Gedatolisib
Definition
Gedatolisib ist ein experimenteller dualer Inhibitor der Phosphoinositid-3-Kinase (PI3K) und der mTOR-Kinase. Er wird zur zielgerichteten antineoplastischen Therapie solider Tumoren, insbesondere des Mammakarzinoms, eingesetzt.
Chemie
Gedatolisib ist ein niedermolekularer, synthetischer Wirkstoff aus der Gruppe der PI3K/mTOR-Inhibitoren. Die Substanz ist lipophil und zur parenteralen Anwendung formuliert. Chemisch handelt es sich um ein heterozyklisches Molekül mit Affinität zu ATP-Bindungsstellen von Kinasen.
Wirkmechanismus
Gedatolisib hemmt kompetitiv die ATP-Bindungsstellen von PI3K (Klasse I) sowie der Serin/Threonin-Kinase mTOR (mTORC1 und mTORC2). Dadurch wird die PI3K-AKT-mTOR-Signalkaskade gehemmt, die eine zentrale Rolle bei der Steuerung von Zellproliferation, Zellwachstum und Apoptose spielt.
Die duale Hemmung führt zu:
- Reduktion der AKT-Phosphorylierung
- Hemmung der Proteinsynthese (über mTORC1)
- Beeinträchtigung von Zellzyklusprogression und Zellwachstum
- Induktion von Apoptose in Tumorzellen
Im Vergleich zu selektiven PI3K-Inhibitoren wird durch die zusätzliche mTOR-Hemmung eine kompensatorische Aktivierung downstream gelegener Signalwege reduziert.
Pharmakokinetik
Gedatolisib wird intravenös verabreicht und zeigt eine systemische Verfügbarkeit ohne First-Pass-Effekt. Die Substanz weist eine relativ kurze Plasmahalbwertszeit auf, akkumuliert jedoch bei wiederholter Gabe.
Der Metabolismus erfolgt überwiegend hepatisch, vermutlich über Cytochrom-P450-System-abhängige Enzyme. Die Elimination erfolgt biliär und renal.
Indikationen
Gedatolisib befindet sich derzeit (2026) in klinischer Entwicklung. In klinischen Studien werden u.a. folgende Indikationen untersucht:
- Mammakarzinom (insbesondere hormonrezeptorpositiv, HER2-negativ)
- Endometriumkarzinom
- Ovarialkarzinom
Der Einsatz erfolgt häufig in Kombination mit endokrinen Therapien oder Chemotherapeutika.
Darreichungsformen
Gedatolisib wird als intravenöse Infusionslösung verabreicht.
Dosierung
Die Dosierung erfolgt im Rahmen klinischer Studien und ist nicht standardisiert. Häufig werden wöchentliche oder intermittierende Dosierungsschemata verwendet.
Nebenwirkungen
Zu den häufig berichteten Nebenwirkungen gehören:
- Stomatitis
- Hyperglykämie
- Diarrhö
- Übelkeit
- Fatigue
- Exanthem
- hämatologische Toxizitäten (z.B. Neutropenie)
Klasseneffekte der PI3K/mTOR-Inhibition wie metabolische Störungen sind typisch.
Wechselwirkungen
Mögliche Wechselwirkungen bestehen mit Substanzen, die das Cytochrom-P450-System beeinflussen, z.B. CYP3A4-Inhibitoren oder -Induktoren. Zusätzlich können additive Effekte mit anderen zielgerichteten Therapien oder zytotoxischen Substanzen auftreten.
Kontraindikationen
Die Kontraindikationen sind derzeit nicht abschließend definiert. Relative Kontraindikationen können umfassen:
- schwere Leberfunktionsstörungen
- unkontrollierter Diabetes mellitus
- ausgeprägte Infektionen
Zulassung
Gedatolisib ist derzeit (Stand 2026) in der EU und den USA nicht zugelassen und befindet sich in klinischen Studien (Phase II/III).