Left Bundle Branch Area Pacing
Synonyme: Linksschenkel-Stimulation, Linksschenkelnahes Pacing, Linksschenkelstimulation
Englisch: left bundle branch area pacing
Definition
Das Left Bundle Branch Area Pacing, kurz LBBAP, ist eine Form der physiologischen Schrittmachertherapie, bei der die Stimulationselektrode durch das interventrikuläre Septum bis zum linken Tawara-Schenkel oder dessen Faszikel vorgeschoben wird. Ziel ist es, das native Erregungsleitungssystem zu aktivieren. Das LBBAP ist eine Weiterentwicklung des konventionellen Pacing sowie eine Alternative zum His-Bündel-Pacing.
Hintergrund
Die Linkschenkelstimulation ist ein Conduction System Pacing (CSP) mit direkter Nutzung des His-Purkinje-Systems. Im Gegensatz zur rechtsventrikulären Stimulation, die eine dyssynchrone myokardiale Erregungsausbreitung und das Risiko einer pacinginduzierten Kardiomyopathie mit sich bringt, erfolgt beim LBBAP eine transseptale Elektrodenplatzierung mit Stimulation des linken Tawara-Schenkels distal des His-Bündels. Dadurch können insbesondere distale Leitungsstörungen wie ein Linksschenkelblock effektiv adressiert werden.
Einteilung
Die LBBAP umfasst verschiedene Formen, die sich nach Stimulationsadresse und Stimulationsmodus unterscheiden:
...nach Stimulationsadresse
- Left Bundle Branch Pacing (LBBP): Direkte Erfassung des prädivisionalen linken Tawara-Schenkels oder seiner Faszikel
- Left Ventricular Septal Pacing (LVSP): Linksventrikuläre Septumstimulation ohne direkte Erfassung des Erregungsleitungssystems - nur myokardiale Stimulation
...nach Stimulationsmodus
- Selektive LBBP (S-LBBP): Ausschließliche Erfassung des Reizleitungssystems ohne direkte myokardiale Stimulation. Typische Kriterien sind:
- isoelektrisches Intervall zwischen Stimulus und QRS-Beginn
- Nachweis eines LBB-Potenzials im Elektrogramm
- Rechtsschenkelblock-Morphologie im Oberflächen-EKG
- Nichtselektive LBBP (NS-LBBP): Gleichzeitige Erfassung von Reizleitungssystem und lokalem Septummyokard. Typische Kriterien sind:
- unmittelbarer QRS-Beginn nach Stimulus
- häufig schmalerer QRS-Komplex
- häufigste Form in der klinischen Praxis
- Anodal Capture: Bei der bipolaren Stimulation wird nicht nur der linke Tawara-Schenkel über die Kathode erregt. Gleichzeitig kann über die Ringelektrode (Anode) auch das rechtsventrikuläre Septummyokard stimuliert werden. Diese zusätzliche Stimulation kann die Ausbreitung der Erregung verändern und dadurch die QRS-Morphologie beeinflussen.
Indikationen
- AV-Block mit Schrittmacherindikation, insbesondere bei hoher ventrikulärer Stimulationslast (>20 %)
- Symptomatische Bradykardie mit begleitendem Schenkelblock
- Infra-His'scher Block
Kardiale Resynchronisationstherapie (CRT)
- Herzinsuffizienz mit reduzierter LVEF (≤35 %) und Linksschenkelblock
- Alternative zur biventrikulären Stimulation
- Non-Responder auf konventionelle CRT
- Ungünstige Koronarsinus-Anatomie
Prävention einer schrittmacherinduzierten Kardiomyopathie (PICM)
- Patienten mit erhaltener LVEF (≥50 %) und hoher erwarteter Stimulationslast
- Patienten mit LVEF 36-50 % und AV-Block
Das LBBAP kann mit linksventrikulärer epikardialer Stimulation kombiniert werden (Left Bundle Branch Pacing Optimized CRT, LOT-CRT), um bei inkompletter LBBB-Korrektur eine optimale Resynchronisation zu erreichen.
Kontraindikationen
Zu den Kontraindikationen zählt:
- Schwere Septumhypertrophie oder -fibrose
- Akuter Myokardinfarkt mit septaler Beteiligung
- Mechanische Trikuspidalklappenprothese (relative Kontraindikation)
- Schwere Gerinnungsstörungen (relative Kontraindikation)
Vor- und Nachteile
Die Linkschenkelstimulation ermöglicht eine physiologischere ventrikuläre Stimulation mit verbesserter elektrischer Synchronie, verkürztem QRS-Komplex und verbesserter linksventrikulärer Funktion. Damit sind geringere Raten an Herzinsuffizienzprogression, Hospitalisierung, Vorhofflimmern und pacinginduzierter Kardiomyopathie assoziiert.
Dem stehen eine ausgeprägte Lernkurve mit variablen Erfolgsraten bei struktureller Herzerkrankung, eine fehlende einheitliche Definition des Linkschenkel-Captures mit erschwerter Abgrenzung zum septalen Pacing sowie eine begrenzte Langzeitevidenz gegenüber. Zudem besteht ein geringes Risiko prozeduraler Komplikationen wie septaler Perforation.
Vergleich mit His-Bündel-Stimulation
Die Linkschenkelstimulation bietet gegenüber der His-Bündel-Stimulation eine höhere Erfolgsrate, stabilere elektrische Parameter sowie kürzere Prozedurzeiten. Zudem ist sie mit einer geringeren Dislokationsrate der Sonde und einer besseren Erfassung distaler Leitungsstörungen assoziiert.
Literatur
- Mihail et al., Physiologic Pacing in Heart Failure, N Engl J Med 2026, abgerufen am 15.04.2026
- Bertini et al., Left Ventricular Mechanical Insights Into Left Bundle Branch Pacing and Left Ventricular Septal Pacing, JACC Clin Electrophysiol 2025, abgerufen am 15.04.2026
- Zhang et al., Effect of left bundle branch area pacing on cardiac remodeling and function: propensity score matching with right ventricular pacing, BMC Cardiovasc Discord 2025
- Ishaque et al., Updated Meta-Analysis of Left Bundle Branch Area Pacing Versus Right Ventricular Pacing in Conduction System Disorders: Insights From New Evidence, Clin Cardiol . 2026, abgerufen am 15.04.2026