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Akute Höhenkrankheit

Synonyme: akute Höhenerkrankung, AHK, D’Acosta-Krankheit
Englisch: acute mountain sickness, AMS

1 Definition

Unter einer akuten Höhenkrankheit versteht man Anpassungs- bzw. Funktionsstörungen des Organismus, die durch den Aufenthalt in Höhen ab 2.500 Metern (selten auch 2.000 Metern) über dem Meeresspiegel ohne vorherige Akklimatisation ausgelöst werden. Im Gegensatz zur chronischen Höhenkrankheit, die erst nach jahrelangem Aufenthalt in großen Höhen auftritt, handelt es sich um eine akute Reaktion des Körpers auf die veränderten Druckverhältnisse.

2 Symptomatik

Die akute Höhenkrankheit umfasst ein breites Spektrum von Symptomen, beginnend mit Kopfschmerz, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Schwäche bishin zu Schlaflosigkeit, nächtlichen Apnoephasen, Ödemen, und verringerter Urinproduktion.

3 Pathophysiologie

Auslösend für die Höhenkrankheit ist der niedrigere Luftdruck, insbesondere der verminderte Sauerstoffpartialdruck in größeren Höhen. Immer wieder wird fälschlicherweise geraten, gegen die Höhenkrankheit viel Flüssigkeit aufzunehmen, da es in grossen Höhen zur Hypohydratation kommen kann.

Dabei ist zu beachten: Zu viel Flüssigkeit fördert die Ausbildung der Höhenkrankheit. Die klinisch-neurologischen Störungen der Höhenkrankheit werden durch vasogene zerebrale und pulmonale Ödembildungen hervorgerufen.

Die in grossen Höhen bestehende Hypoxie führt in den zerebralen Gefässen zu einer kompensatorischen Vasodilatation und damit zu einer Zunahme der Gehirn-Durchblutung. Mit Zunahme des zerebralen Blutflusses und daraus folgender Dehnung der Gefässwand der Gehirnkapillaren bilden sich Lücken zwischen den Endothelzellen, durch die Plasma in die Interzellularsubstanz austreten kann.

Es bildet sich ein vasogenes Ödem in der weissen Substanz des Gehirns aus. Später werden von der Mikroglia Zytokine (Interleukine) ausgeschüttet, die für das Auftreten von Fieber und Störungen der Blut-Hirn-Schranke verantwortlich sind. Ebenfalls wird die Funktion der membranständigen Natrium-Kalium-ATPase gestört, die für die Erregung der Nervenzellen und Osmostabilität des Intra- und Interzellularraumes wesentlich verantwortlich ist.

Der Schädel ist durch den Knochen fest umhüllt und kann dem Ödem-Druck nicht nachgeben. Unterhalb des Foramen magnum ist der Druck jedoch geringer, da hier kein komprimierendes Ödem ausgebildet ist, sodass Hirnteile des Hirnstammes durch das Foramen gepresst werden können, was schliesslich den Tod zur Folge hat.

In der Lunge kommt es bei akuten Höhenaufenthalten zu einer initialen Vasokonstriktion der pulmonalen Gefässe. Dadurch erhöht sich der Perfusionsdruck und Druck auf das Gefässendothel mit der Folge von Mikrorupturen und Flüssigkeits- bzw. Erythrozytenaustritt aus den Pulmonalgefässen in das Lungengewebe. Später kommt es auch hier über die geschädigten Alveolarmakrophagen zur Freisetzung von Zytokinen, welche die Entzündung des Lungengewebes weiter begünstigen (Vasodilatation, Austritt von Erythrozyten, Fieber).

Je schneller die Höhenexposition erfolgt, z.B. Seilbahn oder Bergbahn, um so schneller sind die zerebralen und pulmonalen Dekompensationsmechanismen. Gefährlich sind in diesem Sinne die neu eröffnete Eisenbahn von Ostchina nach Lhasa (Tibet), die in einer Höhe von über 5000 m verläuft, oder die in Peru gelegene Eisenbahnstrecke von Lima nach Oroya mit dem höchsten Punkt von 4.835 m.

4 Einteilung

Die akute Höhenkrankheit kann in drei Schweregrade eingeteilt werden:

  • Leichte AHK (Leichte Adaptionsstörung)
  • Mittlere AHK (Mittlere Adaptionsstörung)
  • Schwere AHK (Schwere Adaptionsstörungen)

Eine Wichtung der auftretenden Symptome kann mittels des AMS-Scores vorgenommen werden.

5 Prophylaxe

Als Prophylaxe gegen die Höhenkrankheit sollte die Schlafhöhe für Bergsteiger ab 2500 m nicht um mehr als 400 m pro Tag angehoben werden. Es sollte nur der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen werden, der täglich auftritt.

In Meereshöhe werden pro Tag 400 bis 500 ml Oxidationswasser über die Lungen abgeatmet, die zuzüglich zu den 2000 ml Flüssigkeitsverlust über Nieren und Haut auszugleichen sind. Entsprechend höher müssen die Verluste in großen Höhen ausgeglichen werden.

Bergsteiger, die körperliche Schwerarbeit verrichten, haben einen höheren Flüssigkeitsverlust als Reisende in einem Bus oder der Eisenbahn in vergleichbarer Höhe.

Prophylaktische Einnahme von Acetazolamid (Diamox® (3 x 250 mg / Tag, für maximal 3 Tage), alternativ Dexamethason (8-16 mg / Tag, morgens eingenommen) haben sich in diesem Zusammenhang bewährt.

6 Medikamentöse Therapie

  • Auftreten erster Symptome: Ibuprofen, Mefenaminsäure, (CAVE: Aspirin ist in Höhen ab 3500 m kontraindiziert); Dexamethason 8 mg initial, dann 4 mg alle 6 Stunden, kein weiterer Aufstieg, bis Symptome abklingen
  • Schwere Verlaufsformen mit Hirnödem: sofortiger Abstieg, Sauerstoffgabe, Dexamethason (250 mg i.v., dann 8 mg i.v. alle 6 Stunden), Überdrucksack

siehe auch: Höhenanpassung

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