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Hyperkoagulabilität

Englisch: hypercoagulability, thrombophilia

1. Definition

Als Hyperkoagulabilität bezeichnet man eine pathologisch erhöhte Gerinnbarkeit des Blutes mit erhöhter Neigung intravasaler Thrombenbildungen (Thrombophilie). Sie gilt als einer der Hauptrisikofaktoren der Phlebothrombosen (Virchow-Trias).

2. Ätiologie

Hyperkoagulopathien können kongenital oder erworben sein. Ihre Ursache besteht in einem Mangel oder einem Funktionsverlust gerinnungshemmender Faktoren.

2.1. Kongenitale Hyperkoagulabilität

Die kongenital bedingte Hyperkoagulabilität kann verschiedene Ursachen haben.

2.1.1. Kongenitale Hyperkoagulabilität vom Typ I

Die selteneren Typ-I-Defekte werden durch einen Mangel an antikoagulativ wirkenden Faktoren verursacht. Sie verlaufen klinisch schwerer. Zu ihnen zählen u.a. autosomal-dominant vererbte Erkrankungen wie

2.1.2. Kongenitale Hyperkoagulabilität vom Typ II

Die häufigere, aber milder verlaufende Hyperkoagulabilität vom Typ II wird durch eine Überaktivität der Gerinnungsfaktoren verursacht. Dazu zählen:

Weitere seltene genetische Ursachen für eine Hyperkoagulabilität sind die Homocysteinämie und die Dysfibrinogenämie.

2.2. Erworbene Hyperkoagulabilität

Die erworbene Hyperkoagulabilität beruht meist auf einer verminderten hepatischen Synthese von

Auch Immunkoagulopathien wie das Antiphospholipid-Syndrom des systemischen Lupus erythematodes (SLE) können eine Hyperkoagulabilität verursachen.

2.3. Symptomatische Hyperkoagulabilität

Im Krankheitsverlauf der Verbrauchskoagulopathie (disseminierte intravasale Gerinnung, DIC) bildet die initiale Hyperkoagulopathie als Aktivierungsphase (1. Phase) die Ursache des sich anschließenden Gerinnungsfaktorverbrauchs (2. Phase).

2.4. Komplikationsbedingte Hyperkoagulabilität

Im Rahmen einer Heparin-induzierten Thrombozytopenie (HIT Typen I und II) kann eine Hyperkoagulabilität durch Thrombozytenagglutination auftreten.

3. Klinik

Symptomatisch äußert sich eine Hyperkoagulopathie durch spontan auftretende, meist rezidivierende Thrombosen.

Bei intrakardialer Thrombenbildung kann es in Folge eines embolischen Verschlusses hirnversorgender Gefäße zu einem ischämisch bedingten Apoplex kommen.

4. Diagnostik

Die Diagnose der Hyperkoagulabilität wird labordiagnostisch durch Bestimmung von Protein C, Protein S, Antithrombin III bzw. molekulargenetisch bei Verdacht auf eine Faktor-V-Leiden-Mutation gestellt.

5. Therapie

Die Therapie der Hyperkoagulabilität erfolgt ursachenabhängig.

5.1. Kongenitale Hyperkoagulabilität

Bei multipel auftretenden Spontanthrombosen ist bei gesicherter Diagnose einer kongenitalen Ursache eine lebenslange antikoagulative Therapie mit Antikoagulantien, meist mit Cumarinderivaten (z.B. Phenprocoumon, Warfarin) notwendig. Niedermolekulare Heparine sind nicht indiziert, da durch den AT-III-Mangel die Wirksamkeit stark reduziert ist.

5.2. Erworbene Hyperkoagulabilität

Bei hepatisch bedingter Hyperkoagulabilität steht die Therapie der auslösenden Lebererkrankung im Vordergrund. Ein hepatisch bedingter AT-III-Mangel kann kurzfristig durch AT-III-Substitution (z.B. Thrombhibin®) ausgeglichen werden. Zur Thromboseprophylaxe werden Antikoagulantien gegeben.

siehe auch: Thrombophilie, Virchow-Trias, Phlebothrombose

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