CRUSADE-Score
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LoslegenSynonym: CRUSADE-Blutungsscore
Englisch: CRUSADE bleeding score
Definition
Der CRUSADE-Score ist ein validiertes klinisches Bewertungssystem in der Kardiologie. Er dient zur Abschätzung des Risikos einer schweren stationären Blutungskomplikation bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS). Der Score wurde u.a. für Patienten mit Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) entwickelt.[1]
Terminologie
Der Name geht auf die US-amerikanische Qualitätsinitiative und das gleichnamige Register CRUSADE zurück. Das Akronym steht für "Can Rapid risk stratification of Unstable angina patients Suppress Adverse outcomes with Early implementation of the ACC/AHA guidelines". Übersetzt bedeutet dies "Kann eine rasche Risikostratifizierung von Patienten mit instabiler Angina pectoris unerwünschte Behandlungsergebnisse durch die frühe Umsetzung der ACC/AHA-Leitlinien unterdrücken".
Hintergrund
Patienten mit akutem Koronarsyndrom erhalten leitliniengerecht eine intensive antithrombotische Therapie aus Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmern. Diese Medikamente verhindern effektiv ischämische Ereignisse, erhöhen jedoch gleichzeitig das Blutungsrisiko deutlich. Schwere Blutungen sind beim ACS mit einer erhöhten Mortalität assoziiert. Der CRUSADE-Score soll helfen, das individuelle Blutungsrisiko vor oder während invasiver Maßnahmen wie einer Herzkatheteruntersuchung abzuschätzen und gegen den therapeutischen Nutzen abzuwägen.[1]
Der Score wurde an 89.134 Patienten aus 485 US-amerikanischen Kliniken entwickelt, die zwischen 2001 und 2006 im CRUSADE-Register erfasst wurden. Patienten mit instabiler Angina pectoris waren ausgeschlossen. 80 % der Patienten bildeten die Ableitungskohorte, 20 % die Validierungskohorte.[1]
Parameter
Der CRUSADE-Score basiert auf acht klinischen und laborchemischen Variablen, die bei Aufnahme erhoben werden. Der Gesamtscore liegt zwischen 1 und 100 Punkten:[1]
| Parameter | Ausprägung | Punkte |
|---|---|---|
| Hämatokrit (%) | < 31 | 9 |
| 31–33,9 | 7 | |
| 34–36,9 | 3 | |
| 37–39,9 | 2 | |
| ≥ 40 | 0 | |
| Kreatinin-Clearance nach Cockcroft-Gault (ml/min) | ≤ 15 | 39 |
| > 15–30 | 35 | |
| > 30–60 | 28 | |
| > 60–90 | 17 | |
| > 90–120 | 7 | |
| > 120 | 0 | |
| Herzfrequenz (/min) | ≤ 70 | 0 |
| 71–80 | 1 | |
| 81–90 | 3 | |
| 91–100 | 6 | |
| 101–110 | 8 | |
| 111–120 | 10 | |
| ≥ 121 | 11 | |
| Systolischer Blutdruck (mmHg) | ≤ 90 | 10 |
| 91–100 | 8 | |
| 101–120 | 5 | |
| 121–180 | 1 | |
| 181–200 | 3 | |
| ≥ 201 | 5 | |
| Geschlecht | männlich | 0 |
| weiblich | 8 | |
| Zeichen einer Herzinsuffizienz bei Aufnahme | nein | 0 |
| ja | 7 | |
| Vaskuläre Vorerkrankung (pAVK oder früherer Schlaganfall) | nein | 0 |
| ja | 6 | |
| Diabetes mellitus | nein | 0 |
| ja | 6 |
Den größten Einfluss auf den Score haben die Nierenfunktion und der Hämatokrit. Der Blutdruck geht U-förmig ein, sodass sowohl hypotone als auch stark hypertone Werte Punkte ergeben.
Risikostratifikation
Anhand des Gesamtscores werden die Patienten in fünf Risikogruppen eingeteilt:[1]
| CRUSADE-Score | Blutungsrisiko | Rate schwerer Blutungen |
|---|---|---|
| ≤ 20 | Sehr gering | 3,1 % |
| 21–30 | Gering | 5,5 % |
| 31–40 | Moderat | 8,6 % |
| 41–50 | Hoch | 11,9 % |
| > 50 | Sehr hoch | 19,5 % |
Als schwere Blutung wurden in der Entwicklungsstudie folgende Ereignisse definiert:
- Intrakranielle Blutung oder retroperitoneale Blutung
- Abfall des Hämatokrits um ≥ 12 % gegenüber dem Ausgangswert
- jede Erythrozytentransfusion bei einem Ausgangshämatokrit ≥ 28 %
- jede Erythrozytentransfusion bei einem Ausgangshämatokrit < 28 % mit beobachteter Blutung
Die Diskriminationsfähigkeit lag in der Ableitungskohorte bei einer C-Statistik von 0,72 und in der Validierungskohorte bei 0,71.[1] Auch in neueren Kohorten mit perkutaner Koronarintervention zeigte der Score eine gute Vorhersagekraft.[2]
Klinische Konsequenz
Ein hoher CRUSADE-Score weist auf ein erhöhtes intrahospitales Blutungsrisiko hin. Allein begründet er jedoch weder eine Dosisreduktion noch den Verzicht auf eine indizierte Antikoagulation. Die antithrombotische Behandlung muss unter gemeinsamer Berücksichtigung des Blutungs- und Ischämierisikos sowie patienten- und substanzspezifischer Faktoren individualisiert werden. Der radiale Herzkatheterzugang wird beim akuten Koronarsyndrom unabhängig vom CRUSADE-Score als Standard empfohlen, sofern keine zwingenden prozeduralen Gründe dagegen sprechen.[3][4]
Für die Abschätzung des Blutungsrisikos, insbesondere im Hinblick auf die Dauer der dualen Plättchenhemmung, stellt die aktuelle ESC-Leitlinie die ARC-HBR-Kriterien und den PRECISE-DAPT-Score in den Vordergrund.[3]
Limitationen
Der Score wurde für hospitalisierte Patienten mit NSTEMI zur Abschätzung schwerer stationärer Blutungen entwickelt. Die Entwicklungskohorte wurde vor der breiten Anwendung von Prasugrel, Ticagrelor und des routinemäßigen radialen Zugangs behandelt. Seine Übertragbarkeit auf andere Kollektive und aktuelle Therapiestrategien ist daher begrenzt.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Subherwal S et al. Baseline risk of major bleeding in non-ST-segment-elevation myocardial infarction: the CRUSADE (Can Rapid risk stratification of Unstable angina patients Suppress ADverse outcomes with Early implementation of the ACC/AHA Guidelines) Bleeding Score. Circulation. 2009;119(14):1873-82.
- ↑ Chichareon P et al. Updated CRUSADE score to predict in-hospital bleeding: External validation in the Thai percutaneous coronary intervention registry. Catheter Cardiovasc Interv. 2024;103(2):268-75.
- ↑ 3,0 3,1 Byrne RA et al. 2023 ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes. Eur Heart J. 2023;44(38):3720-826.
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. ESC Pocket Guidelines – Akutes Koronarsyndrom, Version 2023, abgerufen am 23.09.2026.