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Vegetarismus

Synonym: Vegetarische Ernährung
Englisch: vegetarianism

1 Definition

Unter Vegetarismus versteht man eine Ernährungsweise, bei der überwiegend oder ausschließlich pflanzliche Nahrungsmittel verzehrt werden. Ausgeschlossen werden alle Lebensmittel, die von getöteten Tieren stammen sowie der Verzehr lebender Tiere, z.B. Fleisch, Wurst, Fisch oder Austern.

2 Formen des Vegetarismus

Es wird zwischen verschiedenen Ausprägungen der vegetarischen Ernährung differenziert. Sie unterscheiden sich darin, inwieweit Produkte von lebenden Tieren sowie die daraus hergestellten Erzeugnisse konsumiert werden oder nicht, z.B. Milch, Käse, Eier, Honig. Darüber hinaus gibt es zahlreiche, individuell definierte Zwischenstufen. Vegetarismus kann als so genannter Flexitarismus auch temporär betrieben werden.

  • Ovo-Lakto-Vegetarier meiden Fleisch und Fisch inkl. Meeresfrüchte sowie andere aquatische Tiere, essen aber Eier und Milchprodukte
  • Lakto-Vegetarier meiden Fleisch, Fisch und Eier, essen aber Milchprodukte von Säugetieren
  • Ovo-Vegetarier meiden Fleisch, Fisch und Milchprodukte, essen aber Eier
  • Pesci-Vegetarier meiden nur Fleisch jedoch keinen Fisch und zählen damit strenggenommen nicht zur Gruppe der Vegetarier.
  • Veganer ("strenge Vegetarier") ernähren sich ausschließlich von pflanzlichen Lebensmitteln und meiden i.d.R. auch im gesamten Lebensalltag Produkte, die aus Tierbestandteilen hergestellt werden (z.B. Leder, Wolle, Lanolin, Bienenwachs).

3 Gründe für den Vegetarismus

3.1 Ethische Gründe

Die zentralen Gründe für eine vegetarische Ernährung sind in westlichen Industrieländern meist in ethisch-moralischen, weltanschaulichen Motiven begründet. Diese Haltung lässt sich bis in die griechische Antike zu Pythagoras zurückverfolgen (u.a. Ablehnung der Tötung von Tieren für die Nahrungsherstellung, Ablehnung von Tieropfern, etc.). Neben diesem generellen Tierrechtsgedanken sind heutzutage auch Aspekte rund um Massentierhaltung, Umweltschutz und Welternährung von zentraler Bedeutung.

3.2 Gesundheitliche Gründe

Vegetarische Ernährung wird zum Beispiel bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten, zur Vermeidung von Übergewicht sowie bei einem erhöhten Cholesterinspiegel oder Gicht eingesetzt.

3.3 Ästhetische Gründe

Es gibt Menschen, die Fleisch aus optisch-ästhetischen Gründen unappetitlich finden und deshalb seinen Verzehr ablehnen.

3.4 Religiöse Gründe

3.4.1 Christentum

Christen haben kontroverse Einstellungen zum Verzehr von Fleisch. Jedoch gibt es zumindest im Neuen Testament kein eindeutiges Verbot des Fleischkonsums.

3.4.2 Islam

Muslimen ist es nach dem Koran nicht gestattet, Schweinefleisch zu verzehren, da Schweine im Islam als unreine Tiere angesehen werden.

3.4.3 Hinduismus

Hinduisten verzichten auf Rindfleisch, da Rinder und Kühe im Hinduismus als heilige Tiere angesehen werden.

3.5 Psychologische Gründe

Der Vegtarismus kann auch aus psychologisch-ideologischen Gründen betrieben werden. Kritiker werfen Veganern vor, einen psychologischen Gewinn aus der moralischen Überhöhung gegenüber Fleischessern zu ziehen und eine Art "Ernährungstotalitarismus" zu praktizieren.[1]

Die Psychologin Dr. Melanie Joy hat im Gegenzug den Begriff des Karnismus (engl.: carnism) etabliert. Demzufolge werden Menschen von klein auf ideologisch darauf konditioniert, bestimmte Tiere zu essen. [2]

4 Kennzeichen der vegetarischen Nahrung

  • Kohlenhydrate: Vegetarische Ernährung ist vor allem durch eine hohe Aufnahme von Kohlenhydraten und auch Ballaststoffen gekennzeichnet.
  • Fettsäuren: Vegetarier nehmen nur wenige gesättigte und viele ungesättigte Fettsäuren auf.
  • Aminosäuren: Vegarische Kost enthält häufig weniger Aminosäuren als tierische Nahrung, weshalb auf eine ausgewogene Kost geachtet werden sollte, um einem Mangel an Aminosäuren vorzubeugen.
  • Vitamine: Da Vegetarier viel Obst und Gemüse aufnehmen, ist ihre Nahrung sehr vitaminreich. Lediglich Vitamin B12 (Cobalamin) kann nicht über pflanzliche Lebensmittel gedeckt werden und muss daher bei einer streng vegetarischen Ernährungsweise supplementiert werden (z.B. mit Nahrungsergänzungsmitteln oder Vitamin-B12-Zahnpasta). [3]
  • Mineralstoffe und Spurenelemente: Die aufgenommene Menge an Mineralstoffen und Spurenelementen ist sehr unterschiedlich. Während z.B. der Bedarf an Calcium, Natrium, Kalium weitesgehend gedeckt wird, reicht die Aufnahme von Iod, ähnlich wie bei einer omnivoren Ernährung, häufig nicht aus.
  • Cholesterin: Die von Vegetarier aufgenommene Nahrung ist häufig sehr cholesterinarm.

5 Folgen

5.1 Positive Wirkungen

Eine gut geplante, ausgewogene vegetarische Ernährung hat zahlreiche positiven Wirkungen für den menschlichen Körper. Vegetarier haben häufig einen niedrigeren Cholesterinspiegel als Nicht-Vegetarier. Zudem leiden sie seltener unter einer Hypertonie, Diabetes mellitus und aufgrund der ballaststoffreichen Nahrung ist ihr Dickdarmkrebsrisiko erniedrigt. Wie bei allen Ernährungsweisen ist es wichtig, auf eine ausreichende Zufuhr sämtlicher lebensnotwendiger Nährstoffe zu achten. [4] [5]

5.2 Negative Wirkungen

Die in vegetarischer Kost enthaltenen Inhaltsstoffe haben an sich keine oder kaum schädliche Wirkungen für den menschlichen Körper. Risiken einer (streng) vegetarischen Ernährungsweise entstehen lediglich bei einseitiger Ernährung ("Puddingveganer") bzw. dann, wenn kritische Nährstoffe wie Vitamin B12, Kalzium und ggf. Vitamin D (je nach Sonnenexposition) nicht ausreichend supplementiert werden.

6 Quellen

  1. Gemüse-Bürgertum - Veganer sind moralische Totalitaristen; abgerufen am 13.3.2017
  2. Karnismus - ein unsichtbares Glaubenssystem; abgerufen am 30.12.2017
  3. Vitamin B12 Mangel - Risikogruppen; abgerufen am 31.12.2017
  4. Vegetarische Ernährungspyramide; abgerufen am 30.12.2017
  5. Vegane Ernährungspyramide; abgerufen am 31.12.2017

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