Distaler Ulnarisblock
Synonyme: distale Leitungsanästhesie des Nervus ulnaris, Ulnarisblock am Handgelenk, peripherer Ulnarisblock
Englisch: distal ulnar nerve block, ulnar nerve block at the wrist
Definition
Der distale Ulnarisblock ist eine Leitungsanästhesie des Nervus ulnaris, bei der die ulnare Seite der Handfläche und des Handrückens, einschließlich des Hypothenars und der ulnaren Finger anästhesiert werden.
Indikationen
Klassische Indikationen sind die chirurgische Versorgung von Riss-/Schnittwunden oder anderen Läsionen an der Ulnarseite der Handfläche oder des Handrückens.
Anatomie
Am Handgelenk liegt der Nervus ulnaris ulnarseitig der Arteria ulnaris. Arterie und Nerv verlaufen in der Guyon-Loge in der Nähe der Sehne des Musculus flexor carpi ulnaris, die am Os pisiforme ansetzt. Zusätzlich sind die dorsalen Hautäste zu berücksichtigen, die um die Ulna herumziehen und den ulnaren Handrücken versorgen.
Durchführung
Der Patient wird mit supinierter Hand gelagert. Vor Beginn werden Sensibilität und Motorik im Ulnarisgebiet geprüft und dokumentiert. Anschließend wird die Sehne des Musculus flexor carpi ulnaris identifiziert. Diese lässt sich bei aktiver Flexion des Handgelenks gegen Widerstand proximal des Os pisiforme palpieren.
Die Nadel wird dann an der proximalen Beugefalte des Handgelenks ulnar eingeführt, unter der Sehne des Musculus flexor carpi ulnaris und distal des Processus styloideus ulnae.
Die Nadel wird horizontal vorgeschoben und etwa 1–1,5 cm in Richtung radial parallel zur Sehne geführt. Sollten Parästhesien auftreten, wird die Nadel etwas zurückgezogen.
Vor der Injektion wird aspiriert, anschließend wird das Lokalanästhetikum langsam über 30–60 Sekunden injiziert (typischerweise 3–5 ml). Danach werden weitere 5–6 ml subkutan fächerförmig infiltriert, um die subkutanen Äste mitzubetäuben. Der Wirkungseintritt wird nach 5–10 Minuten erwartet.
Ultraschallgesteuerte Blockade
Die Blockade kann auch sonographisch überwacht erfolgen. Dies erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit und kann Komplikationen reduzieren, erfordert aber entsprechendes Equipment und Training.
Unter Querschnittdarstellung an der proximalen Handgelenksfalte wird die Arteria ulnaris identifiziert und der Nervus ulnaris medial davon dargestellt (typisch echogen-wabenförmig). Die Nadel wird in der Ebene vorgeschoben, kleine Testinjektionen dienen der Lagekontrolle. Eine komplette „Donut“-Umschließung ist nicht zwingend erforderlich, entscheidend ist die korrekte perineurale Ausbreitung ohne intravasale/intraneurale Injektion.
Lokalanästhetikum
Es können Lidocain 2% mit Adrenalin 1:100.000 oder bei längerer Wirkung Bupivacain 0,5% mit Adrenalin 1:200.000 genutzt werden.
Bei einer vorliegenden Herzerkrankung sollen nur begrenzte Adrenalinmengen verwendet bzw. alternativ ein Anästhetikum ohne Adrenalin gewählt werden.
Quellen
- S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie des Kubitaltunnelsyndrom (KUTS), Stand 2018
- Gray und Schafhalter-Zoppoth, Ultrasound guidance for ulnar nerve block in the forearm, Reg Anesth Pain Med, 2003
- Yurgil et al., Nerve Blocks: Part I. Upper Extremity, Am Fam Physician, 2020