.