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Protozoäre Myeloenzephalitis (Pferd)

Synonym: EPM
Englisch: equine protozoal myeloencephalitis

1 Definition

Als protozoäre Myeloenzephalitis, kurz EPM, bezeichnet man eine durch Protozoen verursachte infektiöse Erkrankung des Nervensystems beim Pferd.

2 Epidemiologie

Die protozoäre Myeloenzephalitis tritt hauptsächlich in den USA auf und kommt in Europa nur bei Importtieren vor.

3 Ätiopathogenese

Die protozoäre Myeloenzephalitis wird v.a. durch Sarcocystis neurona verursacht. Sarcocystis neurona ist ein Parasit aus der Gattung Sarcocystis innerhalb der Ordnung Eimeriida. Sarcocystis-Arten sind obligat heteroxene Parasiten bei karnivoren und omnivoren Säugetieren, Vögeln und Reptilien.

Im Darm dieser Endwirte erfolgt die Gamogonie und die Sporogonie. Im Zwischen- bzw. Fehlwirt (Säugetiere bzw. Mensch, Beuteltiere, Vögel und poikilotherme Tiere) findet die Merogonie und die Bildung typischer, meist gekammerter Zysten in der quergestreiften Muskulatur und selten auch im zentralen Nervensystem (ZNS) statt.

In seltenen Fällen verursacht auch Neospora hughesi (Neosporose) eine protozoäre Myeloenzephalitis.

4 Klinik

Die Symptome können sowohl akut als auch chronisch-progressiv auftreten. Oft kommt es zu asymmetrisch und meist fokalen Muskelatrophien, die durch umschriebene Entzündungen in der grauen Substanz des ZNS hervorgerufen werden. Dabei ist insbesondere der Hirnstamm oder das Rückenmark betroffen. Erkrankte Tiere zeigen Ataxie, Hirnnervenausfälle, Schwäche und Sensibilitätsstörungen.

5 Diagnose

Die klinische Diagnosestellung gestaltet sich schwierig, sodass oftmals nur eine Verdachtsdiagnose gestellt werden kann. Hinweisend für eine zentralnervöse Erkrankung durch Protozoen ist die Kombination aus folgenden Parametern:

6 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch müssen u.a. folgende Erkrankungen ausgeschlossen werden:[1]

7 Therapie

In den USA wird die Therapie derzeit meistens mit Ponazuril (5 mg/kgKG/Tag für mindestens 28 Tage) durchgeführt. Ponazuril ist der aktive Metabolit von Toltrazuril und somit ein Wirkstoff aus der Klasse der Antiprotozoika.[2]

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8 Prognose

Da eine Therapie mit Ponazuril in rund 60 % zu einer klinischen Besserung, in ca. 20 % zur Genesung und in etwa 8 % zu Rezidiven führt, ist die Prognose als vorsichtig einzustufen.

9 Literatur

  • Brehm W., Gehlen H., Ohnesorge B. et al., Hrsg. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2016.
  • Johannes Eckert, Karl Theodor Friedhoff, Horst Zahner, Peter Deplazes. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2008.

10 Quellen

  1. S.M. Reed et al. Equine Protozoal Myeloencephalitis: An Updated Consensus Statement with a Focus on Parasite Biology, Diagnosis, Treatment, and Prevention, J Vet Intern Med. 2016 Mar-Apr; 30(2): 491–502. Published online 2016 Feb 9, abgerufen am 24.05.2020
  2. CliniPharm CliniTox. Ponazuril CliniPharm Wirkstoffdaten, abgerufen am 23.05.2020

Diese Seite wurde zuletzt am 5. Juni 2020 um 13:47 Uhr bearbeitet.

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