PTau217
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Synonyme: p-Tau217, phospho-Tau217, phosphoryliertes Tau an Threonin 217
Definition
pTau217 ist eine an Threonin 217 phosphorylierte Isoform des mikrotubuli-assoziierten Proteins Tau. Der Biomarker kann mithilfe hochsensitiver Immunoassays und massenspektrometrischer Verfahren in Plasma und Liquor quantifiziert werden. pTau217 zählt zu den am besten validierten Blutbiomarkern der Alzheimer-Krankheit.
Klinisch wird pTau217 insbesondere zur blutbasierten Vorabklärung einer zerebralen Amyloid-β-Pathologie eingesetzt. Je nach verwendeter Teststrategie kann dadurch der Bedarf an konfirmatorischer Liquordiagnostik oder Amyloid-PET reduziert werden.
Biochemie
Tau ist ein mikrotubuli-assoziiertes Protein, das unter physiologischen Bedingungen unter anderem zur Stabilisierung axonaler Mikrotubuli beiträgt.
Bei der Alzheimer-Krankheit kommt es zu einer krankheitsassoziierten Veränderung und Hyperphosphorylierung von Tau. Die Phosphorylierung an Position 217 ist besonders eng mit dem Vorliegen einer zerebralen Amyloid-β-Pathologie assoziiert und weist in Studien eine höhere diagnostische Aussagekraft für Amyloid-Pathologie auf als beispielsweise pTau181.
3 Pathophysiologie und Verlauf
- pTau217 steht eng mit der zerebralen Amyloid-Pathologie in Zusammenhang. Der genaue Mechanismus, durch den phosphoryliertes Tau in den Blutkreislauf gelangt, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
- Ein Anstieg von pTau217 kann bereits in der präklinischen Phase der Alzheimer-Krankheit nachweisbar sein und mit der beginnenden Amyloidakkumulation einhergehen. Bei kognitiv unauffälligen Personen ist die diagnostische Sensitivität jedoch geringer als bei bereits symptomatischen Patienten, sodass eine bestehende Amyloid-Pathologie im Frühstadium nicht bei allen Betroffenen durch einen einzelnen Bluttest erkannt wird.
- Die Plasmakonzentration von pTau217 korreliert mit der Amyloid-PET-Last. Mit zunehmender Krankheitsprogression besteht zudem ein engerer Zusammenhang mit Parametern der Tau-Pathologie, beispielsweise dem Tau-PET-Signal, wobei die Korrelation auf Individualebene variabel bleibt.
- Longitudinale Untersuchungen zeigen bei amyloidpositiven Personen höhere Anstiegsraten von pTau217 als bei amyloidnegativen Personen. Ein stärkerer Anstieg kann zudem mit einer ungünstigeren kognitiven Entwicklung assoziiert sein.
Klinische Anwendung
Diagnostische Aussage
pTau217 erreicht in mehreren Studien eine hohe diagnostische Genauigkeit für die Detektion einer zerebralen Amyloid-Pathologie. In einer vergleichenden Analyse mehrerer pTau217-Testverfahren lagen die AUC-Werte für die Identifikation einer Amyloid-PET-Positivität bei etwa 0,90–0,95. Die diagnostische Leistungsfähigkeit ist in geeigneten Populationen hoch und kann mit der etablierter Liquorbiomarker vergleichbar sein. Direkte Vergleiche sind jedoch aufgrund unterschiedlicher Assays und Studienpopulationen nur eingeschränkt möglich.
Palmqvist et al. zeigten 2024 in einer schwedischen Kohorte aus Primär- und Sekundärversorgung, dass der auf Plasma-Biomarkern basierende Amyloid Probability Score 2 (APS2-Score) sowie pTau217 allein eine hohe diagnostische Genauigkeit für die Alzheimer-Pathologie erreichten. Die Genauigkeit der rein klinischen Einschätzung lag bei Hausärzten bei etwa 61 % und bei Demenzspezialisten bei etwa 73 %.
Präanalytik und Testverfahren
pTau217 kann aus Plasma oder Liquor bestimmt werden. Zur Verfügung stehen unter anderem hochsensitive Immunoassays sowie massenspektrometrische Verfahren.
Die Ergebnisse unterschiedlicher Testplattformen sind nicht unmittelbar austauschbar. Unterschiede bei Antikörpern, Kalibrierung, analytischer Sensitivität, Präanalytik und Auswertungsverfahren können zu unterschiedlichen Konzentrationsbereichen und diagnostischen Cut-offs führen.
Interpretation
Für die klinische Anwendung wird häufig ein Zwei-Cutoff-Ansatz verwendet. Dabei definiert ein unterer Grenzwert einen Bereich mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine fehlende Amyloid-Pathologie und ein oberer Grenzwert einen Bereich mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine bestehende Amyloid-Pathologie. Werte zwischen diesen Grenzwerten bilden eine Grauzone, in der eine konfirmatorische Diagnostik, beispielsweise mittels Liquoruntersuchung oder Amyloid-PET, erforderlich sein kann.
Die absoluten Cut-off-Werte sind assay-, populations- und teilweise altersabhängig und können daher nicht ohne Weiteres zwischen verschiedenen Testsystemen übertragen werden. Auch Begleiterkrankungen wie eine eingeschränkte Nierenfunktion, ein erhöhter Body-Mass-Index oder eine Anämie können die optimalen Cut-offs beeinflussen.
Bedeutung für Anti-Amyloid-Immuntherapien
pTau217 gewinnt als Screening- und Triage-Instrument vor einer Anti-Amyloid-Immuntherapie, beispielsweise mit Lecanemab oder Donanemab, zunehmend an Bedeutung. Ein Bluttest kann dabei eine schnelle Vorabklärung auf das Vorliegen einer Alzheimer-typischen Amyloid-Pathologie ermöglichen und helfen, Patienten für eine anschließende konfirmatorische Diagnostik auszuwählen.
pTau217 kann zudem mit dem Ausmaß der Tau-Pathologie assoziiert sein und in Studien zur Abschätzung einer hohen Tau-Last bei bereits Amyloid-positiven Personen beitragen. Es ersetzt jedoch nicht grundsätzlich eine direkte Untersuchung der Tau-Pathologie, beispielsweise mittels Tau-PET, dessen diagnostische Genauigkeit für fortgeschrittene Tau-Stadien in Autopsie-validierten Studien teils höher ausfällt.
Limitationen
- Die Etablierung von pTau217 als alleiniger diagnostischer Test befindet sich weiterhin im Aufbau. Regulatorische Zulassung, verfügbare Assays und klinischer Einsatz unterscheiden sich je nach Land und Testsystem.
- Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann mit erhöhten pTau217-Konzentrationen assoziiert sein und dadurch die diagnostische Interpretation erschweren. Der Einfluss der Nierenfunktion ist abhängig vom verwendeten Assay und sollte bei der Befundinterpretation berücksichtigt werden. Ratiometrische Ansätze können den Einfluss einzelner Störfaktoren teilweise reduzieren.
- Die Spezifität für die Alzheimer-Pathologie ist hoch, aber nicht absolut. Erhöhte pTau217-Werte wurden vereinzelt auch bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen beschrieben.
- Die Assay-Heterogenität zwischen verschiedenen Herstellern erschwert die Festlegung universell gültiger Referenzbereiche und Cut-offs. Unterschiede zwischen Immunoassays und massenspektrometrischen Verfahren können sich zudem auf die diagnostische Leistungsfähigkeit auswirken.
- Ein einzelner pTau217-Wert erlaubt keine vollständige Beurteilung des klinischen Krankheitsbildes und sollte immer im Kontext von Symptomatik, Alter, klinischer Untersuchung und gegebenenfalls weiterer Biomarkerdiagnostik interpretiert werden.
Quellen
- Brum WS, Cullen NC, Janelidze S, et al. A two-step workflow based on plasma p-tau217 to screen for amyloid β positivity with further confirmatory testing only in uncertain cases. Nat Aging. 2023;3(9):1079-1090.
- Palmqvist S, Tideman P, Mattsson-Carlgren N, et al. Blood Biomarkers to Detect Alzheimer Disease in Primary Care and Secondary Care. JAMA. 2024;332(15):1245-1257.
- Ashton NJ, Brum WS, Di Molfetta G, et al. Diagnostic Accuracy of a Plasma Phosphorylated Tau 217 Immunoassay for Alzheimer Disease Pathology. JAMA Neurol. 2024;81(3):255-263.
- Mattsson-Carlgren N, Collij LE, Stomrud E, et al. Plasma Biomarker Strategy for Selecting Patients With Alzheimer Disease for Antiamyloid Immunotherapies. JAMA Neurol. 2024;81(1):69-78.
- Warmenhoven N, Salvadó G, Janelidze S, et al. Head‐to‐Head Comparison of Four Plasma Phosphorylated Tau 217 Biomarkers. Alzheimers Dement. 2025;20(Suppl 2):e090618. Published 2025 Jan 9.
- Therriault J, Brum WS, Trudel L, et al. Blood phosphorylated tau for the diagnosis of Alzheimer's disease: a systematic review and meta-analysis. Lancet Neurol. 2025;24(9):740-752.
- Bornhorst JA, Lundgreen CS, Weigand SD, et al. Quantitative Assessment of the Effect of Chronic Kidney Disease on Plasma P-Tau217 Concentrations. Neurology. 2025;104(3):e210287.
- Bornhorst JA, Swartchick C, Vemuri P, et al. Comparison of the Effect of Chronic Kidney Disease on Plasma p‐tau217 Determinations versus p‐tau217 and the p‐tau217/Aβ42 Ratio in an Amyloid Negative Cohort. Alzheimers Dement. 2025;21(Suppl 2):e101203. Published 2025 Dec 24.