Pessar
Synonyme: Vaginalpessar
Englisch: pessary
Definition
Ein Pessar ist ein Medizinprodukt, das in die Vagina oder den Uterus eingeführt wird. Es gibt verschiedene Arten von Pessaren, die je nach Form und Funktion unterschiedliche therapeutische oder präventive Zwecke erfüllen. Pessare bestehen meist aus Silikon oder seltener aus Kunststoff und werden vor allem in der Gynäkologie zur konservativen Behandlung von Senkungszuständen der Beckenorgane sowie bei bestimmten Formen der Harninkontinenz eingesetzt.
Wirkmechanismus
Der Wirkmechanismus eines Pessars beruht auf einer passiven mechanischen Stabilisierung. Nach vaginaler Einlage entfaltet das Pessar seine Form und übt Druck auf die Vaginalwände sowie angrenzende Strukturen aus. Dadurch werden abgesunkene Organe wie Uterus, Blase oder Rektum angehoben und in eine physiologische Position gebracht, um so Funktionalität zu ermöglichen.
Je nach Bauform kann zusätzlich eine gezielte Abstützung der Harnröhre erfolgen, wodurch der intraabdominelle Druck bei Belastung besser kompensiert wird. Die Anpassung erfolgt individuell, häufig im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung. Moderne Silikonpessare sind flexibel, atraumatisch und für den Langzeiteinsatz geeignet. Die Handhabung reicht von ärztlich kontrollierter Anwendung bis zur autonomen Einlage und Entfernung durch die Patientin.
Formen
Es existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Pessarformen, die sich in Aufbau, Stabilität und Anwendungsziel unterscheiden. Zu den häufig verwendeten Typen zählen Ringpessare, die vor allem bei leichten bis mittelgradigen Senkungen eingesetzt werden. Würfelpessare erzeugen durch Unterdruck eine stärkere Fixierung und kommen eher bei ausgeprägten Deszensusformen zum Einsatz. Gellhornpessare besitzen eine festere Struktur und werden bei höhergradigen Organverlagerungen verwendet. Spezielle Inkontinenzpessare sind so geformt, dass sie die Harnröhre gezielt unterstützen. Die Wahl der Form richtet sich nach Anatomie, Beschwerdebild und individueller Verträglichkeit.
Anwendungsbereiche
Zu den Anwendungsbereichen von Pessaren gehören:
- Therapie von Lageveränderungen: Ring- und Würfelpessare können bei Gebärmuttersenkungen unterstützend eingesetzt werden
- Kontrazeption: Intrauterinpessare wie Kupferspiralen oder Hormonspiralen
- Belastungsinkontinenz
- Prävention von Frühgeburten: Zervixpessare werden zur Stabilisierung des Muttermunds bei Risikoschwangerschaften verwendet
Klinische Bedeutung
Pessare sind eine etablierte, nicht-operative Therapieoption und nehmen einen festen Platz im konservativen Behandlungsspektrum gynäkologischer Erkrankungen ein. Sie ermöglichen eine Symptomlinderung ohne Narkose- oder Operationsrisiko und sind reversibel. Bei korrekter Anpassung und regelmäßiger Kontrolle können sie über Jahre eingesetzt werden. Insbesondere in einer alternden Bevölkerung gewinnt die Pessartherapie an Bedeutung, da sie eine individualisierte und schonende Versorgung erlaubt.
Nachteile
Zu den möglichen Nachteilen zählen lokale Druckbeschwerden sowie vaginale Irritationen. Bei unzureichender Hygiene oder fehlenden Kontrolluntersuchungen kann es zu Schleimhauterosionen, Ulzerationen oder Infektionen kommen.
Die Therapie erfordert eine gewisse Compliance, insbesondere bei regelmäßigem Entfernen und Reinigen. Nicht jede anatomische Situation erlaubt einen stabilen Sitz, sodass bei manchen Patientinnen wiederholte Anpassungen notwendig sind oder ein zufriedenstellender Effekt ausbleibt.
Kontraindikationen
Absolute Kontraindikationen sind akute vaginale Infektionen, nicht abgeklärte vaginale Blutungen sowie schwere Schleimhautläsionen. Relative Kontraindikationen bestehen bei ausgeprägter vaginaler Atrophie ohne begleitende lokale Östrogentherapie oder bei fehlender Möglichkeit regelmäßiger ärztlicher Kontrollen.
Quellen
- Jelovsek et al., Pelvic organ prolapse, Lancet, 2007
- Bugge et al., Pessaries (mechanical devices) for managing pelvic organ prolapse in women, Cochrane Database Syst Rev, 2020
- Sethi und Yadav, Updates in Pessary Care for Pelvic Organ Prolapse: A Narrative Review, J Clin Med, 2025