Nedosiran
Handelsname: Rivfloza®
Synonyme: DCR-PHXC, NN-7022
Englisch: nedosiran
Definition
Nedosiran ist eine small interfering RNA (siRNA) zur gezielten Hemmung der hepatischen Oxalatproduktion. Der Wirkstoff wird zur Behandlung der primären Hyperoxalurie Typ 1 (PH1) eingesetzt und ist in den USA zugelassen.
Chemie
Nedosiran besteht aus einer synthetischen doppelsträngigen siRNA, die an N-Acetylgalactosamin (GalNAc) gekoppelt ist. Diese Modifikation ermöglicht eine selektive Aufnahme der siRNA in Hepatozyten über den Asialoglykoproteinrezeptor (ASGPR).
Wirkmechanismus
Bei der primären Hyperoxalurie liegt ein Defekt der Alanin-Glyoxylat-Aminotransferase (AGXT) vor. Dies verursacht in den Hepatozyten eine unzureichende Transaminierung von Glyoxylat zu Glycin. Stattdessen findet primär eine Verstoffwechselung zu Oxalat statt. Der letzte Schritt dieser Reaktionskette wird durch die Lactatdehydrogenase A (LDHA) katalysiert.
Nedosiran wird nach subkutaner Gabe über GalNAc-vermittelte Bindung an den ASGPR bevorzugt in Hepatozyten aufgenommen. Intrazellulär induziert es den RNA-Interferenz-Mechanismus und fördert den Abbau der LDHA-mRNA. In der Folge sinkt die Expression von LDHA, wodurch die hepatische Oxalatproduktion reduziert und die Oxalatausscheidung im Urin gesenkt wird. Nedosiran korrigiert somit nicht den Enzymdefekt selbst, sondern reduziert downstream seine Stoffwechselfolgen.
Da Nedosiran den letzten Schritt der Oxalatsynthese hemmt, ist es potenziell auch bei primärer Hyperoxalurie Typ 2 (PH2) und Typ 3 (PH3) wirksam.
Pharmakokinetik
Nach subkutaner Applikation wird die maximale Plasmakonzentration (Tmax) nach etwa sechs Stunden erreicht. Das apparente Verteilungsvolumen beträgt ca. 126 L, die Plasmaproteinbindung etwa 85,6 %. Die terminale Halbwertszeit liegt bei ungefähr 15 Stunden. Ein Anteil des Wirkstoffs wird innerhalb von 24 Stunden unverändert renal eliminiert.
Indikation
Nedosiran wird zur Senkung erhöhter urinärer Oxalatspiegel bei Patienten mit primärer Hyperoxalurie Typ 1 eingesetzt. Die Anwendung umfasst Kinder ab 9 Jahren sowie Erwachsene mit relativ erhaltener Nierenfunktion (z.B. eGFR ≥ 30 mL/min/1,73 m²).
Dosierung
Die Anwendung erfolgt einmal monatlich subkutan. Die empfohlene Dosis ist alters- und gewichtsabhängig:
- 160 mg bei Patienten ≥ 50 kg Körpergewicht
- 128 mg bei Patienten < 50 kg Körpergewicht (je nach Alterskategorie)
- 3,3 mg/kg KG bei Kindern im Alter von 9–11 Jahren mit < 50 kg Körpergewicht
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Am häufigsten treten Reaktionen an der Injektionsstelle auf. Darüber hinaus wurden in geringer Häufigkeit Kopfschmerzen und Übelkeit beobachtet. Insgesamt zeigte Nedosiran in klinischen Studien eine gute Verträglichkeit.
Zulassungsstatus
Die Erstzulassung von Nedosiran in den USA erfolgte im September 2023. In Europa ist Nedosiran derzeit (2026) nicht zugelassen.
Literatur
- go.drugbank.com, abgerufen am 30.01.2026
- Syed, Nedosiran: First Approval, Drugs, 2023
- Zhang et al. Population Pharmacokinetic and Pharmacodynamic Modelling and Simulation for Nedosiran Clinical Development and Dose Guidance in Pediatric Patients with Primary Hyperoxaluria Type 1. Clin Pharmacokinet. 64(9):1395-1411. 2025