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Bläschendrüse

(Weitergeleitet von Glandula vesicularis)

Synonyme: Glandula vesiculosa, Glandula vesicularis, Vesicula seminalis, irreführend auch Samenblase, Samenblasendrüse
Englisch: seminal vesicle

1 Definition

Die Bläschendrüse ist eine paarig angelegte akzessorische Geschlechtsdrüse des Mannes.

2 Anatomie

2.1 Morphologie

Die Bläschendrüse ist eine etwa 5 cm lange, längsovale Drüse von geknäueltem Aussehen. Ihr Ausführungsgang, der Ductus excretorius verbindet sich mit dem Samenleiter (Ductus deferens) zum Spritzkanal (Ductus ejaculatorius), der dann in die Harnröhre (Urethra) mündet.

Der Name "Bläschendrüse" ist irreführend, denn tatsächlich handelt es sich um vielfach gefaltete Säckchen, die ein Volumen von etwa 4 ml fassen können.

2.2 Embryologie

Die Glandula vesiculosa entsteht embryologisch aus dem Wolff-Gang (Urnierengang).

2.3 Topografie

Die paarigen Bläschendrüsen liegen hinter dem Fundus vesicae der Harnblase. Dorsal können sie bis zur Excavatio rectovesicalis reichen. Angrenzende Strukturen der Bläschendrüse sind:

Die Bläschendrüse weist eine nach kranial und dorsal weisende Kuppe auf, die oft noch vom Peritoneum bedeckt ist. Die größten Drüsenanteile haben jedoch keinen Bauchfellbezug.

2.4 Versorgung

Die Versorgung der Bläschendrüse mit arteriellem Blut erfolgt durch Äste der Arteria vesicalis inferior aus der Arteria iliaca interna und variable Äste, die aus der Arteria ductus deferentis entspringen.

Der venöse Abfluss wird über den Plexus venosus vesicoprostaticus geregelt, der in die Venae vesicales mündet. Die Lymphdrainage erfolgt größtenteils durch die Nodi lymphatici iliaci interni, ein kleiner Teil fließt in die präsakralen Lymphknoten ab.

Die Innervation wird überwiegend durch sympathische Fasern aus dem Plexus hypogastricus inferior geregelt, die für die Kontraktion der glatten Drüsenmuskulatur während der Ejakulation zuständig sind. Außerdem sind parasympathische Fasern aus dem gleichen Plexus vorhanden, welche die Sekretproduktion regulieren.

3 Funktion

Die Bläschendrüse produziert ein alkalisches Sekret, das einen hohen Fruktosegehalt besitzt. Es stellt den größten Anteil des Ejakulats (ca. 70%) und dient den darin befindlichen Spermien als Energielieferant zur Bewegung. Das alkalische Milieu regt die Spermatozoenbeweglichkeit an.

Gleichzeitig sezerniert die Bläschendrüse das Protein Semenogelin, das die Spermien in einer Gelmatrix einschließt und ihre vorzeitige Kapazitation verhindert. Dieses Protein wird erst in der Prostata durch PSA gespalten, wodurch die Spermien ihre volle Beweglichkeit gewinnen.

4 Nomenklatur

Da die Glandula vesiculosa nichts mit der Produktion oder Reifung der Spermien ("Samen") zu tun hat, ist die ältere Bezeichnung "Samenblase" irreführend und wird in der jüngeren Literatur nicht mehr verwendet.

Ich würde empfehlen, den Artikel in Bläschendrüse umzubenennen u. Samenblase (=alte Bezeichnung durch Fehldeutung der Physiologie) als Synonym einzutragen. (Quelle beispielsweise http://bit.ly/1TjdL50)
#1 am 03.05.2016 von Felix Radtke (Student/in der Humanmedizin)

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