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Circovirus-Infektion (Geflügel)

Synonym: Circovirusinfektion

1 Definition

Circovirus-Infektionen sind eine derzeit (2021) noch wenig erforschte Gruppe von Virusinfektionen beim Geflügel, die hauptsächlich zu Erkrankungen des Immunsystems führen.

2 Ätiologie

Circoviridae sind unbehüllte, runde, ikosaedrisch symmetrische und etwa 20 nm große Viren. Das Kapsid setzt sich aus 12 fünfeckigen und trompetenförmigen Pentameren zusammen. Die Virionen enthalten eine einzelsträngige und zirkuläre DNA (ssDNA) von etwa 1,8 bis 3,8 kb Größe.

3 Epidemiologie

Circoviren konnten bislang bei zahlreichen Nutzgeflügelspezies nachgewiesen werden, u.a. bei Huhn, Gans, Ente, Fasan, Taube und Strauß. Es ist jedoch davon auszugehen, dass auch andere Vogelarten infiziert werden können.

4 Pathogenese

Nach der Infektion dringt das Virus in die Wirtszelle ein, worauf es seine Hülle ablegt und das virale Genom in den Zellkern entlässt. Die einzelsträngige DNA wird dann in eine doppelsträngige DNA (dsDNA) umgewandelt, sodass bei der Transkription virale mRNA entsteht. Der Erreger repliziert sich und es entstehen neue ssDNA-Genome. Die neu gebildete ssDNA kann anschließend entweder

  • in dsDNA umgewandelt werden und als Vorlage für die Transkription/Replikation dienen oder
  • von einem Kapsidprotein eingekapselt werden und Virionen bilden, die durch Lyse der Wirtszelle freigesetzt werden.

Die Viren führen zu einer massiven Schädigung des Immunsystems, die vor allem durch eine lymphozytäre Depletion entsteht. Enten und Gänse leiden zusätzlich auch an Befiederungsstörungen. Aufgrund der Immunsuppression kommt es zu nachfolgenden Sekundärinfektionen - vorwiegend verursacht durch Riemerella anatipestifer und Aspergillus fumigatus. Infektionen mit anderen Erregern sind jedoch ebenfalls möglich.

5 Klinik

Beim Geflügel verursachen Circoviren u.a. folgende wirtschaftlich bedeutsamen Erkrankungen:

6 Diagnose

Da viele der Circoviren bisher noch nicht angezüchtet werden konnten, sind sie auch wenig untersucht.

Ein Erregernachweis ist bei CIAV mittels Virusanzucht in Eintagsküken oder in lymphoblastoiden Zelllinien (z.B. MDCC-MSB1) sowie im Hühnerembryo nach Dottersackinokulation möglich. Alternativ können auch eine PCR oder andere molekularbiologische (z.B. Virusantigendetektion mittels spezifischer Antikörper) sowie serologische Methoden (z.B. ELISA oder Virusneutralisationstest) durchgeführt werden. GoCV und DuCV hingegen lassen sich nicht anzüchten. Der Erregernachweis erfolgt mittels histopathologischer Befunde in Kombination mit PCR oder Elektronenmikroskopie.

7 Therapie

Aufgrund mangelnder Nachweismethoden stehen auch für die meisten Circoviren keine adäquaten Therapieoptionen sowie Prophylaxemaßnahmen in Form einer Impfung zur Verfügung. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Vermeidung der Erregereinschleppung sowie der Bekämpfung von Sekundärinfektionen durch strikte Hygienemaßnahmen.

8 Prophylaxe

Für die infektiöse Anämie der Küken stehen Lebendvakzine für die Elterntiere zur Verfügung. Diese können ab der 12. und 18. Lebenswoche (3 bis 4 Wochen vor der Bruteigewinnung) über das Trinkwasser verabreicht werden.

9 Quelle

  • ViralZone. Circoviridae SIB - Swiss Institute of Bioinformatics (abgerufen am 16.08.2021)

10 Literatur

  • Rautenschlein S, Ryll M. 2014. Erkrankungen des Nutzgeflügels. 1. Auflage. Stuttgart: UTB Verlag GmbH. ISBN: 978-3-8252-8565-5
  • Siegmann O, Neumann U (Hrsg.) 2012. Kompendium der Geflügelkrankheiten. 7., überarbeitete Auflage. Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. ISBN: 978-84268333-4

Diese Seite wurde zuletzt am 25. August 2021 um 15:56 Uhr bearbeitet.

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