Kompressionsstrumpf
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LoslegenSynonyme: medizinischer Kompressionsstrumpf, MKS
Englisch: medical compression stocking
Definition
Kompressionsstrümpfe sind ein medizinisches Hilfsmittel, das zur Behandlung venöser und lymphatischer Erkrankungen eingesetzt wird – z.B. zur Vorbeugung von Beinvenenthrombosen.
Abgrenzung
Stützstrümpfe und Thromboseprophylaxestrümpfe gehören nicht zu den medizinischen Kompressionsstrümpfen. Beide liegen in ihrer Kompressionswirkung noch unterhalb der leichten Klasse I.
Stützstrümpfe eignen sich für Venengesunde zur Vorbeugung gegen schwere, müde Beine bei langem Stehen oder Sitzen und auch gegen Reisethrombose. Als Prophylaxemaßnahme werden diese Produkte nicht von den Krankenkassen bezahlt und können bei einer bestehenden Venenerkrankung einen Kompressionsstrumpf nicht ersetzen.
Der Thromboseprophylaxestrumpf (Antithrombosestrumpf) wird in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bei bettlägerigen und frisch operierten Patienten zur Prophylaxe der Thrombose eingesetzt. Für aufrecht gehende und sitzende Patienten ist er wegen des niedrigen Drucks und der Strickweise nicht geeignet.
Einteilung
Kompressionsstrümpfe gibt es in unterschiedlichen Kompressionsklassen (CCL, KKL). Man unterscheidet:
| Klasse | Kompression in mmHg | Kompression in kPa |
|---|---|---|
| CCL 1 | 18–21 | 2,4–2,8 |
| CCL 2 | 23–32 | 3,1–4,3 |
| CCL 3 | 34–46 | 4,5–6,1 |
| CCL 4 | ≥ 49 | ≥ 6,5 |
Darüber hinaus sind unterschiedliche Strumpflängen verfügbar:
| Kürzel | Länge |
|---|---|
| AD | Waden-/Knielänge |
| AF | Halbschenkel-Länge |
| AG | Oberschenkel-Länge |
| AT | Strumpfhose |
Für Patienten mit Armlymphödemen sind spezielle Armstrümpfe erhältlich.
Medizinische Kompressionsstrümpfe sind zu Lasten der GKV verordnungsfähig. Eine Neuverordnung ist in der Regel alle sechs Monate möglich. Aus hygienischen Gründen kann ein zweites Paar zum Wechseln verordnet werden.
Aufbau
Medizinische Kompressionsstrümpfe bestehen aus einem elastischen Gestrick mit Zweizug-Eigenschaften. Man unterscheidet zwei Herstellungsverfahren: rundgestrickte Strümpfe (nahtlos, für die phlebologische Standardversorgung) und flachgestrickte Strümpfe (mit Naht). Flachgestrickte Qualitäten werden bei großen Umfangsänderungen, konisch geformten Extremitäten sowie ausgeprägten Lymph- und Lipödemen bevorzugt, da rundgestricktes Material hier häufig ungeeignet ist.
Wirkprinzip
Kompressionsstrümpfe umschließen das Bein von außen und üben dadurch einen definierten Druck auf das Gewebe und die venösen Blutgefäße aus. Dieser Druck entlastet die Venen und Lymphgefäße, indem er den Flüssigkeitseinstrom aus den Blutkapillaren in das Gewebe reduziert und venöse Blutgefäße auf einen kleineren Durchmesser zusammenpresst, sodass insuffiziente Venenklappen wieder schließen und ihrer Funktion als Rückstauventil gerecht werden. Durch den äußeren Druck erhöht sich auch die Fließgeschwindigkeit des Blutes und der venöse Rückstrom zum Herzen wird erleichtert. Die Beine schwellen ab, weil die Gewebeflüssigkeit wieder verstärkt in die Venen aufgenommen wird und besser abfließen kann.
Man unterscheidet den Ruhedruck (im Liegen, ohne Muskelanspannung) vom Arbeitsdruck, der erst durch die Muskelbewegung gegen das wenig dehnbare Gestrick entsteht. Die Kompressionsklassen beziehen sich auf den Ruhedruck.
Der Kompressionsstrumpf übernimmt eine der Faszie ähnliche Widerlagerfunktion. Vor dem Anlegen muss das Bein durch Hochlagerung oder Auswickeln entstaut werden – es findet keine aktive Entstauung durch den Strumpf statt.
Ein Kompressionsstrumpf ist so angefertigt, dass der Druck von proximal nach distal analog zum schwerkraftbedingten Gewebedruck zunimmt. Der klassendefinierende Basisdruck wird an der Fessel (Messstelle B) gemessen. Herzwärts nimmt der Druck ab.
Indikationen
Kontraindikationen
- fortgeschrittene pAVK (Verordnung und Anwendung nur unter ärztlicher Aufsicht)
- dekompensierte Herzinsuffizienz
- septische Phlebitis
- Phlegmasia coerulea dolens
- schwere sensible Neuropathie
Quellen
- S2k-Leitlinie "Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten mit MKS, PKV und MAK", AWMF-Registernummer 037-005 (Stand 12/2018, derzeit in Aktualisierung)
- S2k-Leitlinie "Diagnostik und Therapie der Lymphödeme", AWMF-Registernummer 058-001
- RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. Medizinische Kompressionsstrümpfe, Gütesicherung RAL-GZ 387/1.