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Prostataspezifisches Antigen

Synonyme: Semenogelase, Kallikrein-3
Englisch: prostate specific antigen, PSA

1 Definition

Das prostataspezifische Antigen, kurz PSA, ist ein Protein, das in Zellen der Prostata gebildet wird. Bei der Diagnostik des Prostatakarzinoms wird es als organspezifischer Tumormarker eingesetzt.

2 Physiologie

PSA ist ein sekretorisches Glykoprotein und dient beim Mann, wie andere Proteasen, der Verflüssigung des Prostatasekrets. Bei Männern wird es in den Epithelzellen der Prostata gebildet, bei Frauen in geringen Mengen in den Skene-Drüsen. Im Serum bildet ein Anteil von etwa 60 bis 95% einen stabilen Komplex mit Alpha-1-Antichymotrypsin (ACT) und liegt daher in gebundener Form vor. Der Rest zirkuliert als freies PSA (fPSA). Differentialdiagnostisch ist das Verhältnis des freien PSA zum Gesamt-PSA (tPSA) von Bedeutung, da beim Prostatakarzinom häufig ein niedrigerer Anteil des freien PSA und sukzessive ein höherer des gebundenen PSA detektiert wird.

Eine PSA-Erhöhung kommt auch beim Mammakarzinom vor, wird allerdings hier nicht als Tumormarker verwendet (Stand 2021).

3 Indikation

Die labormedizinische Bestimmung des PSA dient der Früherkennung, dem Staging, der Therapiekontrolle und der Nachsorge des Prostatakarzinoms.

4 Material

Für die Untersuchung wird 1 ml Blutserum oder Blutplasma benötigt.

5 Referenzbereich

5.1 Gesamt-PSA

Altersspezifische Gesamt-PSA-Referenzwerte nach Oesterling:

Altersgruppe Grenzwert
40 bis 49 Jahre < 2,5 ng/ml
50 bis 59 Jahre < 3,5 ng /ml
60 bis 69 Jahre < 4,5 ng/ml
70 bis 79 Jahre < 6,5 ng/ml

Die "Grauzone" für die Erhöhung des PSA-Wertes liegt zwischen 4 und 10 ng/ml Serum. Der Cut-off-Wert kann je nach Testverfahren unterschiedlich sein, maßgeblich sind die Angaben des bestimmenden Labors.

5.2 Quotient aus freiem und Gesamt-PSA

  • Der Normbereich für den Quotienten aus freiem und Gesamt-PSA (fPSA/tPSA) liegt bei einem Anteil von über 20%.

6 Interpretation

6.1 Gesamt-PSA

Die PSA-Konzentration im Serum ist u.a. bei Prostatakarzinom, benigner Prostatahyperplasie, Prostatitis und/oder iatrogener Manipulation, z.B. im Rahmen der digital-rektalen Untersuchung (DRU) erhöht. Radfahren oder Reiten erhöhen den PSA-Spiegel dagegen nicht. Ein erhöhter PSA-Spiegel ist daher nicht beweisend für das Vorliegen eine Erkrankung der Prostata, allerdings gilt: je höher der PSA-Wert, desto höher der positive prädiktive Wert (positiver Vorhersagewert).

Laut den Leitlinien der AWMF zur "Früherkennung, Diagnostik und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms" wird altersunabhängig, bei einer Erhöhung des prostataspezifischen Antigens über den Schwellenwert von 4,0 ng/ml, eine transrektale, sonographisch gesteuerte Biopsie unter obligatem Antibiotikaschutz empfohlen (Stand 2021).[1]

siehe auch: transrektaler Ultraschall (TRUS)

6.1.1 PSA-Wert unter altersspezifischer Norm

  • Kein Hinweis auf eine Neoplasie. Der Anteil der entdeckten Karzinome, bei denen Werte zwischen 2 und 4 ng/ml diagnostiziert werden liegt bei ca. 10%.

6.1.2 PSA-Wert zwischen altersspezifischem Normbereich und 10 ng/ml

  • Ein Karzinom ist nicht auszuschließen. Daher wird eine Bestimmung des fPSA/tPSA-Quotienten empfohlen. Zusätzlich sollten eine palpatorische und sonographische Untersuchung erfolgen. Bei Werten über 4 ng/ml ist eine Biopsie indiziert.
  • Der Anteil der entdeckten Karzinome, bei denen Werte zwischen 4 und 10 ng/ml diagnostiziert werden liegt bei ca. 25%.

6.1.3 PSA-Wert zwischen 10 und 20 ng/ml

  • Mögliches Vorliegen eines Karzinoms. Eine Bestimmung des fPSA/tPSA-Quotienten, eine palpatorische und sonographische Untersuchung sowie eine Biopsie sind indiziert.
  • Der Anteil der entdeckten Karzinome, bei denen Werte zwischen 10 und 20 ng/ml diagnostiziert werden, liegt bei ca. 50 bis 60%.

6.1.4 PSA-Anstieg von mehr als 0,75 ng/ml pro Jahr

  • Verdacht auf ein Prostatakarzinom
  • Der PSA-Anstieg (PSA-Velocity) ist unabhängig von der Ausgangswertlage ein präziser Marker für die Entwicklung eines Prostatakarzinoms (Sensitivität: ca. 75%; Spezifität: ca. 90%).

6.2 Quotient aus freiem und Gesamt-PSA

Quotient Interpretation
Unter 15%
  • Verdacht auf ein Prostatakarzinom
  • Dringende Abklärung empfohlen
15 bis 20%
  • Grauzone
  • Es wird zumindest eine Verlaufsbeobachtung empfohlen
Über 20%
  • Meist ist eine benigne Veränderung Ursache einer PSA-Erhöhung

7 Quellen

  1. AWMG Leitlinien

8 Literatur

  • Laborlexikon.de, abgerufen am 03.05.2021
  • Gressner A.M., Arndt T. Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg. (2019)

Diese Seite wurde zuletzt am 4. Mai 2021 um 10:49 Uhr bearbeitet.

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