STAT2
Englisch: signal transducer and activator of transcription 2
Definition
STAT2, kurz für Signal Transducer and Activator of Transcription 2, ist ein Transkriptionsfaktor aus der STAT-Proteinfamilie. Er spielt eine zentrale Rolle in der antiviralen Immunantwort und vermittelt Signale des Interferon-Typ-I- und Typ-III-Systems.
Struktur
STAT2 ist ein Protein mit einem Molekulargewicht von etwa 113 kDa und weist damit das höchste Molekulargewicht aller STAT-Proteine auf. Es besitzt die für STAT-Proteine charakteristischen funktionellen Domänen: eine N-terminale Domäne, eine Coiled-coil-Domäne, eine DNA-Bindedomäne, eine Linkerdomäne, eine SH2-Domäne sowie eine C-terminale Transaktivierungsdomäne.
Die SH2-Domäne ist für die phosphorylierungsabhängige Aktivierung und Dimerisierung entscheidend. Im Unterschied zu anderen STAT-Proteinen bindet STAT2 nicht eigenständig an die DNA, sondern ist auf den Interaktionspartner IRF9 (Interferon Regulatory Factor 9) angewiesen.
Aktivierung
Die Aktivierung von STAT2 erfolgt primär über den JAK-STAT-Signalweg in Antwort auf Interferon Typ I (IFN-α, IFN-β) und Interferon Typ III (IFN-λ). Der Ablauf gliedert sich in mehrere Schritte. Zunächst bindet Interferon an seinen Rezeptor (IFNAR1/IFNAR2 bzw. IFNLR1/IL10RB). Die rezeptorassoziierten Kinasen JAK1 und TYK2 phosphorylieren daraufhin STAT2 an Tyrosin690. Das aktivierte STAT2 bildet zusammen mit STAT1 und IRF9 den heterotrimeren Komplex ISGF3 (Interferon-Stimulated Gene Factor 3). Dieser Komplex transloziert in den Zellkern und bindet dort an ISRE-Sequenzen (Interferon-Stimulated Response Elements), was die Transkription Interferon-stimulierter Gene (ISGs) auslöst.
STAT2 ist der einzige STAT-Faktor, der nicht als Homodimer an DNA bindet – seine DNA-Bindung erfolgt ausschließlich im ISGF3-Komplex.
Funktionen
STAT2 ist funktionell eng auf die antivirale Immunabwehr spezialisiert. Seine wichtigsten Funktionen umfassen die Induktion antiviraler Effektormoleküle wie MX1, OAS und PKR, die Verstärkung der angeborenen Immunantwort gegen RNA- und DNA-Viren sowie die Modulation der adaptiven Immunantwort. Darüber hinaus reguliert STAT2 die Expression von MHC-Klasse-I-Molekülen und trägt so zur verbesserten Antigenpräsentation bei. Im Vergleich zu STAT1 und STAT3 ist das Funktionsspektrum von STAT2 enger und stärker auf die Interferonantwort fokussiert.
Klinische Bedeutung
Virusinfektionen
STAT2 ist ein zentraler Effektor der antiviralen Abwehr. Zahlreiche Viren – darunter das Dengue-Virus, RSV und Paramyxoviren – haben Mechanismen entwickelt, um STAT2 gezielt zu antagonisieren. Dies geschieht häufig über virale Proteine, die den proteasomalen Abbau von STAT2 fördern oder seine Phosphorylierung blockieren. Eine gestörte STAT2-Funktion führt zu einer verminderten ISG-Induktion und damit zu erhöhter Virussuszeptibilität.
Primäre Immundefekte
Homozygote Verlustmutationen im STAT2-Gen sind selten, führen jedoch zu einem schweren kombinierten Immundefekt mit ausgeprägter Anfälligkeit für Virusnfektionen, insbesondere durch attenuierte Lebendimpfviren. Betroffene Patienten zeigen eine vollständig aufgehobene Typ-I-Interferonantwort.
Lebendimpfungen (z. B. MMR, Varizellen) sind bei Patienten mit STAT2-Defizienzen kontraindiziert, da schwere Impfvirusinfektionen beschrieben wurden.
Autoimmunerkrankungen
Eine überschießende oder dysregulierte STAT2-Aktivierung kann zur Pathogenese von Interferonopathien und Autoimmunerkrankungen beitragen. Erhöhte STAT2-Aktivität wurde bei systemischem Lupus erythematodes (SLE) und beim Aicardi-Goutières-Syndrom beschrieben.
Literatur
- Kaufmann SHE, Sacks DL, Rouse BT. The Immune Response to Infection. ASM Press; 2011.
- Murphy K, Weaver C. Janeway's Immunobiology. 9th ed. Garland Science; 2016.