Bis zum 10. Januar steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.
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Liebe Autoren,

Wir sind auf der Suche nach Schnee in Richtung Nordpol gefahren. Deswegen steht das Flexikon vom 14.12. bis 10.01.2019 nur im Lesemodus zur Verfügung. Ab dem 10. Januar könnt ihr wieder mit voller Kraft losschreiben.

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Euer Flexikon-Team

Chronisches Erschöpfungssyndrom

Synonyme: Chronisches Müdigkeitssyndrom, Chronisches Fatigue-Syndrom, Myalgische Enzephalopathie, ME, CFS
Englisch: chronic fatigue syndrome, CFS

1 Definition

Das Chronische Erschöpfungssyndrom, kurz CFS, ist ein häufig nicht scharf definiertes Krankheitsbild, dessen Leitsymptom eine lähmende geistige und körperliche Erschöpfung bzw. Erschöpfbarkeit ist.

2 Alternativdefinitionen

Nach anderer Definition ist das CFS eine komplexe, chronische, neuroimmunologische Erkrankung, die durch spezifische neurologische, immunologische, kognitive und endokrinologische Symptomcluster definiert ist. Die Leitsymptome sind chronische, exzessive Erschöpfung und Erschöpfbarkeit sowie die "postexertional malaise", eine Form physischen Zusammenbruchs mit schwerer Dysfunktion neuro-immuno-endokrinologischer Systeme.

Es sind noch zahlreiche weitere Definitionen im Umlauf.

3 Nomenklatur

In der neueren Nomenklatur soll der Terminus "Chronisches Erschöpfungssyndrom" nicht mehr benutzt werden. Es wird stattdessen der Begriff "myalgische Enzephalomyelitis", kurz "ME", vorgeschlagen. Die Bezeichnung "Chronisches Erschöpfungssyndrom" ist aber bislang (2018) im klinischen Sprachgebrauch noch weit verbreitet. Eine Schwäche des Begriffs "myalgische Enzephalomyelitis" ist, dass es für pathologische Veränderungen in Muskulatur und Gehirn keine sicheren Belege gibt.[1]

Als weiterer Begriff wird von einigen Autoren "systemic exertion intolerance disease" (SEID) vorgeschlagen, was als "Erkrankung mit systemischer Anstrengungsintoleranz" übersetzt werden kann.

4 Ursachen

Eine spezifische, einzelne Ursache für ME/CFS konnte bis heute (2018) nicht gefunden werden. Bei rund 80% der ME/CFS-Patienten tritt die Erkrankung plötzlich und ohne erkennbare Ursache auf. Häufig ist ein zeitlicher Zusammenhang der Erkrankung mit viralen, bakteriellen oder parasitären Infektionen nachzuweisen. In Zwillingsstudien konnten eine gewisse genetische Disposition für ME/CFS festgestellt werden.

Bis 2014 wurde der Erreger XMRV als ein möglicher Auslöser diskutiert, was jedoch nicht bestätigt werden konnte.

Die folgenden pathophysiologischen Veränderungen konnten bei CFS/ME-Patienten häufiger festgestellt werden, wobei ihre konkrete Bedeutung für das Krankheitsbild häufig unklar ist:

5 Epidemiologie

Aufgrund der unterschiedlichen Definitionen und der oftmals unklaren Ausschlusskriterien variieren die Angaben zur Epidemiologie erheblich. Die Inzidenz wird in verschiedenen Studien zwischen 7 und 3.000 Fällen pro 100.000 Einwohner angegeben. Die Prävalenz liegt in verschiedenen Studien zwischen 0,1% und 2,54%. Etwa 70% der Erkrankten sind Frauen. Die Erkrankung kann auch Kinder und Jugendliche betreffen.

6 Symptome

Leitsymptome der ME/CFS sind exzessive physische wie mentale Erschöpfungszustände. Als abgrenzendes Charakteristikum tritt eine "postexertional malaise" auf, d.h. die drastische Verschlechterung des Allgemeinzustandes mit Exazerbation nahezu aller typischen Symptome nach körperlicher Belastung.

Nach den kanadischen Konsensuskriterien muss ein Patient folgende Symptome aufweisen:

Zusätzlich muss ein Symptom aus mindestens einer der 2 folgenden Kategorien vorliegen:

  • Dysfunktion des autonomen Nervensystems
  • Neuroendokrinde Dysfunktionen
  • Dysfunktion des Immunsystems

Die Verlaufsdauer sollte mindestens 6 Monate (Erwachsene) bzw. 3 Monate (Kinder/Jugendliche) betragen.

Das Krankheitsbild wird nach der Bell-Skala in 4 Schweregrade unterteilt. Grad III und IV führen oft zu Bettlägerigkeit. Die Patienten sind meist berufsunfähig, evtl. sogar an den Rollstuhl gebunden.

7 Diagnostik

Es gibt keinen spezifischen diagnostischen Test für die Feststellung des chronischen Erschöpfungssyndroms.

8 Therapie

Derzeit (2018) gibt es keinen kausalen Therapieansatz, sondern nur Maßnahmen, die auf die Linderung der Symptomatik ausgerichtet sind. Dazu gehören u.a.:

  • Pacing und Coping (als verhaltenstherapeutischer Therapieansatz)
  • Medikamentöse Therapie
    • zur Verbesserung des Nachtschlafes sowie zur Verminderung von Tagesmüdigkeit und Erschöpfungsgefühl
    • zur Beherrschung von orthostatischen und kardialen Symptomen
    • Schmerztherapie
    • Antidepressiva bei sekundärer Depression
    • Substitutionstherapie bei ggf. vorliegendem Hormonmangel
    • ggf. Arzneistoffe zur Beherrschung viraler, bakterieller oder parasitärer Infektionen

Die Behandlung mit "Graded Exercise Therapy" (GET) wird mittlerweile nicht mehr empfohlen und kann den Zustand von Patienten höherer Schweregrade sogar noch deutlich verschlechtern. In klinischer Prüfüng befindet sich die Substanz Rintatolimod, deren Wirkung jedoch umstritten ist.

9 Kontroverse

Da weder die Ursache des chronischen Erschöpfungssyndroms bekannt ist, noch verlässliche Diagnosekriterien vorliegen, wird von einigen Autoren die Existenz der Erkrankung als eigene Entität angezweifelt. ME/CFS wird oft als Verlegenheitsdiagnose gestellt, wenn keine andere Ursache für eine Erschöpfungssymptomatik gefunden werden kann.

10 Quellen

  1. Committee on the Diagnostic Criteria for Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome, Board on the Health of Select Populations, Institute of Medicine: Beyond Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome: Redefining an Illness. National Academies Press (US) 2015, PMID 25695122

Tags:

Fachgebiete: Allgemeinmedizin

Prima, da gibt es einen 404-Fehler.
#2 vor 48 Tagen von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
Gast
Für die ME/CFS gibt es kanadische und US-amerikanische Leitlinien zur Diagnostik und Therapie. Diese wurden mit Unterstützung einiger deutscher Krankenkassen in die deutsche Sprache übersetzt. Unter http://www.fatigatio.de/beratung-service-downloads/ stehen diese mit Angabe der ursprünglichen Quellenangaben zur Verfügung.
#1 am 18.10.2016 von Gast (Gesundheits- und Krankenpfleger)

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