Cobicistat
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Englisch: cobicistat
Handelsname(n): Tybost®
Definition
Cobicistat ist ein pharmakokinetischer Verstärker („Booster“) zur Optimierung der antiretroviralen Therapie bei HIV-Infektionen. Es besitzt selbst keine relevante antivirale Aktivität und wird zur Erhöhung der systemischen Exposition von Elvitegravir, Atazanavir und Darunavir eingesetzt.
Wirkmechanismus
Cobicistat hemmt CYP3A konzentrations- und zeitabhängig. Dadurch wird der CYP3A-vermittelte Metabolismus gleichzeitig verabreichter antiretroviraler Wirkstoffe vermindert und deren Plasmakonzentration erhöht. Die CYP3A-Hemmung ist ausgeprägt und hält aufgrund der erforderlichen Neusynthese des Enzyms über die Elimination von Cobicistat hinaus an.
Im Vergleich zu Ritonavir weist Cobicistat eine höhere Selektivität für CYP3A auf. Zusätzlich hemmt es CYP2D6 sowie Transportproteine wie P-Glykoprotein, BCRP und OATP1B1/1B3.
Indikationen
Cobicistat ist zugelassen zur pharmakokinetischen Verstärkung von Elvitegravir, Atazanavir und Darunavir in Kombination mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen.
Pharmakokinetik
Cobicistat wird überwiegend über CYP3A metabolisiert. Aufgrund der starken CYP3A-Hemmung besteht ein ausgeprägtes Potenzial für Arzneimittelinteraktionen. CYP3A-Induktoren können die Cobicistat-Exposition vermindern, während CYP3A-Inhibitoren sie erhöhen können.
Darreichungsformen
Cobicistat ist als Filmtablette zu 150 mg sowie in fixen Kombinationspräparaten verfügbar.
Dosierung
Die empfohlene Dosis beträgt 150 mg oral (p.o.) einmal täglich zusammen mit einer Mahlzeit.
Klinische Anwendung
Als Einzelsubstanz (Tybost) ist Cobicistat in der EU zur pharmakokinetischen Verstärkung von Atazanavir 300 mg einmal täglich oder Darunavir 800 mg einmal täglich als Teil einer antiretroviralen Kombinationstherapie zugelassen. Es wird ausschließlich in Kombination mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen angewendet und darf nicht als Monotherapie eingesetzt werden.
Für die Initialtherapie sind Cobicistat-haltige Regime nicht generell Mittel der ersten Wahl gemäß Deutsch-Österreichische Leitlinie 2025. Cobicistat-haltige Regime werden in der Schwangerschaft nicht empfohlen wegen des Risikos unzureichender Medikamentenspiegel in der Spätschwangerschaft.
Nebenwirkungen
Unter der Therapie können folgende Nebenwirkungen auftreten:
- Übelkeit
- Diarrhö
- Kopfschmerzen
- Hyperbilirubinämie
Charakteristisch ist ein Anstieg des Serumkreatinins durch Hemmung der tubulären Kreatininsekretion über OCT2 und MATE1, ohne dass eine tatsächliche Verschlechterung der glomerulären Filtrationsrate vorliegt.
Wechselwirkungen
Aufgrund der potenten CYP3A-Hemmung weist Cobicistat ein erhebliches Interaktionspotenzial auf. Die gleichzeitige Anwendung von CYP3A-Substraten kann deren Plasmakonzentration und damit das Risiko unerwünschter Wirkungen erhöhen. Zahlreiche Arzneimittel sind daher kontraindiziert. Eine Kombination mit Ritonavir soll aufgrund der therapeutischen Doppelung vermieden werden.
Kontraindikationen
Cobicistat ist kontraindiziert bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, gleichzeitiger Anwendung mit Arzneimitteln mit starker CYP3A-Abhängigkeit sowie bei schwerer Leberfunktionsstörung.
Chemische Eigenschaften
Cobicistat besitzt die Summenformel:
Die molare Masse beträgt 776,0 g/mol. Der Wirkstoff wurde strukturell aus Ritonavir abgeleitet, wobei die HIV-Proteasehemmung eliminiert und die CYP3A-hemmende Wirkung erhalten wurde.
Zulassung
Cobicistat wurde 2013 von der EMA und 2012 von der FDA zugelassen.