Nichtokklusive mesenteriale Ischämie
Englisch: non-occlusive mesenteric ischemia, NOMI
Definition
Die nichtokklusive mesenteriale Ischämie, kurz NOMI, ist eine Minderdurchblutung der Bauchorgane, die nicht durch einen Verschluss (Okklusion) der Mesenterialgefäße, sondern durch einen mangelnden Perfusionsdruck zustande kommt. Sie kann im Rahmen eines Linksherzversagens, bei Sepsis oder anderen Erkrankungen vorkommen.
Ätiologie
Typische Ursachen der NOMI sind kardiogener und septischer Schock, schwere Herzinsuffizienz sowie Hypovolämie. Sie tritt häufig bei intensivmedizinisch behandelten Patienten auf. Begünstigend wirken Vasokonstriktoren (z. B. Katecholamine), Dialysebehandlungen und schwere Lebererkrankungen.
Pathophysiologie
Bei systemischer Hypoperfusion kommt es zur Umverteilung des Blutflusses zugunsten zentraler Organe. Die daraus resultierende Vasokonstriktion der Mesenterialarterien führt zu einer kritischen Minderperfusion des Darms. Zusätzlich spielen mikrozirkulatorische Störungen und endotheliale Dysfunktion eine Rolle. Persistiert die Ischämie, droht eine transmurale Darmnekrose.
Klinik
Die NOMI beginnt oft unspezifisch mit diffusen abdominellen Schmerzen, Übelkeit oder Ileuszeichen. Charakteristisch ist eine mögliche Diskrepanz zwischen Schmerzintensität und klinischem Befund. Im Verlauf entwickeln sich Zeichen des akuten Abdomens bis hin zu Peritonitis und Sepsis.
Diagnostik
Bildgebung
Die CT-Angiographie ist das Verfahren der Wahl und zeigt Zeichen der Darmischämie bei fehlender Gefäßokklusion. Typische Befunde sind eine verminderte Kontrastierung der Darmwand, Darmwandverdickung, Pneumatosis intestinalis sowie portale Gasansammlungen. Differenzialdiagnostisch ist insbesondere die okklusive mesenteriale Ischämie abzugrenzen.
In unklaren Fällen kann eine konventionelle Angiographie sinnvoll sein, die neben der Diagnosesicherung auch therapeutische Optionen ermöglicht.
Labor
Laborchemisch findet sich häufig ein erhöhtes Laktat als unspezifischer Hinweis auf eine Gewebehypoxie. Ergänzend können weitere Laborparameter wie Leukozytose, metabolische Azidose und erhöhte Entzündungsparameter Hinweise auf das Ausmaß der Ischämie geben.
Therapie
Ziel ist die rasche Wiederherstellung einer ausreichenden mesenterialen Perfusion. Dies umfasst Volumentherapie, hämodynamische Stabilisierung und Behandlung der Grunderkrankung. Vasokonstriktorische Substanzen sollten, wenn möglich, reduziert werden. In ausgewählten Fällen kann eine intraarterielle Gabe von Vasodilatatoren erfolgen. Bei Nachweis einer Darmnekrose ist eine operative Therapie erforderlich.
Prognose
Die Letalität ist hoch und steigt bei verzögerter Diagnosestellung deutlich.