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Lungenmykose (Pferd)

Englisch: fungal pneumonia, pulmonary mycosis

1 Definition

Unter einer Lungenmykose versteht man eine Infektion der Lunge mit Pilzsporen beim Pferd.

2 Epidemiologie

Lungenmykosen kommen in mitteleuropäischen Regionen äußerst selten vor.

3 Ätiologie

Lungenmykosen werden vorwiegend durch opportunistische Pilze wie z.B. Aspergillus fumigatus, verursacht. Deutlich seltener kommen Erkrankungen aufgrund Aspergillus flavus, Aspergillus nidulans oder Aspergillus niger vor.

Beim Fohlen wird vorwiegend Pneumocystis carinii als Auslöser identifiziert.

4 Pathogenese

Obwohl bei der üblichen Pferdehaltung (Stall- bzw. Boxenhaltung) ständig Aspergillus spp. in der Umgebung nachgewiesen werden kann, kommt es nur äußerst selten zu klinisch manifesten Erkrankungen. Aufgrund der inhalativen Belastung wird der Erreger jedoch häufig im Tracheobronchialsekret (teilweise auch von Makrophagen phagozytiert) nachgewiesen, ohne dass eine Erkrankung stattgefunden hat.

Damit diese opportunistischen Pilze in den Atemwegen bzw. in den Alveolen auskeimen, in das Gewebe eindringen und sich vermehren können, müssen ihnen prädisponierende Faktoren den Weg bereiten. Hierfür kommen v.a. schwere, das Immunsystem deutlich beeinträchtigende Erkrankungen in Frage, die häufig eine deutliche Neutropenie verursachen (z.B. Enteritis, malignes Lymphom, andere Neoplasien u.ä.). Zusätzlich kann eine dauernde Verabreichung von Glukokortikoiden sowie eine Langzeittherapie mit verschiedenen Antibiotika eine Pilzinfektion der Lunge begünstigen.

Schwer verlaufende Erkrankungen des Verdauungstraktes (z.B. Typhlocolitis) gehen mit einer verminderten Barrierefunktion des Darmepithels einher. Aufgrund dessen können mit der Nahrung aufgenommene Pilzsporen die Darmwand passieren und sich hämatogen im gesamten Körper ausbreiten. Letztendlich kommt es zu pilzbedingten Läsionen in den großen Blutgefäßen und zu einer Ansiedlung im Lungengewebe.

5 Klinik

Die klinischen Anzeichen einer Lungenmykose werden meist von den Symptomen der Grunderkrankung überdeckt. Ausgeprägtere mykotisch bedingte Pneumonien entsprechen ihrer Symtomatik her am ehesten mild verlaufenden bakteriell bedingten Bronchopneumonien. Die Erkrankung geht mit unspezifischen Symptomen wie (rezidivierendem) Fieber und Mattigkeit sowie begleitenden respiratorischen Symptomen (z.B. milder Husten, Nasenausfluss, Epistaxis etc.) einher.

Oftmals kann ein geringgradiger begleitender Pleuraerguss festgestellt werden.

6 Diagnose

Manifeste Lungenmykosen werden nur selten ante mortem festgestellt.

Bei Verdacht kann eine röntgenologische und sonographische Untersuchung der Lunge durchgeführt werden. Hier sind pneumonische Herde oder diffus verteilte multifokale Verschattungen hinweisend. Zur Diagnosesicherung kann eine Lungenbiopsie herangezogen werden. Die Biopsie ist unter Ultraschallkontrolle durchzuführen, wobei aufgrund der fokalen Verteilung auch falsch-negative histologische Befunde möglich sind. Um dieses Risiko zu minimieren, sollten gezielt verdächtige Läsionen beprobt werden.

7 Therapie

Ein Therapieversuch kann mit Amphotericin B (0,3 bis 0,6 mg/kgKG in 5%iger Dextrose gelöst über 30 Minuten langsam i.v. appliziert) gestartet werden. Aufgrund des großen Nebenwirkungsprofils (z.B. Phlebitis) ist die Therapie mit den Patientenbesitzern abzusprechen und abzuwägen.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8 Literatur

  • Fey K, Ohnesorge B, Venner M. Krankheiten der Atmungsorgane. In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B, Wehrend A (Hrsg.). 2017. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in Georg Thieme Verlag KG. 321-420. ISBN: 978-3-13-219621-6
  • Reed SM, Bayly WM, Sellon DC. Equine internal medicine. 2018. St. Louis: Elsevier, Inc. ISBN: 978-0-323-44329-6

Diese Seite wurde zuletzt am 18. November 2020 um 18:35 Uhr bearbeitet.

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