Systemische Oxalose
Definition
Als systemische Oxalose bzeichnet man das Krankheitsbild, das bei Hyperoxalurie durch Ablagerungen von Calciumoxalat in verschiedenen Geweben entsteht.
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie beruht darauf, dass bei abnehmender Nierenfunktion, typischerweise bei einer GFR < 30–40, die renale Oxalatausscheidung nicht mehr ausreicht, um die endogene Oxalatproduktion zu kompensieren. Dies führt zu einem Anstieg des Plasmaoxalats und in der Folge zur extrarenalen Oxalatablagerung in verschiedenen Organen.
Symptome
- Niere: Oxalat-Nephropathie (Nephrocalcinose, Nierensteine und fortschreitende Niereninsuffizienz)
- Knochen: Osteodystrophie mit pathologischen Frakturen und Wachstumsstörungen. Knochenmarksinfiltration kann zu Anämie und Splenomegalie führen.
- Herz: Kardiomyopathie, Herzinsuffizienz und Arrhythmien
- Auge: Ablagerungen in der Retina mit möglicher Sehbeeinträchtigung
- Haut: nicht-heilende Hautulzera
- Gelenke: Gelenkschmerzen durch Kristallarthopathie
- Nervensystem: periphere Neuropathien, selten zerebrale Infarkte
- Schilddrüse: Hypothyreose
Therapie
Im Vordergrund steht die rasche Senkung der Plasmaoxalatkonzentration, um weitere Gewebedeposition zu verhindern, dafür sollten die Plasmaoxalatwerte unter die Schwelle von 30–45 µmol/L gesenkt werden.
Hämodialyse
Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz ist eine intensivierte Hämodialyse (oft vier oder mehr Sitzungen pro Woche) notwendig. Sie kann aber die hohe endogene Oxalatproduktion bei primärer Hyperoxalurie nicht vollständig kompensieren.
Medikamentöse Therapie
Zur Reduktion der Oxalatproduktion stehen seit 2020 RNA-Interferenz-Therapeutika (Lumasiran, Nedosiran) zur Behandlung der primären Hyperoxalurie Typ 1 zur Verfügung. Sie senken die hepatische Oxalatproduktion signifikant. Bei Vitamin-B6-responsiven PH1-Patienten kann Pyridoxin die Oxalatausscheidung um mehr als 30 % senken.
Transplantation
Die definitive Therapie bei systemischer Oxalose und terminaler Niereninsuffizienz ist die kombinierte Leber-Nieren-Transplantation, da die Leber die pathologische Oxalatproduktion verursacht. Bei Pyridoxin-responsiven Patienten kann eine alleinige Nierentransplantation erwogen werden.
Supportive Therapie
Supportive Maßnahmen umfassen eine hohe Flüssigkeitszufuhr, Harnalkalisierung mit Citrat, Vermeidung von oxalatreichen Lebensmitteln und nephrotoxischen Substanzen.
Literatur
Cochat P et al: Primary Hyperoxaluria NEJM 2013, Vol 369, No 7