Neuroretinitis
Definition
Die Neuroretinitis ist eine Entzündung des Sehnerven mit sekundärer Beteiligung der Netzhaut. Charakteristisch ist eine initiale Papillenschwellung mit nachfolgend auftretenden harten Exsudaten der Makula in sternförmiger Anordnung.
Ätiologie
Die Neuroretinitis tritt überwiegend unilateral auf und betrifft häufig jüngere Erwachsene. In vielen Fällen liegt eine infektiöse Ursache zugrunde. Ein klassischer Zusammenhang besteht mit einer Infektion durch Bartonella henselae im Rahmen der Katzenkratzkrankheit. Nicht-infektiöse Ursachen wie Autoimmunerkrankungen, Sarkoidose und idiopathische Verlaufsformen sind beschrieben.
Pathophysiologie
Primär liegt eine Vaskulitis der Gefäße des Sehnervenkopfes vor. Durch eine gesteigerte Gefäßpermeabilität kommt es zur Exsudation lipidreicher Bestandteile in die Netzhaut.
Die typischen harten Exsudate lagern sich in der äußeren plexiformen Schicht der Makula ab. Aufgrund der radialen Faseranordnung entsteht zeitverzögert das charakteristische Sternmuster.
Die Makulabeteiligung ist sekundär und tritt typischerweise Tage bis Wochen nach Beginn der Papillenschwellung auf.
Klinik
- Subakuter, meist einseitiger Visusverlust
- Zentralskotom
- Dyschromatopsie
- Relative afferente Pupillenstörung (bei einseitigem Befall)
- In der Regel keine oder nur geringe Schmerzen bei Augenbewegungen
Systemische Symptome hängen von der zugrunde liegenden Ursache ab (z. B. Lymphadenopathie bei Katzenkratzkrankheit)
Diagnostik
Die Funduskopie zeigt initial eine Papillenschwellung ohne frühe Makulabeteiligung. Im Verlauf erscheinen harte Exsudate in sternförmiger Anordnung in der Makula. Die optische Kohärenztomographie weist subretinale Flüssigkeit, intraretinale Exsudate und eine Verdickung der Papille nach. In der Fluoreszenzangiographie zeigt sich typischerweise eine Leckage an der Papille ohne ausgeprägte Makulavaskulitis.
Serologische Untersuchungen dienen der Erregerdiagnostik. Die Magnetresonanztomographie (MRT) zeigt meist keine typischen demyelinisierenden Läsionen.
Therapie
Die Therapie richtet sich nach der Ätiologie. Bei bakterieller Ursache erfolgt eine Antibiotikatherapie. Im Einzelfall werden systemische Glukokortikoide eingesetzt. Idiopathische Verläufe sind oft selbstlimitierend.
Prognose
Die Prognose meist günstig und die Visuserholung erfolgt meist innerhalb von Wochen bis Monaten. Residuelle Gesichtsfelddefekte können persistieren. Rezidive sind selten.
Differentialdiagnostik
Differenzialdiagnostisch abzugrenzen sind die Optikusneuritis, die Papillitis und Papillenödeme bei intrakranieller Druckerhöhung. Das Fehlen typischer MRT-Veränderungen unterstützt die Abgrenzung zur demyelinisierenden Optikusneuritis bei Multiple Sklerose.
Literatur
- Purvin et al., Neuroretinitis: review of the literature and new observations, J Neuroophthalmol, 2011
- Abdelhakim und Rasool, Neuroretinitis: a review, Curr Opin Ophthalmol, 2018