Nerandomilast
Synonym: BI 1015550
Handelsname: Jascayd®
Englisch: nerandomilast
Definition
Nerandomilast ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Small Molecules, der die Phosphodiesterase 4B (PDE4B) hemmt. Er wird zur Therapie der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) eingesetzt.
Chemie
Chemisch handelt es sich um ein synthetisch hergestelltes Small Molecule, dessen Struktur auf eine hohe Selektivität für PDE4B bei gleichzeitig reduzierter Aktivität gegenüber anderen PDE4-Isoformen (z. B. PDE4D) optimiert wurde. Diese Selektivität ist entscheidend für die potenziell verbesserte Verträglichkeit im Vergleich zu nicht-selektiven PDE4-Hemmern.
Nerandomilast liegt unter Normalbedingungen als weißes bis hellgelbes Pulver vor. In Wasser ist der Wirkstoff bei pH-Werten bis 3 schwer löslich und über pH 3 praktisch unlöslich.
Die Verbindung besitzt ein chirales Zentrum. Nerandomilast ist das (R)-Stereoisomer.
Wirkmechanismus
Nerandomilast hemmt selektiv die Phosphodiesterase 4B, ein Enzym, das für den Abbau von cAMP (zyklisches Adenosinmonophosphat) verantwortlich ist. Durch die Hemmung der PDE4B kommt es zu einem Anstieg intrazellulärer cAMP-Spiegel, was zu:
- einer Hemmung proinflammatorischer Signalwege
- einer Reduktion der Freisetzung von Zytokinen
- einer Abschwächung fibrotischer Prozesse
führt. Insgesamt resultiert daraus eine antiinflammatorische und antifibrotische Wirkung.
Pharmakokinetik
Die orale Bioverfügbarkeit beträgt etwa 73 %. Die Zeit bis zum Erreichen der maximalen Plasmakonzentration (Tmax) liegt im Median bei 1–1,25 Stunden. Die Nahrungsaufnahme hat keinen klinisch relevanten Einfluss auf die Pharmakokinetik.
Das scheinbare Verteilungsvolumen im Steady State, der nach etwa 4 Tagen erreicht wird, beträgt ca. 93 L. Die Plasmaproteinbindung liegt bei etwa 77 % und ist nicht konzentrationsabhängig.
Der Metabolismus erfolgt überwiegend über CYP3A sowie in geringerem Maße über UDP-Glucuronosyltransferasen (UGT). Dabei kommt es zu einer chiralen Inversion vom pharmakologisch aktiven R-Enantiomer zum inaktiven S-Enantiomer. Das R-Enantiomer ist die vorherrschende zirkulierende Form.
Die Elimination erfolgt sowohl fäkal (ca. 58 %, davon etwa 14 % unverändert) als auch renal (ca. 36 %, davon etwa 13 % unverändert).
Die Eliminationshalbwertszeit beträgt im Mittel etwa 17 Stunden.
Indikationen
Darreichungsformen
Nerandomilast ist in Form von Filmtabletten mit 9 und 18 mg Wirkstoffgehalt verfügbar.
Dosierung
Die empfohlene Dosierung von Nerandomilast ist 18 mg zweimal täglich, mit einem Dosisintervall von etwa 12 Stunden. Die Dosis kann bei fehlender Toleranz auf 9 mg zweimal täglich reduziert werden.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen unter anderem (in absteigender Häufigkeit):
- Diarrhö
- Atemwegsinfekte
- Depression
- Gewichtsverlust
- Inappetenz
- Übelkeit
- Fatigue
- Kopfschmerz
- Erbrechen
Die selektive Hemmung von PDE4B soll im Vergleich zu nicht-selektiven PDE4-Hemmern eine bessere Verträglichkeit ermöglichen.
Wechselwirkungen
Potentielle Wechselwirkungen ergeben sich mit Substanzen, die ebenfalls über CYP3A metabolisiert werden, also mit CYP3A4-Induktoren und -Inhibitoren.
Kontraindikationen
Mangels ausreichender Daten sind derzeit (2026) keine spezifischen Kontraindikationen definiert.
Zulassung
Nerandomilast wurde im Oktober 2025 in den USA zur Behandlung der idiopathischen pulmonalen Fibrose (IPF) zugelassen. Im Dezember 2025 erfolgte eine Erweiterung der Zulassung auf die progressive pulmonale Fibrose (PPF). In der EU läuft das Zulassungsverfahren derzeit (2026).