Hyperinsulinämie
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LoslegenSynonym: Hyperinsulinismus
Englisch: hyperinsulinaemia, hyperinsulinism
Definition
Unter einer Hyperinsulinämie versteht man einen pathologisch erhöhten Insulinspiegel im Blut.
Terminologie
Der Begriff Hyperinsulinismus bezeichnet eher eine unangemessen hohe Insulinsekretion bzw. übermäßige Insulinwirkung. Hyperinsulinismus und Hyperinsulinämie werden in der klinischen Alltagssprache aber meist synonym verwendet.
Ursachen
Eine Hyperinsulinämie kann unterschiedliche Ursachen haben, z.B.:
- periphere Insulinresistenz mit reaktiv gesteigerter Insulin-Sekretion, z.B. bei Hyperglykämie, Prädiabetes oder Diabetes mellitus Typ 2.
- insulinproduzierender Inselzelltumor des Pankreas (Insulinom)
- pathologisch gesteigerte Insulinsekretion der Beta-Zellen, meist in Folge einer Ionenkanalmutation des ATP-sensitiven Kaliumkanals (kongenitaler Hyperinsulinismus)
- Einnahme insulinsekretionsfördernder Arzneimittel, z.B. Sulfonylharnstoffe
- exogene Insulinzufuhr
Pathophysiologie
Bei Insulinresistenz dient die gesteigerte Insulinsekretion dazu, die normale Glukosekonzentration im Blut aufrechtzuerhalten. Bei unzureichender Kompensation entsteht eine Hyperglykämie.
Eine im Verhältnis zur Glukosekonzentration unangemessen hohe Insulinsekretion verursacht hingegen eine Hypoglykämie. Mögliche Symptome sind Schwitzen, Tremor, Palpitationen und Heißhunger sowie Verwirrtheit, Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit. Wiederholte schwere Hypoglykämien können insbesondere bei Kindern bleibende neurologische Schäden verursachen.[1]
Diagnostik
Das Nüchterninsulin wird im Serum nach mindestens 8-stündigem Fasten gemessen. Den Messwert interpretiert man immer gemeinsam mit der Glukosekonzentration. Ein isoliert erhöhter Insulinwert hat nur eine eingeschränkte Aussagekraft.
Bei Verdacht auf eine hyperinsulinämische Hypoglykämie werden während einer hypoglykämischen Episode Blutglukose, Insulin, C-Peptid, Proinsulin und Beta-Hydroxybutyrat bestimmt. Ergänzend kann ein Screening auf Sulfonylharnstoffe und andere insulinsekretionsfördernde Arzneimittel erfolgen.
Die weitere Differentialdiagnostik der Hyperinsulinämie basiert auf verschiedenen endokrinologischen Funktionstests, u.a.:
Bildgebung und molekularbiologische Diagnostik werden in Abhängigkeit von der Verdachtsdiagnose eingesetzt.
Referenzbereich
Der Referenzbereich für Nüchterninsulin im Serum liegt bei Erwachsenen zwischen 2,6–24,9 mIU/l. Hinweis: Referenzwerte sind häufig vom Messverfahren abhängig und können von den o.a. Werten abweichen. Ausschlaggebend sind die Referenzwerte, die vom Labor angegeben werden, das die Untersuchung durchführt.
Therapie
Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Hyperinsulinämie.
Insulinresistenz
Bei kompensatorischer Hyperinsulinämie wird entsprechend der individuellen Stoffwechsellage behandelt. Sie entspricht weitgehend der Therapie eines Prädiabetes. Im Vordergrund stehen körperliche Aktivität, angepasste Ernährung und ggf. Gewichtsreduktion. Ein erhöhter Insulinwert allein begründet noch keine medikamentöse Therapie.[2]
Insulinom
Insulinome werden operativ entfernt. Zur Überbrückung bis zur Operation oder bei fehlender Operabilität kann die Insulinsekretion mit Diazoxid gehemmt werden. Weitere Maßnahmen richten sich nach den Tumoreigenschaften und dem Krankheitsstadium.[3]
siehe Hauptartikel: Insulinom
Kongenitaler Hyperinsulinismus
Die Behandlung erfolgt in einem spezialisierten Zentrum. Je nach Form und Ansprechen kommen Diazoxid, Somatostatinanaloga und Ernährungstherapien zum Einsatz. Bei fokalen Formen kann eine gezielte Resektion kurativ sein. Bei schweren, medikamentös nicht kontrollierbaren diffusen Formen kann eine ausgedehntere Pankreasresektion erforderlich werden.[1]
siehe Hauptartikel: Kongenitaler Hyperinsulinismus
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 De Leon DD et al. International Guidelines for the Diagnosis and Management of Hyperinsulinism. Horm Res Paediatr. 2024;97(3):279–298.
- ↑ Davies MJ et al. Management of Hyperglycemia in Type 2 Diabetes, 2022. A Consensus Report by the American Diabetes Association (ADA) and the European Association for the Study of Diabetes (EASD). Diabetes Care. 2022;45(11):2753–2786.
- ↑ Hofland J et al. Approach to the Patient: Insulinoma. J Clin Endocrinol Metab. 2024;109(4):1109–1118.