Myofascial Release
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LoslegenSynonyme: Myofasziale Release, myofasziale Lösungstechnik
Englisch: myofascial release
Definition
Myofascial Release, kurz MFR, ist ein alternativmedizinisches Verfahren aus dem Bereich der Osteopathie und der manuellen Therapie. Dabei wird mit den Händen anhaltender Druck oder Zug auf Muskeln und Faszien ausgeübt, um Bewegungseinschränkungen des Weichteilgewebes zu lösen, die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern. Die Wirkrationale des Verfahrens ist umstritten.
Wirkmechanismus
Die traditionelle mechanische Erklärung gilt als physikalisch wenig plausibel: Für eine messbare Verformung derber Faszien wie der Fascia lata wären Kräfte weit außerhalb des physiologischen Bereichs nötig.[1] Diskutiert werden stattdessen neurophysiologische Effekte, etwa die Reizung faszialer Mechanorezeptoren oder eine zentrale Schmerzmodulation.[2] In vitro senkte eine modellierte MFR-Dehnung die Sekretion proinflammatorischer Interleukine durch Fibroblasten.[3] Keines dieser Modelle ist als Ursache der klinischen Wirkung belegt.
Indikationen
Durchführung
Man unterscheidet zwei Grundformen:[9]
- direkte Technik: der Therapeut führt das Gewebe bis an die palpatorisch wahrgenommene Grenze der Gewebebeweglichkeit; dort hält er eine gleichmäßige Kraft, bis er ein Nachlassen des Gewebewiderstands tastet
- indirekte Technik: das Gewebe wird in die Richtung der geringsten Spannung geführt; bei Bedarf werden Kompression oder Traktion eingesetzt, bis eine Abnahme des palpatorisch wahrgenommenen Widerstands gespürt wird
Der Therapeut legt die Hände flächig oder mit den Fingerspitzen auf. Der Druck wird so gewählt, dass die Faszie erreicht wird ohne über die Haut zu gleiten. Die Gewebespannung wird in mehreren Ebenen geprüft. Am Ende wird die Beweglichkeit erneut getestet. Die Technik lässt sich regional (z.B. an der BWS) oder segmental anwenden.[9] Eine einheitliche Dosierung gibt es nicht. Die Sitzungen dauern meist 30 bis 90 Minuten.[6]
Evidenz
Die Evidenz ist uneinheitlich. Die meisten Studien sind klein und haben keine langfristige Nachbeobachtung. Die S3-Leitlinie zu nicht-spezifischen Nackenschmerzen ordnet Faszientherapien den Weichteilbehandlungen zu, die bei akuten Beschwerden nicht verordnet werden sollten und bei chronischen Beschwerden in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen verordnet werden können.[10]
Ein systematischer Review von 2018 zu chronischen muskuloskelettalen Schmerzen fand 8 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs). Sie betrafen laterale Epicondylitis, Fibromyalgie, Kreuzschmerzen und Fersenschmerzen. Fünf Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko. Bei Kreuzschmerz und Fibromyalgie erreichten die Effekte auf Schmerz und Funktion nicht die minimale klinisch relevante Differenz. Nach Ansicht der Autoren reicht die Evidenz nicht aus, um MFR bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen zu empfehlen.[6]
Eine Metaanalyse von 2021 zu chronischen Kreuzschmerzen umfasste 8 RCTs mit 375 Patienten. MFR verbesserte den Schmerz und die körperliche Funktion. Signifikant war der Effekt jedoch nur im Vergleich mit Schein-MFR. Als Ergänzung zu Bewegungstherapie oder Wirbelsäulenmanipulation ließ sich kein zusätzlicher Nutzen hinsichtlich Schmerz und körperlicher Funktion nachweisen. Auf Lebensqualität, Gleichgewicht, Rumpfbeweglichkeit und Druckschmerzschwelle zeigte sich kein signifikanter Effekt. Nur eine Studie hatte ein niedriges Verzerrungsrisiko.[4]
Eine Metaanalyse von 2024 zu chronischen Nackenschmerzen schloss 10 RCTs mit 549 Teilnehmern ein. Im Vergleich mit anderen Behandlungen senkte MFR den Schmerz signifikant und verbesserte Rotation und Seitneigung nach rechts. Die Effekte waren allerdings gering. Die Druckschmerzschwelle änderte sich nicht.[5]
Nebenwirkungen
Schwere Nebenwirkungen sind bisher (2026) nicht berichtet, werden in vielen Studien aber auch nicht untersucht. In einigen Fällen kann es zu einer vorübergehenden Schmerzzunahme kommen.[4]
Kontraindikationen
Mögliche Kontraindikationen sind z.B.:[9]
- frische Frakturen im Behandlungsgebiet
- offene Wunden an der Auflagestelle der Hände
- unbehandelte tiefe Venenthrombose bei Behandlung des Unterschenkels
Quellen
- ↑ Chaudhry H, Schleip R, Ji Z, Bukiet B, Maney M, Findley T. Three-dimensional mathematical model for deformation of human fasciae in manual therapy. J Am Osteopath Assoc. 2008;108(8):379–390.
- ↑ Behm DG, Wilke J. Do self-myofascial release devices release myofascia? Rolling mechanisms: a narrative review. Sports Med. 2019;49(8):1173–1181.
- ↑ Meltzer KR, Standley PR. Modeled repetitive motion strain and indirect osteopathic manipulative techniques in regulation of human fibroblast proliferation and interleukin secretion. J Am Osteopath Assoc. 2007;107(12):527–536.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Wu Z, Wang Y, Ye X, et al. Myofascial release for chronic low back pain: a systematic review and meta-analysis. Front Med (Lausanne). 2021;8:697986.
- ↑ 5,0 5,1 Overmann L, Schleip R, Anheyer D, Michalak J. Effectiveness of myofascial release for adults with chronic neck pain: a meta-analysis. Physiotherapy. 2024;123:56–68.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Laimi K, Mäkilä A, Bärlund E, Katajapuu N, Oksanen A, Seikkula V, Karppinen J, Saltychev M. Effectiveness of myofascial release in treatment of chronic musculoskeletal pain: a systematic review. Clin Rehabil. 2018;32(4):440–450.
- ↑ McKenney K, Elder AS, Elder C, Hutchins A. Myofascial release as a treatment for orthopaedic conditions: a systematic review. J Athl Train. 2013;48(4):522–527.
- ↑ Ferrillo M, Calafiore D, De Rosa A, et al. Efficacy of myofascial release therapy and related soft-tissue techniques for pain in temporomandibular disorders: a systematic review of randomized controlled trials. J Oral Rehabil. 2026;53(10):1972–1984.
- ↑ 9,0 9,1 9,2 West Virginia School of Osteopathic Medicine: Principles of Myofascial Release. Kursunterlage, bereitgestellt vom American Osteopathic Board of Family Physicians, certification.osteopathic.org (abgerufen 18.10.2026)
- ↑ DEGAM. S3-Leitlinie Nicht-spezifische Nackenschmerzen. AWMF-Registernummer 053-007. Version 3.0. 2025. Verfügbar unter: S3-Leitlinie Nicht-spezifische Nackenschmerzen, abgerufen am 20.10.2026.