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Darmbilharziose

nach dem deutschen Arzt Theodor Maximilian Bilharz (1825-1862)
Synonym: intestinale Schistosomiasis

1 Definition

Die Darmbilharziose ist eine Form der Schistosomiasis (Bilharziose), einer durch Schistosomen (Pärchenegel) verursachten Erkrankung.

2 Einteilung

Prinzipiell kann die Schistosomiasis alle Organe betreffen, insbesondere die Leber, die Harnblase und den Darm, je nachdem in welches Venensystem die jeweilige Schistosomen-Art bevorzugt ihre Eier legt. Die klinisch wichtigsten Formen sind die Blasen- und die Darmbilharziose.

Die Blasenbilharziose wird durch den Erreger Schistosoma haematobium verursacht. Die Darmbilharziose wird durch die vier anderen klinisch wichtigen Schistosomen-Arten verursacht: Schistosoma japonicum, Schistosoma mekongi, Schistosoma mansoni und Schistosoma intercalatum.

2.1 Asiatische Darmbilharziose

Die klinisch oft schwer verlaufende asiatische Darmbilharziose wird durch die morphologisch unterschiedlichen Erreger Schistosoma japonicum und Schistosoma mekongi ausgelöst. Weltweit sind ca. 50 Millionen Menschen betroffen.

Zielorgan für die adulten Würmer sind die Mesenterialvenen des unteren Dünndarms. Ein Teil der abgesetzten Eier kann die Darmwand durchwandern und wird mit den Fäzes ausgeschieden, der andere Teil wird hämatogen in andere Organe (Leber, Lunge, ZNS) verschleppt.

Klinisch ist die akute Phase als Katayama-Syndrom ausgeprägt. Die chronische Phase äußert sich zunächst in unspezifischen Darmbeschwerden wie Diarrhö, Flatulenz und leichten Blutungen. Organmanifestationen an Leber (Hepatosplenomegalie, Leberzirrhose, Aszites, Ösophagusvarizenblutung), Lunge (Bronchitis, Rechtsherzinsuffizienz, Embolien durch Eier) und ZNS (Lähmung, Psychosen, epileptische Anfälle) führen zu einem vielgestaltigen klinischen Bild.

Der Nachweis der charakteristischen Eier in den Fäzes, seltener aus Sputum und Biopsiematerial, ist beweisend für eine Darmbilharziose. Zur Therapie ist Praziquantel Mittel der Wahl.

2.2 Afrikanische Darmbilharziose

Schistosoma mansoni und Schistosoma intercalatum verursachen die afrikanische Darmbilharziose. Etwa 80 Millionen Menschen sind weltweit betroffen, insbesondere junge Menschen zwischen 10 und 24 Jahren. Zielorgan der adulten Erreger sind die Mesenterialvenen des oberen Dünndarms.

Die akute Phase verläuft sehr heftig, im Sinne eines anaphylaktischen Schocks, die chronische Phase hingegen ist weniger schwer ausgeprägt wie bei der asiatischen Bilharziose.

Der Nachweis der charakteristischen Eier in den Fäzes ist beweisend für eine Darmbilharziose. Therapie der Wahl ist Praziquantel.

3 Formen und Symptome

Form mögliche Symptome
intestinale Form

Gewichtsabnahme, Obstipation oder Diarrhö

Pseudopolypen in der Darmschleimhaut

schmerzhafte und blutige Stühle

hepatoduodenale Form

portaler Hochdruck

Splenomegalie und Aszites

Ösophagusvarizen (portokavale Anastomosen)

Rechtsherzdilatation durch Einengung der Lungenstrombahn

Glomerulonephritis Proteinurie
Ektopie Eiablagerungen in Lunge, ZNS oder Rückenmark mit daraus resultierender Symptomatik (z.B. akute Myelitis mit Querschnittslähmung als Folge einer ektopen Eilage im Rückenmark)

Die Symptome der Darmbilharziose werden nach einer Inkubationszeit von mehr als 2 Monaten vor allem durch die in der Darmwand oder in der Leber liegenden Eier hervorgerufen. Sie stellen das eigentliche Agens dar, da es sich vorwiegend um eine immunpathologische Erkrankung handelt. Die Eier induzieren einen intensiven granulomartigen Gewebsumbau in ihrer Umgebung, der auch als Pseudotuberkel bezeichnet wird. Schließlich verkalken die Eier und die granulomatösen Wucherungen werden fibrotisch umgebaut.

4 Literatur

  • Herbert Hof, Rüdiger Dörries: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Thieme Verlag, 4. Auflage
  • Uwe Groß: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Thieme Verlag, 2. Auflage

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