Blasenauslassobstruktion
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LoslegenSynonyme: Blasenausgangsobstruktion, Blasenausflussobstruktion
Englisch: bladder outlet obstruction, BOO
Definition
Die Blasenauslassobstruktion, kurz BOO, ist eine Behinderung des Harnabflusses im Bereich des Blasenhalses oder der Harnröhre. Dadurch muss die Harnblase einen erhöhten Druck aufbauen, um die Entleerung zu ermöglichen. Langfristig können Restharn, Harnwegsinfektionen und eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion entstehen.
Ätiologie
Bei Männern ist die häufigste Ursache die benigne Prostatahyperplasie (BPH) im Rahmen des benignen Prostatasyndroms (BPS).[1] Weitere Ursachen sind Harnröhrenstrikturen, Prostatakarzinome oder Veränderungen nach Operationen. Bei Frauen können beispielsweise Beckenbodenerkrankungen, ein Descensus genitalis, Narbenbildungen nach Anti-Inkontinenz-Operationen oder selten Tumoren eine Obstruktion verursachen.[2][3]
Pathophysiologie
Durch den erhöhten Widerstand im Bereich von Blasenhals oder Harnröhre muss der Detrusormuskel einen höheren Druck aufbauen, um einen adäquaten Harnfluss zu erzielen. Kompensatorisch kommt es zunächst zu einer Hypertrophie der Blasenmuskulatur; im Verlauf kann dies in eine Detrusordekompensation mit zunehmender Restharnbildung übergehen.
Einteilung
Urodynamisch wird die BOO anhand von Druck-Fluss-Messungen (Detrusordruck bei maximalem Harnfluss) klassifiziert, am gebräuchlichsten mittels des Abrams-Griffiths-Nomogramms bzw. des daraus abgeleiteten Bladder Outlet Obstruction Index (BOOI). Dabei wird zwischen obstruiert, äquivok obstruiert und nicht obstruiert unterschieden.[4]
Symptome
Typische Beschwerden sind ein abgeschwächter Harnstrahl, verzögerter Miktionsbeginn, Pressen beim Wasserlassen und ein Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung.
Diagnostik
Zur Basisdiagnostik gehören Anamnese, körperliche Untersuchung inklusive digital-rektaler Untersuchung, Urinuntersuchung und die Bestimmung des Restharns. Bei Männern wird zusätzlich der PSA-Wert bestimmt. Bei unklaren Befunden können Uroflowmetrie, Sonographie, Zystoskopie oder eine urodynamische Untersuchung eingesetzt werden; letztere gilt weiterhin als diagnostischer Goldstandard, wobei aktuelle Langzeitdaten die Frage aufwerfen, in welchem Ausmaß eine invasive Urodynamik das Behandlungsergebnis gegenüber einer nicht-invasiven Diagnostik tatsächlich verbessert.[5] Nicht-invasive Verfahren zeigen dabei je nach Methode eine unterschiedliche diagnostische Güte.[6]
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad. Bei einer BPH kommen zunächst Medikamente wie α1-Rezeptorblocker oder 5α-Reduktasehemmer infrage. Bei ausgeprägter oder therapieresistenter Obstruktion können operative Verfahren wie die transurethrale Resektion der Prostata (TURP) erforderlich sein. Als minimalinvasive Alternativen stehen unter anderem Wasserdampf-Ablation (Rezum), prostatische Urethra-Lifting-Implantate (UroLift) und temporäre implantierbare Nitinol-Devices (iTIND) zur Verfügung, die ambulant unter Lokalanästhesie durchgeführt werden können.[7]
Bei Frauen richtet sich die Therapie nach der zugrunde liegenden Ursache: Bei einem Descensus genitalis kommen eine Pessartherapie oder eine operative Korrektur infrage, bei iatrogener Obstruktion nach Anti-Inkontinenz-Operationen eine Urethrolyse oder Bandlösung. Bei funktioneller Entleerungsstörung kann ein intermittierender Selbstkatheterismus notwendig werden.
Eine akute Harnverhaltung muss durch eine rasche Harnableitung (transurethraler oder suprapubischer Katheter) behandelt werden.
Prognose
Unbehandelt kann eine chronische BOO zu progredienter Restharnbildung, rezidivierenden Harnwegsinfektionen, Blasensteinen sowie im Verlauf zu einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion bis hin zur postrenalen Niereninsuffizienz führen. Eine rechtzeitige Therapie kann diese Folgeschäden meist verhindern.
Quellen
- ↑ AWMF-Leitlinie 043-034, abgerufen am 27.08.2026
- ↑ Pang et al., Diagnostic Tests for Female Bladder Outlet Obstruction: A Systematic Review from the European Association of Urology Non-neurogenic Female LUTS Guidelines Panel, Eur Urol Focus, 2022
- ↑ Arlandis et al., European Association of Urology Guidelines on the Management of Female Non-neurogenic Lower Urinary Tract Symptoms. Part 2: Underactive Bladder, Bladder Outlet Obstruction, and Nocturia, Eur Urol, 2022
- ↑ Abrams und Griffiths, The assessment of prostatic obstruction from urodynamic measurements and from residual urine, Br J Urol, 1979
- ↑ Clout et al., Urodynamics tests for the diagnosis and management of male bladder outlet obstruction: long-term follow-up of the UPSTREAM non-inferiority RCT, Health Technol Assess, 2025
- ↑ Cheng et al., The diagnostic value of non-invasive methods for diagnosing bladder outlet obstruction in men with lower urinary tract symptoms: A meta-analysis, Front Surg, 2022
- ↑ Harkins et al., Minimally Invasive Surgical Approaches for Bladder Outlet Obstruction Within an Office Environment: A Comprehensive Literature Review, Urol Res Pract, 2025