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Glucagon-Stimulationstest

Englisch: glucagon stimulation test

1 Definition

Der Glucagon-Stimulationstest, kurz GST, ist ein endokrinologischer Funktionstest, der zur Differentialdiagnostik der Hyperinsulinämie und des Wachtumshormonmangels eingesetzt wird.

2 Testprinzip

2.1 Hyperinsulinämie

Der Glucagon-Test dient der Prüfung der Stimulierbarkeit der Betazellen des Pankreas. Glucagon induziert eine maximale gegenregulatorische Sekretion von Insulin und C-Peptid.

2.2 Wachstumshormonmangel

Intramuskulär oder subkutan verabreichtes Glucagon stimuliert die Hypophyse zur Ausschüttung von Somatotropin. Die genauen Mechanismen der hormonellen Antwort sind noch nicht vollständig geklärt.

3 Indikationen

  • Differenzierung von funktionellen und tumorbedingten Hyperinsulinämien, Verdacht auf Insulinom
  • Beurteilung der noch vorhandenen sekretorischen B-Zell-Funktion
  • Diagnostik des Wachtumshormonmangels (Hyposomatotropismus)[1]

4 Durchführung

4.1 Hyperinsulinämie

Vor der Durchführung des Tests sollte der Patient sich mindestens 3 Tage lang kohlenhydratreich ernähren. 8 Stunden vor Testbeginn sollte keine Nahrungsaufnahme mehr erfolgen. Wasser kann getrunken werden. 30-60 Minuten vor Testbeginn wird eine Venenverweilkanüle gelegt, die durch eine Tropfinfusion mit steriler physiologischer Kochsalzlösung oder einen Mandrin offen gehalten wird. Die Untersuchung läuft dann nach folgendem Zeitschema ab:

Zeit [min] Maßnahme
-5 Blutentnahme für ersten Basalwert (Probe 0)
Serumblut (C-Peptid, Insulin) und NaF-Blut (Blutglukose)
0 langsame i.v.-Injektion von 1 mg Glucagon in 10 ml 0,9% NaCI
1 Blutentnahme 1. Stimulationswert (Probe 1), Serum + NaF
5 Blutentnahme 2. Stimulationswert (Probe 2), Serum + NaF
10 Blutentnahme 3. Stimulationswert (Probe 3), Serum + NaF
15 Blutentnahme 4. Stimulationswert (Probe 4), Serum + NaF
30 Blutentnahme 5. Stimulationswert (Probe 5), Serum + NaF

Das oben angegebene Schema ist ein Beispiel - es werden auch andere Testschemata durchgeführt.

4.2 Wachstumshormonmangel

Vor der Durchführung des Tests sollte der Patient mindestens 8 Stunden keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Wasser kann getrunken werden. 60 Minuten vor Testbeginn wird eine Venenverweilkanüle gelegt, die durch eine Tropfinfusion mit steriler physiologischer Kochsalzlösung oder einen Mandrin offen gehalten wird. Die Untersuchung läuft dann nach folgendem Zeitschema ab:

Zeit [min] Maßnahme
-30 Blutentnahme für 1. Basalwert (Probe 0)
0 Blutentnahme für 2. Basalwert (Probe 1)
i.m.-Injektion von 30 μg Glucagon pro kgKG bis zu einer Maximaldosis von 1 mg
60 Blutentnahme 1. Stimulationswert (Probe 2)
90 Blutentnahme 2. Stimulationswert (Probe 3)
120 Blutentnahme 3. Stimulationswert (Probe 4)
150 Blutentnahme 4. Stimulationswert (Probe 5)
180 Blutentnahme 5. Stimulationswert (Probe 6)

Zeitgleich mit der Blutentnahme für die Bestimmung von Somatotropin wird jeweils der Blutzuckerwert bestimmt.

5 Interpretation

5.1 Hyperinsulinämie, B-Zell-Reserve

Bei Gesunden kommt es nach der Glucagongabe zu einem Anstieg der Insulin- und C-Peptidkonzentration. Bei Basalwerten unter dem Normbereich und fehlendem Anstieg von Insulin und C-Peptid ist die Funktionsfähigkeit der Betazellen eingeschränkt. Bei einem Insulinom steigt der Insulingipfel auf mehr als 100 mU/l an, das C-Peptid auf mehr als 2,5 μg/l. Die Sensitivität des Tests wird als mäßig angegeben (50-80%) - er wird deswegen nicht mehr empfohlen.[2]

5.2 Wachstumshormonmangel

Eine Somatotropin-Konzentration von mehr als 7 μg/l spricht für eine normale Hormonsekretion. Werte unter 3 μg/l (Kinder: 5 μg/l) sprechen für einen Wachstumshormonmangel. Werte zwischen 5 und 7 μg/l sollten weiter abgeklärt werden. Da die Werte methodenabhängig sind, sind die vom jeweiligen Labor angegebenen Cut-off-Werte ausschlaggebend.

6 Einschränkungen

7 Nebenwirkungen

8 Quellen

  1. Kevin C. J. Yuen: Glucagon Stimulation Testing in Assessing for Adult Growth Hormone Deficiency: Current Status and Future Perspectives ISRN Endocrinol. 2011; 2011: 608056. Published online 2011 Aug 11. doi: 10.5402/2011/608056 PMCID: PMC3262627 PMID: 22363884
  2. Neumeister B, Böhm BO: Klinikleitfaden Labordiagnostik, 6. Auflage (2018), Elsevier Verlag ISBN: 978-3-437-22235-1

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