SHORT-Syndrom
Englisch: SHORT syndrome
Definition
Das SHORT-Syndrom ist eine seltene, genetische Multisystemerkrankung. Sie umfasst Anomalien des vorderen Augenabschnitts, charakteristische faziale Dysmorphiezeichen, partielle Lipodystrophie, Hernien, Gelenkhypermobilität und einen verzögerten Zahndurchbruch.
Hintergrund
Das Akronym SHORT beschreibt die klassischen Leitsymptome:
- S: short stature (Kleinwuchs)
- H: hyperextensibility of joints and/or hernia (Gelenkhypermobilität und/oder Hernien)
- O: ocular depression (tief liegende Augen)
- R: Rieger-Anomalie (Augenfehlbildung)
- T: teething delay (verzögerter Zahndurchbruch)
Die Bezeichnung erfasst jedoch nicht das gesamte klinische Spektrum der Erkrankung.
Ätiologie
Ursache des SHORT-Syndroms sind in der Mehrzahl der Fälle heterozygote Mutationen im PIK3R1-Gen. Dieses Gen kodiert die regulatorische Untereinheit p85α der Phosphoinositid-3-Kinase (PI3K), einem zentralen Bestandteil des PI3K-AKT-mTOR-Signalwegs.
Im Rahmen des FORGE-Canada-Konsortiums konnten mittels Exomsequenzierung wiederholt pathogene Varianten in Exon 14 von PIK3R1 identifiziert werden, darunter: [1]
- c.1906_1907insC (p.Asn636Thrfs*18), Frameshift-Mutation
- c.1945C>T (p.Arg649Trp), Missense-Mutation
- c.1971T>G (p.Tyr657*), Nonsense-Mutation
Mehrere dieser Mutationen traten neu auf, andere zeigten eine autosomal-dominante Vererbung mit intrafamiliärer Transmission. Insgesamt spricht die Datenlage für einen autosomal-dominanten Erbgang, wobei de novo-Mutationen eine wesentliche Rolle spielen.
Symptome
Das SHORT-Syndrom manifestiert sich durch eine charakteristische Kombination aus Wachstumsstörung, fazialer Dysmorphie, okulären Anomalien und metabolischen Auffälligkeiten. Leitsymptome sind ein meist bereits pränatal beginnender proportionaler Kleinwuchs, eine Gelenkhypermobilität und/oder Hernien, tief liegende Augen, Anomalien des vorderen Augenabschnitts (insbesondere im Sinne einer Rieger-Anomalie) sowie ein verzögerter Zahndurchbruch.
Neben diesen namensgebenden Merkmalen zeigt sich typischerweise ein gut wiedererkennbares faziales Erscheinungsbild mit dreieckigem Gesicht, vermindertem subkutanem Fettgewebe, hypoplastischen Nasenflügeln, überhängender Columella und nach unten gezogenen Mundwinkeln. Die Augen wirken häufig tief liegend, teils bestehen weitere Iris- oder Vorderkammeranomalien.
Ein nahezu konstantes Merkmal ist eine partielle Lipodystrophie, die im Verlauf mit Insulinresistenz oder einem Diabetes mellitus assoziiert sein kann, wobei metabolische Störungen nicht bei allen Betroffenen nachweisbar sind. Zusätzlich können ein verzögertes Knochenalter, Hörminderungen, Nephrokalzinose sowie vereinzelte skelettale Auffälligkeiten auftreten.
Die psychomotorische Entwicklung und die kognitive Leistungsfähigkeit sind in der Regel unauffällig. Insgesamt weist das SHORT-Syndrom eine variable Ausprägung auf, wobei die Kombination aus charakteristischer Fazies, Wachstumsretardierung und Lipodystrophie klinisch richtungsweisend ist.
Diagnostik
Die Sicherung der Diagnose erfolgt durch die molekulargenetische Analyse von PIK3R1.
Ergänzend sind folgende Untersuchungen und Kontrollen erforderlich:
- Ophthalmologische Untersuchung
- Endokrinologische Diagnostik (Glukosestoffwechsel)
- Wachstums- und Entwicklungsmonitoring
Therapie
Eine kausale Therapie existiert derzeit (2026) nicht. Die Behandlung erfolgt symptomorientiert mit regelmäßiger augenärztlicher und endokrinologischer Kontrolle. Insbesondere ist eine Verlaufskontrolle hinsichtlich der Entwicklung einer Insulinresistenz oder eines Diabetes mellitus erforderlich.
Quelle
- ↑ Dyment, David A. et al. Mutations in PIK3R1 Cause SHORT Syndrome. The American Journal of Human Genetics, Volume 93, Issue 1, 158 - 166.
Literatur
- Weerakkody et al., SHORT syndrome., abgerufen am 01.03.2026
- Dyment et al., Mutations in PIK3R1 Cause SHORT Syndrome., The American Journal of Human Genetics