Papillon-Lefèvre-Syndrom
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LoslegenSynonym: Keratodermia palmoplantaris diffusa Papillon-Lefèvre
Englisch: Papillon-Lefèvre syndrome
Definition
Das Papillon-Lefèvre-Syndrom, kurz PLS, ist eine sehr seltene ektodermale Dysplasie, die durch eine diffuse Palmoplantarkeratose und eine früh einsetzende Parodontitis mit raschem alveolarem Knochenabbau gekennzeichnet ist.
Hintergrund
Das PLS wurde erstmals 1924 von den französischen Dermatologen M. M. Papillon und P. Lefèvre anhand zweier Geschwister mit palmoplantarer Hyperkeratose und schweren Zahnveränderungen beschrieben. Mutationen im CTSC-Gen wurden 1999 als genetische Ursache identifiziert.[1][2]
Epidemiologie
Die Prävalenz liegt zwischen 1/250.000 und 1/1.000.000. Beide Geschlechter sind gleich häufig betroffen. Das Syndrom tritt in allen ethnischen Gruppen auf.
Ätiologie
Das PLS wird autosomal-rezessiv vererbt. Ursächlich sind Mutationen im CTSC-Gen auf Chromosom 11 an Genlokus 11q14.2, das für die lysosomale Cysteinprotease Cathepsin C kodiert. Die Mutationen führen zu einem nahezu vollständigen Ausfall der Cathepsin-C-Aktivität. Das Syndrom tritt gehäuft bei Kindern konsanguiner Elternpaare auf. Das Wiederholungsrisiko für Geschwister beträgt 25 %.[1]
Pathophysiologie
Cathepsin C aktiviert im Rahmen der Reifung neutrophiler Granulozyten mehrere Serinproteasen, z.B. die neutrophile Elastase, Proteinase 3 und Cathepsin G. Es ist damit zentral für die antimikrobielle Abwehrfunktion der Neutrophilen. Der Aktivitätsverlust beeinträchtigt die Immunantwort gegenüber Pathogenen und begünstigt so die schwere Parodontitis. Darüber hinaus ist Cathepsin C an der Differenzierung und Abschuppung der Epidermis beteiligt, was die palmoplantare Keratodermie erklärt.[1][3]
Symptome
Zwischen dem ersten und vierten Lebensjahr entwickelt sich ein diffuses palmoplantares Keratoderm mit erythematösen Plaques. Die Fußsohlen sind dabei meist stärker betroffen als die Handflächen. Häufig breitet sich das Keratoderm transgredienter Weise auf die dorsalen Flächen von Händen und Füßen sowie auf Ellenbogen und Knie aus. Eine Hyperhidrose der Handflächen und Fußsohlen wird ebenfalls beobachtet.
Die kutanen Manifestationen gehen der Parodontitis meist voraus oder manifestieren sich zeitgleich. Es entwickelt sich eine intensive Gingivitis, die rasch in eine Parodontitis mit alveolarem Knochenabbau übergeht. Die Milchzähne gehen meist bis zum 4.–5. Lebensjahr verloren. Danach tritt ein weitgehend symptomfreies Intervall ein. Mit Durchbruch der bleibenden Zähne rezidiviert die Parodontitis.
Bei etwa der Hälfte der Patienten besteht eine erhöhte Anfälligkeit für kutane und systemische Infektionen, insbesondere Furunkulose, Pyodermie und Hautabszesse.
Diagnostik
Die Diagnose wird klinisch anhand der charakteristischen Kombination aus palmoplantarem Keratoderm und früh einsetzender Parodontitis gestellt.[1] Unterstützende Untersuchungen umfassen:
- Röntgenaufnahmen des Gebisses: Atrophie des Alveolarknochens
- Biochemische Analyse: Nachweis einer verminderten oder fehlenden CTSC-Aktivität
- Gentest: molekulargenetische Bestätigung durch Nachweis einer Mutation im CTSC-Gen
Differentialdiagnose
Das Haim-Munk-Syndrom ist eine allelische Variante des PLS, die ebenfalls auf CTSC-Mutationen beruht und ein überschneidendes klinisches Bild aufweist.
Weitere Differentialdiagnosen sind:
- Parodontitis im Kindes- und Jugendalter (früher als präpubertäre bzw. aggressive Parodontitis bezeichnet; nach EFP/AAP-Klassifikation 2018 nicht mehr als eigenständige Entität geführt)
- Howel-Evans-Syndrom
- Greither-Syndrom
- Meleda-Krankheit
- Keratosis punctata
Therapie
Die Behandlung basiert auf oralen Retinoiden (z.B. Acitretin), die das palmoplantare Keratoderma lindern und den Alveolarknochenabbau verlangsamen. Ergänzend werden Antibiotika in Kombination mit konsequenter Mundhygiene und antimikrobiellen Mundspülungen empfohlen, um das Fortschreiten der Parodontitis zu verlangsamen.
In Einzelfällen konnte unter frühzeitiger interdisziplinärer Therapie der Erhalt des bleibenden Gebisses beschrieben werden.[3] Bei weiter fortschreitendem Zahnverlust können verbleibende Zähne extrahiert und durch Zahnimplantate ersetzt werden.
Den Eltern betroffener Kinder soll eine genetische Beratung angeboten werden (Wiederholungsrisiko 25 %).
Prognose
Die Lebenserwartung ist normal. Ohne frühzeitige und konsequente Therapie kommt es bei den meisten Patienten zu einem weitgehenden Zahnverlust – Milchzähne in der Regel bis zum 5. Lebensjahr, bleibende Zähne bis ins frühe Erwachsenenalter.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Adamski Z, Burchardt D, Pawlaczyk-Kamieńska T, Borysewicz-Lewicka M, Wyganowska-Świątkowska M. Diagnosis of Papillon-Lefèvre syndrome: review of the literature and a case report. Postepy Dermatol Alergol. 2020;37(5):671–676.
- ↑ Toomes C, James J, Wood AJ et al. Loss-of-function mutations in the cathepsin C gene result in periodontal disease and palmoplantar keratosis. Nat Genet. 1999;23(4):421–424.
- ↑ 3,0 3,1 Umlauft J, Schnabl D, Blunder S, Moosbrugger-Martinz V, Kapferer-Seebacher I, Zschocke J, Schmuth M, Gruber R. Two patients with Papillon-Lefèvre syndrome without periodontal involvement of the permanent dentition. J Dermatol. 2021;48(4):537–541.