Pulmonale Ballonangioplastie
Englisch: balloon pulmonary angioplasty
Definition
Die pulmonale Ballonangioplastie, kurz BPA, ist ein interventionelles, kathetergestütztes Verfahren zur Dilatation stenosierter oder verschlossener Pulmonalarterien. Es dient der Senkung des pulmonalen Gefäßwiderstands und des pulmonalarteriellen Drucks bei chronisch thromboembolischer pulmonaler Hypertonie (CTEPH). Die Methode wird bei inoperablen oder residuellen Gefäßläsionen eingesetzt.
Hintergrund
Die CTEPH ist durch fibrotisch organisierte, thromboembolische Ablagerungen in den Pulmonalarterien gekennzeichnet. Segmentale und subsegmentale Läsionen sind häufig chirurgisch nicht zugänglich. Die BPA wurde seit den 2000er-Jahren insbesondere in Japan technisch weiterentwickelt. Optimierte Draht- und Ballontechniken sowie verbesserte Bildgebung reduzierten die initiale Komplikationsrate.
Indikation
Die aktuellen Leitlinien führen die BPA als Therapieoption bei inoperabler CTEPH oder persistierender bzw. rezidivierter pulmonaler Hypertonie nach pulmonaler Endarteriektomie. Voraussetzungen sind eine relevante hämodynamische Belastung mit erhöhtem pulmonalvaskulärem Widerstand und die angiographische Erreichbarkeit der segmentalen oder subsegmentalen Gefäßveränderungen. Die Entscheidung erfolgt im interdisziplinären CTEPH-Zentrum.
Durchführung
Der Eingriff erfolgt in Herzkathetertechnik über einen venösen Zugang, meist transfemoral oder transjugulär. Ein Führungskatheter wird unter fluoroskopischer Kontrolle in die Zielarterie vorgeschoben. Die Läsion wird mittels Führungsdraht sondiert. Die Dilatation erfolgt mit kleinlumigen Ballonkathetern. Zur Reduktion des Risikos eines Reperfusionsödems sind mehrere Interventionen erforderlich. Die Prozedur erfolgt unter invasiver hämodynamischer Überwachung.
Ergebnisse
Die BPA führt zu einer Reduktion des mittleren pulmonalarteriellen Drucks und des pulmonalen Gefäßwiderstands. Eine Verbesserung der rechtsventrikulären Pumpfunktion und der körperlichen Belastbarkeit ist beschrieben. Daten stammen aus prospektiven Kohortenstudien und Registeranalysen.
Risiken
Komplikationen sind Lungenödeme, Gefäßdissektionen, Hämoptyse und Drahtperforation. Darüber hinaus sind kontrastmittelassoziierte Nebenwirkungen möglich. Die Komplikationsrate ist mit zunehmender Erfahrung spezialisierter Zentren gesunken. Die Mortalität liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Abgrenzung
Im Unterschied zur pulmonalen Endarteriektomie handelt es sich um ein interventionelles Verfahren ohne Sternotomie und Herz-Lungen-Maschine. Die chirurgische Therapie adressiert primär proximale Gefäßobstruktionen. Die BPA zielt auf segmentale und subsegmentale Läsionen. Eine sequenzielle oder kombinierte Anwendung beider Verfahren ist möglich.
Literatur
- DGK: Die pulmonale Ballonangioplastie bei inoperablen Patienten mit chronisch thromboembolischer pulmonaler Hypertonie
- CB. Wiedenroth et. al., Pulmonale Ballonangioplastie (BPA) zur Behandlung von Patienten mit inoperabler chronisch thromboembolischer pulmonaler Hypertonie (CTEPH), Pulmologie 2016, Thieme-Verlag