Elektromagnetische Strahlung
Synonyme: elektromagnetische Welle, Wellenstrahlung
Englisch: electromagnetic radiation, EMR
Definition
Elektromagnetische Strahlung ist eine Form der Energieübertragung durch gekoppelte elektrische und magnetische Felder, die sich wellenförmig im Raum ausbreiten. Sie benötigt kein materielles Medium und kann sich daher auch im Vakuum ausbreiten. Physikalisch zeigt elektromagnetische Strahlung Wellen- und Teilcheneigenschaften. Letztere wird durch Photonen beschrieben.
Physikalische Eigenschaften
Elektromagnetische Strahlung breitet sich im Vakuum mit der Lichtgeschwindigkeit aus:
Zwischen Frequenz, Wellenlänge und Photonenergie besteht folgender Zusammenhang:
- – Lichtgeschwindigkeit
- – Wellenlänge
- – Frequenz
- – Photonenergie
- – Planck-Konstante
Je höher die Frequenz bzw. je kürzer die Wellenlänge, desto höher ist die Energie der Photonen.
Einteilung
Elektromagnetisches Spektrum
Elektromagnetische Strahlung umfasst ein breites Spektrum unterschiedlicher Frequenzen und Wellenlängen. Dieses wird als elektromagnetisches Spektrum bezeichnet.
| Frequenz (in Hz) | Spektrum | Verwendung |
|---|---|---|
| 3 bis 3x104 | Niederfrequenzwellen | Niederfrequenztherapie (z.B. TENS) |
| 3x104 bis 3x108 | Radiowellen | Kurzwellentherapie, Magnetresonanztomografie, Radiofrequenzablation |
| 3x108 bis 3x1011 | Mikrowellen | Mikrowellenablation, Hyperthermie |
| 3×1011 bis 3,8×1014 | Infrarotstrahlung | Wärmetherapie, Thermografie |
| 3,8×1014 bis 7,9×1014 | sichtbares Licht | Optik, Laserlicht |
| 7,9×1014 bis 3×1016 | UV-Strahlung | Phototherapie |
| 3×1016 bis 3x1019 | Röntgenstrahlung | Röntgendiagnostik, Computertomographie |
| 3x1019 bis 3x1021 | Gammastrahlung | Strahlentherapie, Gamma-Knife, Brachytherapie |
Ionisierende und nicht ionisierende Strahlung
Elektromagnetische Strahlung kann nach ihrer Energie in ionisierende und nichtionisierende Strahlung eingeteilt werden. Zur nichtionisierenden Strahlung zählen:
- Radiowellen
- Mikrowellen
- Infrarotstrahlung
- sichtbares Licht
Diese Strahlungsarten besitzen nicht genügend Energie, um Elektronen aus Atomen zu entfernen. Die biologischen Wirkungen beruhen hier hauptsächlich auf thermischen Effekten, also einer Erwärmung von Gewebe.
Zu ionisierender Strahlung zählen:
- hochenergetische UV-Strahlung
- Röntgenstrahlung
- Gammastrahlung
Diese Strahlung kann Ionisationen in Materie verursachen und damit biologische Schäden (DNA-Schäden, Mutationen, Zellschäden und langfristig Entstehung von Krebs) hervorrufen.
Medizinische Bedeutung
Elektromagnetische Strahlung wird in der Medizin sowohl für diagnostische, als auch für therapeutische Zwecke genutzt. Beispiele sind:
- Diagnostische Bildgebung: Verfahren wie Röntgen, CT und MRT nutzen verschiedene Arten elektromagnetischer Strahlung zur Erzeugung detaillierter Bilder des Körperinneren.
- Strahlentherapie nutzt hochenergetische Photonenstrahlung, insbesondere zur Behandlung von Krebs.
- Phototherapie: Anwendungen von UV-Licht zur Behandlung von Hauterkrankungen und zur Vitamin-D-Synthese.
- thermische Anwendungen mit Infrarot- oder Mikrowellenstrahlung
Strahlenschutz
Beim Umgang mit ionisierender elektromagnetischer Strahlung, insbesondere mit Röntgenstrahlung und Gammastrahlung, sind spezielle Strahlenschutzmaßnahmen erforderlich. Wichtige Prinzipien sind:
- Minimierung der Strahlenexposition
- Einhaltung von Dosisgrenzwerten
- Anwendung des ALARA-Prinzips
Technische und organisatorische Maßnahmen umfassen unter anderem:
- Reduktion der Expositionsdauer
- Vergrößerung des Abstands zur Strahlenquelle
- Verwendung von Abschirmungen, z.B. Bleischürzen
Ziel des medizinischen Strahlenschutzes ist es, die Strahlenexposition für Patienten und Personal so gering wie möglich zu halten, ohne den diagnostischen oder therapeutischen Nutzen zu beeinträchtigen.