Trofinetid
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LoslegenHandelsname: Daybue® (USA), Daybu® (EU)
Synonym: NNZ-2566
Englisch: trofinetide
Definition
Trofinetid ist ein Arzneistoff zur Behandlung des Rett-Syndroms. Es handelt sich um ein neuroprotektiv wirksames Peptidanalogon. Trofinetid war der erste zugelassene Arzneistoff gegen das Rett-Syndrom.
Chemie
Trofinetid ist ein Analogon von Glypromat, einem Peptid aus Glycin, Prolin und Glutaminsäure (Gly-Pro-Glu), das seinerseits ein Analogon des Insulin-like growth factor 1 (IGF-1) ist. Die Summenformel ist C13H21N3O6. Der chemische Name lautet (2S)-2-{[(2S)-1-(2-Aminoacetyl)-2-methylpyrrolidin-2-carbonyl]amino}pentandionsäure (IUPAC). Die molare Masse beträgt 315,33 g/mol, der Oktanol-Wasser-Koeffizient (logP) –3,9. Die CAS-Nummer lautet 853400-76-7. Die Substanz liegt bei Raumtemperatur als weißer bis cremefarbener Feststoff vor, der gut in Wasser löslich ist.[1]
Wirkmechanismus
Der Wirkmechanismus ist bislang (2026) nicht vollständig aufgeklärt. Im Tierexperiment wurden neuroprotektive, antiinflammatorische und antiapoptotische Effekte festgestellt. In klinischen Studien konnte die Wirksamkeit beim Rett-Syndrom nachgewiesen werden.[1]
Pharmakokinetik
Trofinetid wird nach oraler Aufnahme rasch resorbiert. Maximale Plasmaspiegel werden nach 2 bis 3 Stunden erreicht. Die Plasmaproteinbindung beträgt weniger als 6 %, das Verteilungsvolumen 80 Liter (ca. 1 l/kgKG). Die Biotransformation erfolgt nicht über Cytochrom-P450-Isoenzyme. Trofinetid wird zu 80 % unverändert mit dem Urin ausgeschieden. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt 1,5 Stunden.[1]
Indikation
Trofinetid ist zur Behandlung des Rett-Syndroms bei Erwachsenen und Kindern ab 2 Jahren zugelassen (USA, Kanada, Israel).[1] Die von der EMA empfohlene Indikation ist enger gefasst (neurobehaviorale Symptome des Rett-Syndroms, ab 5 Jahren).
Darreichungsform
Trofinetid steht als Lösung (200 mg/ml) zur oralen Anwendung zur Verfügung und kann auch über ein Gastrostoma verabreicht werden. In den USA ist seit Dezember 2025 zusätzlich eine farbstoff- und konservierungsmittelfreie Pulverformulierung (Daybue STIX) zugelassen.
Dosierung
Die Gabe erfolgt zweimal täglich. Die Einzeldosis richtet sich nach dem Körpergewicht und reicht von etwa 5,4 g bis 12 g pro Gabe.[1]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Wechselwirkungen
Trofinetid ist in vitro ein schwacher CYP3A4-Inhibitor und hemmt auch OATP1B1 und OATP1B3.[1]
Kontraindikationen
Bisher (2026) sind keine Kontraindikationen bekannt.
Schwangerschaft und Stillzeit
Es gibt keine ausreichenden Daten zum Risiko bei einer Anwendung in der Schwangerschaft oder in der Stillzeit.
Zulassung
Trofinetid wurde im März 2023 in den USA von der FDA als erste Therapie des Rett-Syndroms zugelassen (orale Lösung, ab 2 Jahren).[2] Im Dezember 2025 folgte die FDA-Zulassung der Pulverformulierung Daybue STIX.[3] Weitere Zulassungen bestehen in Kanada (Oktober 2024) und Israel (2026), jeweils ab 2 Jahren. In der EU sprach der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA – nach zunächst negativem Votum – im Juni 2026 in einem Wiederholungsverfahren eine positive Empfehlung aus (Handelsname Daybu, neurobehaviorale Symptome des Rett-Syndroms, ab 5 Jahren). Die Entscheidung der Europäischen Kommission stand zu diesem Zeitpunkt noch aus.[4]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Daybue™ (trofinetide) oral solution. Full prescribing information. Abgerufen am 14.03.2023.
- ↑ Keam SJ. Trofinetide: First Approval. Drugs. 2023.
- ↑ Acadia Pharmaceuticals. FDA Approval of DAYBUE STIX. 2025.
- ↑ Europäische Arzneimittelagentur (EMA). Daybu (trofinetide). Abgerufen am 14.08.2026.